Leverkusen - Heung-Min Son ist ein bescheidener Mensch. Obwohl er mit seinem Tor den knappen 1:0-Sieg von Bayer 04 Leverkusen gegen den FC Augsburg perfekt machte, sparte er nicht mit Lob für seine Mitspieler und die ordentliche Teamleistung. Damit blieb sich der Matchwinner treu.

"Roberto Hilbert hat sehr gute Vorarbeit geleistet und den Ball von außen genau in die Mitte gespielt. Ich stand da, bin tief gegangen. Das Tor war dann einfach", beschrieb Heung-Min Son mit einer gehörigen Portion Understatement das Tor des Tages. Denn so einfach war der Treffer dann doch nicht. Es gehört viel technisches Können dazu, den Ball so platziert neben den Pfosten ins Tor zu schießen, wie der Südkoreaner es tat.

Lauf- und abschlussfreudig

An diesem regnerischen Mittwochabend gehörte der immer noch erst 22 Jahre junge, aber dennoch bereits erfahrene Stürmer (108 Bundesliga-Spiele für Hamburg und Leverkusen) zu den besten Spielern der Werkself. Seine Werte konnten sich sehen lassen: 10,7 Kilometer spulte der laufstarke Angreifer runter, 37 Sprints legte er hin, 36 Ballkontakte hatte er, 17 von 23 Pässen kamen beim Mitspieler an. Und seine vier Schüsse aufs Tor der Schwaben waren Bestwert.

Einer davon zappelte im Kasten. Zum Glück für die Rheinländer, denn somit kam es gar nicht erst zum sonst möglichen Krisengerede nach zuvor drei Pflichtspielen ohne Sieg und den bitteren Niederlagen in Monaco und Wolfsburg. Leverkusen steht auf Platz 2 der Tabelle und damit prima da.

"Selbstvertrauen für Freiburg"

"Der Sieg tut uns gut, die drei Punkte sind sehr schön für uns", freute sich Heung-Min Son. "Wir nehmen jetzt Selbstvertrauen für das Spiel am Samstag in Freiburg mit. Das wird ein schweres Spiel, in der letzten Saison haben wir dort 2:3 verloren. Wir müssen uns jetzt gut erholen und vorbereiten, um dort drei Punkte zu holen." (Duell-Vorschau)

Heung-Min Son erzielte sein zweites Saisontor, nachdem er noch vor zwei Wochen als Joker beim 3:3 gegen Werder Bremen gestochen hatte. Das zeigt seine Vielseitigkeit, aber auch, dass er einen Stammplatz in der Mannschaft des neuen Trainers Roger Schmidt keineswegs sicher hat. Dafür muss noch etwas mehr kommen.

"Wir glauben an unser System"

In der letzten Saison erfüllte Heung-Min Son in etwa die in ihn gesteckten Erwartungen. Anfangs schien ihn die hohe Ablöse, die Leverkusen an den Hamburger SV überwiesen hatte, etwas zu hemmen. Dann startete er zwischen dem 12. und 15. Spieltag durch, als ihm sechs Tore in vier Spielen gelangen. Am Ende der Spielzeit standen zehn Treffer bei 31 Bundesliga-Einsätzen zu Buche. Eine sicher passable Bilanz fürs erste Jahr bei einem Champions-League-Teilnehmer. Aber auch eine, die noch ausbaufähig ist. Das weiß auch der 22-Jährige.

Der Start in diese Saison war für Heung-Min Son und Bayer Leverkusen auf alle Fälle vielversprechend. Die Systemumstellung funktioniert bereits gut. Die offensive Ausrichtung kommt den Angreifern entgegen. "Wir glauben an unser System. Wenn wir alle mitmachen, sind wir auf einem guten Weg", sagt der Torjäger, der trotz aller Bescheidenheit sicherlich gerne noch ein paar Mal Spiele entscheiden will.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski