Mainz/Berlin - Der 1. FSV Mainz 05 zählt zu den großen Überraschungen der noch jungen Saison 2010/11. Nach zwei Spielen stehen die Rheinland-Pfälzer ungeschlagen und mit der Maximalausbeute von sechs Punkten auf Platz 3 der Tabelle.

War es am 2. Spieltag eine schier unglaubliche Aufholjagd, die dem FSV einen 4:3-Sieg in Wolfsburg bescherte, so hatte zum Saisonstart Christian Wetklos gehaltener Elfmeter großen Einfluss auf das Spiel gegen Stuttgart. Nun steht der Keeper bei bundesliga.de Rede und Antwort.

Er spricht über jene Schlüsselszene aus dem Stuttgart-Spiel und erklärt, warum der 1. FSV Mainz 05 auch nach zehn Jahren Vereinszugehörigkeit seine Faszination noch nicht verloren hat. Wetklo redet auch über seine Position im Team und das Spitzenspiel gegen Aufsteiger Kaiserslautern.

bundesliga.de: Herr Wetklo, zwei Spiele und zwei Siege. Was zeichnet den 1. FSV Mainz 05 bislang in dieser noch jungen Saison aus?

Christian Wetklo: Unsere mannschaftliche Geschlossenheit. Jeder erfüllt seine Aufgaben auf dem Platz, diese Abläufe sind einstudiert. Der Trainer gibt uns dazu jedes Spiel den passenden Plan mit, wie wir den Gegner am besten bearbeiten.

bundesliga.de: Am 1. Spieltag hielten Sie gegen Stuttgart beim Stand von 0:0 einen Elfmeter. Das war sicher die Schlüsselszene des Spiels. Aber war es auch für Sie der Moment, in dem der Knoten geplatzt ist?

Wetklo: Es hat mich gefreut, dass ich der Mannschaft in dieser Situation helfen und Rückhalt geben konnte. Die Szene war für das gesamte Spiel wichtig, aber natürlich auch für mich selbst. Nach der Verletzung von Heinz Müller stand in der Öffentlichkeit und manchen Medien meine Rolle zur Diskussion. Ich habe diese Diskussion nie verstanden, weil ich jetzt zehn Jahre im Verein spiele und immer Leistung gebracht habe, wenn ich gefordert war, auch in der Bundesliga. Da hilft es dir natürlich auch persönlich, wenn du ein solches Zeichen setzen kannst.

bundesliga.de: Am 2. Spieltag drehte Mainz einen 0:3-Rückstand in ein 4:3. So etwas sieht man auch nicht alle Tage. Woher nimmt die Mannschaft dieses Selbstvertrauen?

Wetklo: Die Mannschaft hat die nötige Ruhe, den eigenen Plan auch bei Rückschlägen konsequent durchzuziehen. Und dann hat uns auch der Spielverlauf geholfen. Der Anschlusstreffer vor der Pause war wichtig. Als wir direkt nach der Pause zum 2:3 verkürzt haben, war jedem klar, dass wir die Partie drehen können.

bundesliga.de: Als Torhüter ist man über drei Gegentore in einer Halbzeit natürlich nicht glücklich. Wie haben Sie dennoch sich und Ihre Vorderleute motiviert?

Wetklo: Das ist keine Frage der Motivation. Meine Motivation ist es immer, den nächsten Ball zu halten.

bundesliga.de: Sie spielen seit 2000 in Mainz. Sie haben beide Aufstiege miterlebt, auch den damaligen Abstieg 2006/07. Und nun die tolle Saison 2009/10 und diesen Super-Start in die neue Saison. Was ist das Besondere für Sie am 1. FSV Mainz 05?

Wetklo: Der Verein ist in kritischen Situationen immer ruhig geblieben und hat seine Linie und seine Philosophie durchgezogen. Der Verein hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt, ist dabei aber stets offen und familiär geblieben.

bundesliga.de: Im Sommer 2009 standen Sie auf dem Abstellgleis. Unter Thomas Tuchel kämpften Sie sich zurück in die Mannschaft und nun stehen Sie wieder auf dem Feld. Machen Sie sich Gedanken über das Thema Stammkeeper?

Wetklo: Nein. Ich bringe meine Leistung und versuche der Mannschaft auch in den nächsten Spielen zu helfen. Was passiert, wenn Heinz Müller wieder fit ist, ist dann ein anderes Thema.

bundesliga.de: Am 3. Spieltag empfängt Mainz den FCK. Das ist ein echtes Spitzenspiel. Worauf wird es in diesem Duell ankommen?

Wetklo: Beide Mannschaften werden hoch motiviert sein. Ich rechne mit einem engen, schnellen Spiel. Wir werden vom Trainer einen Matchplan bekommen, den wir konsequent verfolgen wollen. Und wir wollen versuchen, bei allen Emotionen, die mit im Spiel sind, kühlen Kopf zu bewahren.

bundesliga.de: Denken Sie, dass der FSV die tolle Vorsaison wiederholen kann?

Wetklo: Auf jeden Fall, ich sehe keine Gründe, die dagegen sprechen. Wir legen uns aber nicht auf einen Tabellenplatz oder eine Punktzahl fest.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz