Gelsenkirchen - Trainer Huub Stevens hat zwei Tage nach seiner Rückkehr auf Schalke einen erfolgreichen Einstand gefeiert. Im zweiten Europa League-Spiel besiegte "Königsblau" den israelischen Meister Maccabi Haifa mit 3:1 und übernahm damit die Führung in der Gruppe J. Nach der Partie sprach der 57-Jährige über Schalkes Offensivqualitäten, Emotionen der Fans, das brisante Spiel beim Hamburger SV und die berühmte "Null", dir früher bei ihm immer stehen musste.

Frage: Herr Stevens, Glückwunsch zum erfolgreichen Comeback auf Schalke. Wie bewerten Sie das erste Spiel unter Ihrer Leitung?

Huub Stevens: Ich muss meinen Spielern ein Kompliment machen. Wir haben gegen eine gute Mannschaft viele Torchancen herausgespielt. Vor der Halbzeit kassieren wir dann ein Gegentor praktisch aus dem Nichts. Das ist schade, passiert aber im Fußball. In der zweiten Halbzeit haben wir dann wieder den Ton angegeben und verdient gewonnen. Wir wollten offensiv spielen und dadurch ergeben sich für den Gegner auch Chancen. In ein paar Situationen haben wir nicht gut ausgesehen, aber so lange wir ein Tor mehr schießen als der Gegner, ist es mir egal. In der Gruppenphase geht vor allem um die Punkte.

Frage: Warum hat sich Ihre Mannschaft zwischenzeitlich schwer getan?

Stevens: Im Umschalten von Defensive auf Offensive sind uns noch einige Fehler unterlaufen. Daran müssen wir arbeiten. Ich denke aber, dass die Art und Weise, wie wir uns Chancen erarbeitet haben und das Ergebnis von 3:1 viel Selbstvertrauen geben. Ich hoffe, dass die Zuschauer zufrieden nach Hause gegangen sind.

Frage: Wie viel Einfluss konnten Sie schon nehmen und wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft?

Stevens: Natürlich nimmt man Einfluss. Aber Entscheidungen haben wir mit dem ganzen Trainerstab getroffen. Wir müssen nun in Ruhe arbeiten und der jungen Mannschaft Zeit geben, sich zu entwickeln. Wir wollen eine Spielweise entwickeln, bei der sich jeder wohlfühlt. Wir haben die Qualitäten, um offensiv zu spielen, die sollten wir nutzen. Es gab mal Zeiten, als ich früher hier Trainer war, da waren alle Stürmer, wie Max und Mulder, verletzt. Da mussten Mittelfeldspieler im Sturm spielen. Dann ist es wichtig, dass du hinten nichts zulässt. Aber mit den Qualitäten die wir heute haben, können wir einen offensiven Fußball spielen.

Frage: Wie viel Arbeit liegt im Defensivbereich noch vor Ihnen?

Stevens: Ich bin zwar erst drei Tage hier, aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Dass Haifa ein Tor gemacht hat, ist nicht das Problem. Wichtig sind die drei Punkte. Für das Publikum ist es auch schön, wenn der Gegner ein Tor schießt. Ich habe es am liebsten, wenn wir immer ein Tor mehr schießen, als der Gegner.

Frage: Ihre berühmte Null muss also nicht unbedingt stehen?

Stevens: Diese Aussage bezog sich damals auf die Duelle im Europacup mit Hin- und Rückspiel. Dort ist es wichtig, kein Gegentor zu bekommen. Ich habe aber kein Problem damit, dass man mich immer darauf anspricht. Im Gegenteil, wenn ich über die Grenze komme, höre ich immer von den Leuten "Da ist er wieder. Die Null muss stehen". Das ist doch super (lacht).

Frage: Sehen Sie Ihr Team für das Spiel beim HSV gut gerüstet?

Stevens: So ein Sieg gegen den bisherigen Spitzenreiter der Gruppe gibt natürlich Selbstvertrauen. Zumal wir jetzt vorne sind. Aber Sonntag ist wieder ein ganz anderes Spiel. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass wir wieder die richtige Frische finden.

Frage: Birgt das Spiel eine gewisse Brisanz, da Sie auch mit dem auch HSV in Kontakt standen?

Stevens: Mich interessiert nicht, was gestern war. Ich schaue auf heute oder morgen. Ich denke, dass die Brisanz etwas für die Medien ist. Da werden wieder einige schöne Geschichten geschrieben. Ich habe mit dem HSV sehr positive Gespräche geführt und danach hatte ich sehr positive Gespräche mit Horst Heldt...

Frage: Die Schalker Fans haben direkt wieder den alten UEFA-Cup-Gesang ""ir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon..." angestimmt. Wie haben Sie die Stimmung empfunden?

Stevens: Die Emotionen der Schalker Fans sind immer super. Es ist immer toll, das zu erleben. Wenn man einmal hier gearbeitet hat, dann bleibt das alles im Herzen und man vergisst es nie mehr. Die Fans sind sehr emotional und stehen hinter der Mannschaft. Ich hoffe, dass sie auch hinter dem Team stehen, wenn es mal nicht so gut läuft. Dann können wir das erreichen, was wir auf Schalke immer erreicht haben: in schwierigen Zeiten der Mannschaft wieder Vertrauen zu geben.

Aufgezeichnet von Markus Hoffmann