Bremen - So überraschend kann es kommen: Am Mittwoch verkündete der SV Werder Bremen offiziell die Verpflichtung von Francois Affolter, am Donnerstag trainiert der 20-jährige Schweizer zum ersten Mal mit der Mannschaft und am Samstag beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen feierte der Innenverteidiger dann schon seine Premiere in der Bundesliga.

"Natürlich war ich vor dem Spiel ein bisschen nervös, schließlich stand mein Debüt an. Aber mit dem Anpfiff war das dann verflogen, weil ich mich voll und ganz auf meine Aufgabe konzentriert habe und die gelernten Automatismen gegriffen haben", sagte Affolter im bundesliga.de-Interview nach dem Schlusspfiff.

Er erklärte auch die Art der Kommunikation mit den Mitspielern, gab die aufmunternden Worte von Trainer Thomas Schaaf preis und analysierte die Unterschiede zwischen der Bundesliga und der Schweizer Liga.

bundesliga.de: Herr Affolter, Glückwunsch zum Debüt in der Bundesliga. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Francois Affolter: Ich bin mit meiner Leistung insgesamt zufrieden. Ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Schließlich habe ich in Bern lange nicht mehr in der Startelf gestanden. Doch ich hatte von Beginn an ein gutes Gefühl, hatte die nötige Ruhe am Ball und habe versucht, der Mannschaft so gut es geht zu helfen. Am Ende stimmte das Resultat leider nicht. Es ist sehr schade, dass wir nicht gewinnen konnten, denn jeder hat für den anderen gekämpft.

bundesliga.de: Sie wirkten von Beginn an ruhig und abgeklärt. So, als würden Sie schon Jahre in dieser Mannschaft spielen. Haben Sie überhaupt keinen Druck verspürt?

Affolter: Ich bin ja nun auch schon seit drei Jahren Profi und habe gelernt, mit Druck umzugehen. Natürlich war ich vor dem Spiel ein bisschen nervös, schließlich stand mein Debüt an. Aber mit dem Anpfiff war das dann verflogen, weil ich mich voll und ganz auf meine Aufgabe konzentriert habe und die gelernten Automatismen gegriffen haben.

bundesliga.de: Nach 90 Minuten Bundesliga-Fußball: Sind Ihnen Unterschiede im Vergleich zur Schweizer Liga aufgefallen?

Affolter: Ja, die Unterschiede sind riesig. In der Bundesliga ist alles viel schneller und besser organisiert als in der Schweizer Liga. Die Spieler sind technisch und taktisch sehr gut geschult. Der Ball wird nicht lange gehalten, sondern es wird möglichst sofort das direkte Abspiel gesucht. Es wird einem auch weniger Platz gelassen, gerade wenn man den Ball hat. Aber diese internationale Spielweise gefällt mir.

bundesliga.de: Was hat Trainer Thomas Schaaf Ihnen vor dem Spiel mit auf den Weg gegeben?

Affolter: Der Trainer hat mir gesagt, dass ich mich nicht nervös machen, sondern mich auf meine Qualitäten besinnen soll. Ich solle einfach Fußball spielen, dann würde es schon laufen. Denn schließlich sei es nur ein Fußballspiel, wie jedes andere auch.

bundesliga.de: Und wie hat er Sie auf das taktische System eingestellt?

Affolter: Er hat die wichtigsten Punkte angesprochen: gute Organisation und Kompaktheit. Es gibt im Fußball ja auch Prinzipien, die die Basis ausmachen. Wenn man das weiß, fällt es leichter, sich an neue Spielsysteme zu gewöhnen. Die Mannschaft hat mich toll aufgenommen. Dadurch war es für mich einfacher, mich ins Team zu integrieren.

bundesliga.de: Und wie klappte es mit der Kommunikation auf dem Platz mit Ihrem Nebenmann Sokratis? Haben Sie Deutsch gesprochen oder Englisch?

Affolter: Von allem ein bisschen: Deutsch, Englisch, Italienisch... Aber wir mussten gar nicht so viel reden, sondern haben uns an die Grundlagen gehalten. Wenn einer auf den Ball geht, muss der andere absichern. Das hat auch alles ganz gut geklappt. Nur beim Gegentor waren wir etwas unkonzentriert.

Das Gespräch führte Michael Reis