Seit dem 29. August etwa 20:15 Uhr beherrscht eine neuer Name die Bundesliga-Berichterstattung: Arjen Robben feierte ein großartiges Debüt für Bayern München und führte sein neues Team mit einem "Doppelpack" zum 3:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg.

"Ein besseres Drehbuch hätte ich selbst nicht schreiben können", sagt Robben im Interview mit "ESPNsoccernet". Die zweite Hauptrolle im "Wolfsburg"-Stück spielte Bayerns bisherige alleinige Kreativzentrale Franck Ribery, der beide Tore des Niederländers vorbereitete. Robben schwärmt von seinem neuen Kollegen in den höchsten Tönen.

Ribery "definitiv einer der Besten"

"Er ist ein Spielertyp ganz nach meinem Sinn. Er lebt, um im Angriff besondere Dinge zu kreieren und geschehen zu lassen", hebt er ganz bescheiden den Franzosen auf die Stufe der absoluten Superstars.

"Er ist definitiv einer der Besten im Moment - ähnlich wie Leo Messi, Kaka, Cristiano Ronaldo oder Fernando Torres." Schon beim ersten gemeinsamen Auftritt harmonierten die beiden hervorragend. "Was Franck leisten kann, hat man gegen Wolfsburg gesehen. Er hat mir meine beiden Tore brillant aufgelegt", so Robben, dessen Transfer nach München innerhalb von nur zwei Tagen über die Bühne ging.

"Es fühlte sich sehr gut an!"

Der rasante Wechsel des Niederländers von Real Madrid zum deutschen Rekordmeister war für Robben kein Problem: "Manchmal passieren solche Dinge einfach. Es war gut, dass ich so kurz nach der Unterschrift mein Debüt gegeben habe. Nach meinem ersten Training am Freitag bin ich im Spiel wie ein U-Boot aufgetaucht. Ich hatte gar keine Zeit, mir Gedanken um einen guten ersten Eindruck bei den neuen Fans zu machen."

Eine Erklärung für seinen bärenstarken Einstand hatte der 25-Jährige auch gleich parat: "Der Trainer gab mir ein paar Anweisungen, aber ich bin einfach rausgegangen und habe instinktiv Fußball gespielt." Er habe sein "normales Spiel" gezeigt, und sei "mit Tempo auf die Verteidiger" zugegangen: "Es fühlte sich sehr gut an!"

Mit Vertrauen zu neuen Taten

Robben ist vielleicht genau das Puzzle-Teilchen, das dem FC Bayern unter dem neuen Coach Louis van Gaal noch gefehlt hat. Er fühlte sich direkt zuhause beim neuen Club und wusste schnell um den Stellenwert des FCB. "Ich war begeistert, zum ersten Saisonsieg der Bayern beigetragen zu haben. Wir können nun mit viel mehr Selbstvertrauen auftreten, was im Fußball manchmal einen enormen Unterschied ausmachen kann", erklärte der Niederländer.

Die Verantwortlichen haben ihm das in Madrid abhanden gekommene - aber für ihn so wichtige - Vertrauen "vom ersten Treffen an entgegengebracht".

Auf dem Platz will er diesen Vorschuss nun zurückzahlen. Eine Vorstellung, die die nationale Konkurrenz erschrecken dürfte, wenn Robben das weiterhin so eindrucksvoll gelingt wie zum Auftakt gegen den Deutschen Meister. "Ich bin erst 25 Jahre alt, ich habe noch eine Menge Fußball in mir", kündigt der offensive Mittelfeldspieler an.

Links, rechts oder zentral? - Egal!

Und diese Fähigkeit will er mit dem neuen kongenialen Partner an seiner Seite ausüben. Wenn es nach Robben geht, der beim FCB einen Vertrag bis 2013 unterschrieben hat, soll das Zusammenspiel mit Ribery so lange wie möglich weitergehen: "Das Management hat mir klargemacht, dass es Franck nicht verkaufen will. Die Bayern sind ehrgeizig und entschlossen, ihre besten Spieler zu behalten."

Auf dem Platz erwartet der Niederländer ungeachtet mancher Spekulationen über Lieblingspositionen überhaupt keine Probleme mit dem Franzosen: "Ich stelle keine Forderungen, wo ich spiele. Ob links, rechts oder zentral - entscheidend ist, das das Team sein maximales Potential abruft."

Flügelzange par excellence

Instinktfußballer Robben will sich nicht im Vorhinein einschränken: "Es wurde immer gesagt, dass ich links am besten war, aber bei Real habe ich es auch rechts ganz gut hingekriegt. Warten wir es ab. Es gibt kein Gesetz, dass Linksfüßer nicht auf der rechten Seite spielen dürfen."

Alle Fans und Mitspieler dürfen sich also auch in Zukunft wahre Wunderdinge vom neuen Flügel-Duo "Robery" versprechen - die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am 5. Spieltag bei Borussia Dortmund.

Tim Tonner