Neil Moors und Matthew Gerrard kommen beide aus England und teilen eine Leidenschaft: Fußball. Doch der Premier League haben die beiden inzwischen mehr oder weniger abgeschworen.

Nach einem Deutschland-Besuch während der WM 2006 entdeckten die Engländer ihre Liebe zu Borussia Dortmund und der Bundesliga. "Nachdem wir die Bundesliga ausprobiert haben, werden wir nicht zur Premier League zurückkehren", sagt Moors.

bundesliga.de: Matthew, Neil, wissen Ihre Arbeitgeber eigentlich, dass Sie Anhänger der Bundesliga sind?

Matthew Gerrard: Ja, ich denke, dass unser Mitarbeitermagazin demnächst darüber berichten wird, weil ich erwähnt habe, dass ich Anhänger der Bundesliga bin.

Neil Moors: Mein Arbeitgeber weiß sehr gut, dass ich häufig nach Deutschland reise, manche glauben, ich sei ein wenig verrückt. Manche ziehen mich deswegen auch auf, aber da sie wissen, dass wir Fußball lieben, verstehen sie es auch. Die Leute sind eher überrascht, dass wir nicht die Premier League verfolgen, aber nachdem wir die Bundesliga ausprobiert haben, werden wir nicht zur Premier League zurückkehren.

bundesliga.de: Welchen Club unterstützen Sie?

Gerrard: Wir unterstützen beide Borussia Dortmund. Wir waren während der WM 2006 in Dortmund und haben ein Spiel im "Westfalenstadion" (Signal Iduna Park) gesehen. Wir waren angetan von diesem Stadion, und die Westfalen haben uns mit offenen Armen aufgenommen. Danach haben wir uns immer weiter über die Ergebnisse der Borussia informiert. Es war immer unser Wunsch zurückzukommen, und glücklicherweise hat das dann geklappt.

Moors: Mir geht es genauso, wir haben uns wirklich in das Stadion verliebt. Es waren viele einheimische Fans beim WM-Spiel, mit denen wir ins Gespräch gekommen sind. Wir haben vor der Partie ein paar Bier getrunken, und sie luden uns ein, einmal Dortmund spielen zu sehen. Matthew und ich waren davon sehr angetan und kamen erstmals zu einem Spiel gegen Hertha BSC und sind, seit wir BVB-Fans wurden, einige Male hiergewesen.

bundesliga.de: Was ist das Hauptproblem in der Premier League?

Gerrard: In der Premier League gibt es eben vier Topteams und für die Anderen so gut wie keine Chance, einen der Top 4 zu schlagen. In der Bundesliga dagegen wird ein unterhaltsamerer Fußball gespielt und eigentlich kann jeder jeden schlagen. Bevor ich also auf die Website der Premier League gehe, schaue ich lieber auf der Bundesliga-Website vorbei.

bundesliga.de: Sie sind beide Anhänger des örtlichen Fußballvereins in Dover. Was kostet ein Ticket dort?

Gerrard: Ja, stimmt, wir sind Anhänger von Dover Athletics.

Moors: Es kostet zehn Pfund (ca. elf Euro), sich ein Spiel von Dover anzusehen, was immer noch relativ günstig ist für britische Verhältnisse. Vom Preis her ist das mehr oder weniger vergleichbar mit einem Stadionbesuch auf der Stehtribüne in der Bundesliga - bloß, dass es sich in Dover um Amateurfußball handelt.

bundesliga.de: Was gefällt Ihnen an der Bundesliga besonders?

Gerrard: Die Freundlichkeit der Menschen ist erstaunlich, wir genießen es, dort zu sein und mit den gegnerischen Fans ein paar Bier zu trinken und eine gute Zeit zu haben. Ich finde, Dortmund ist das Herz der deutschen Fan-Gemeinschaft und jeder liebt den Club. Verglichen mit England sieht man auch weniger Polizisten bei Spielen in der Bundesliga. In England können die gegnerischen Fans noch nicht mal ein Bier zusammen trinken, weil die Polizei dies sofort unterbinden würde.

Moors: Das ist richtig. Für mich gibt es in Deutschland eine Sache, die die Bundesliga deutlich von der Premier League unterscheidet und das sind die Stehtribünen. Ich denke, die DFL gibt den Fans eine Art Vertrauensvorschuss und die Fans zahlen das fast schon durch Selbstkontrolle zurück. Sie begrüßen die Freiheit, die sie haben und missbrauchen das nicht. Wir fühlen uns hier sehr wohl.

bundesliga.de: Was für Unterschiede konnten Sie noch feststellen?

Gerrard: Wenn man seine Frau und Kinder mit zum Spiel nehmen möchte, wird es für einen Arbeiter schnell zu teuer. In Deutschland dagegen passt die Preisstruktur einfach. Das Problem in England ist, dass die Top 4 vor allem immer reicher werden wollen. Die Clubs in England sind nicht für die Fans da, wie es in Deutschland der Fall ist. Der Durchschnittspreis für ein Ticket in Deutschland ist 20 Euro, in England ungefähr 40 Euro. Und wir haben in England ein Problem mit der Alterstruktur in den Stadien, denn die Besucher sind im Schnitt recht alt. Junge Arbeiter können sich den Stadionbesuch einfach nicht jede Woche leisten.

Moors: Ja, in Deutschland wird sehr viel Wert auf die Fans gelegt, das ganze Rahmenprogramm am Spieltag ist auf die Fans zugeschnitten. Die Premier League konzentriert sich dagegen mehr auf die "Armchair-Supporters", wie wir sie in England nennen. In England kommt es auch vor, dass die Spieler einfach das Spielfeld verlassen, in Deutschland bedanken sie sich immer bei den Fans, winken, und manchmal greift auch einer zum Mikrofon - es ist einfach ein schöneres Erlebnis.

bundesliga.de: Bei Ihren Reisen dürften einige Kilometer zusammenkommen...

Moors: Ja, es ist schon eine ordentliche Strecke, ein Weg vielleicht 200 oder 300 Meilen, aber das macht nichts. Wir planen unsere Reisen mit Hilfe des Kanaltunnels und wollen uns immer weiter vorwagen: Schaffen wir es in einem Tag nach Frankfurt? Schaffen wir es nach Hannnover oder nach Bremen?

Gerrard: Wir würden gerne auch mal ein Auswärtsspiel der Borussia sehen und erleben, wie die BVB-Anhänger von Dortmund aus ganz Deutschland bereisen. Wir haben das im Internet bereits verfolgt. Einer unserer Freunde war an einem Wochenende in Berlin und zufälligerweise spielte Dortmund an diesem Wochenende auch dort. Er ging zum Spiel, und die gelbe Wand der Anhänger hat ihn schwer beeindruckt.

bundesliga.de: Haben die deutschen Fans Sie bereits voll akzeptiert?

Gerrard: Ja, absolut. Wir haben ein paar Freunde in Dortmund kennengelernt, mit denen wir sprechen und mailen und uns auf dem Laufenden halten. Die Menschen in Deutschland sind so freundlich und haben uns ins Herz geschlossen - das freut uns natürlich.

Moors: Wir hatten immer eine Schwäche für Dortmund. Wir haben uns Dortmund-Trikots aus den 80er und 90er Jahren besorgt, und ich denke, die deutschen Fans waren von unserer Leidenschaft beeindruckt. Wir lieben unseren Fußball und erinnern uns an die Dortmunder Zeiten mit Matthias Sammer und Stephane Chapuisat. Oder an die Zeiten, als sie Rosicky nach Arsenal verkaufen mussten, um über die Runden zu kommen. Dieses Wissen über den Club gefällt den deutschen Fans.

Das Gespräch führte Markus Schmidt