Mannschaften, die zuletzt derbe Pleiten kassierten, strotzen in der Regel nicht vor Selbstbewusstsein. Oft fehlt der Glaube an die eigene Stärke und das Vertrauen in die scheinbar abhanden gekommenen Qualitäten.

Welcher Club könnte diese These besser widerlegen, als die "launische Diva" Frankfurter Eintracht. Mit dem eindrucksvollen 4:0-Erfolg der Hessen am Samstag gegen den VfL Bochum gelang ihnen bereits das zweite Mal hintereinander das Kunststück, sich nach einer deftigen Auswärtsschlappe mit einem fulminanten Sieg zurückzumelden.

Vor zwei Wochen gab es nach dem 0:4-Ausrutscher in Dortmund einen 4:0-Erfolg gegen Hannover 96. Nun der deutliche Erfolg gegen die Bochumer nach der Pleite in Bremen (0:5).

"Das ist schon klasse"

"Man kann gar nicht hoch genug bewerten, was die Mannschaft in den vergangenen Wochen abgeliefert hat. Mit den derben Rückschlägen von Dortmund und Bremen. Die Mannschaft kommt immer wieder zurück. Das ist schon klasse", hob Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel nach dem Sieg gegen Bochum die Moral seiner Truppe hervor.

Den Schlüssel für die richtigen Antworten auf vorangegangene Niederlagen sieht er im "vernünftigen Umgang miteinander, gepaart mit harter, objektiver Kritik und dem Glauben an die eigene Stärke." So ließen sich diese Rückschläge immer wieder wegstecken. "Meinen Glauben an die Mannschaft zahlen mir die Spieler immer wieder zurück. Das ist ein unglaubliches Gefühl", strahlte Funkel nach dem Spiel.

Dass es gegen Bochum dennoch ein hartes Stück Arbeit werden sollte, war trotz des frühen Platzverweises für VfL-Schlussmann Daniel Fernandes (5.) und dem anschließend verwandelten Foulelfmeter von Nikos Liberopoulos (7.) augenscheinlich. Obwohl in Unterzahl, hatte die Elf von Gäste-Trainer Marcel Koller in Halbzeit eins mehr vom Spiel und tauchte immer wieder gefährlich vor dem Tor der Hessen auf.

Verkehrte Welt

"Der VfL Bochum hat in der ersten Halbzeit richtig gut gespielt. Ich weiß auch nicht, bei wem ich mich für die 2:0-Halbzeitführung bedanken muss. Das entsprach bei weitem nicht dem Spielverlauf. Nach dem Platzverweis habe ich meine Mannschaft überhaupt nicht wieder erkannt. Die Bochumer waren mit einem Mann weniger über weite Strecken spielbestimmend", fand Funkel anerkennende Worte.

Dem 2:0 vom derzeit überragenden Angreifer Liberopoulos (43.) kurz vor der Pause, ließen Markus Steinhöfer (62.) und Marco Russ (64.) noch zwei weitere Treffer zum letztlich klaren Sieg folgen. "Nach der Pause stand die Eintracht defensiv einfach sehr gut", musste Koller nach dem Spiel eingestehen.

Der doppelte Torschütze Liberopoulos - sein dritter "Doppelpack" im dritten Heimspiel in Folge - hob nach der Partie die Wichtigkeit dieses "Dreiers" hervor: "Es war ein Sieg der Mannschaft . Dieser Erfolg war unglaublich wichtig und wir stehen in der Tabelle nun etwas sicherer da."

Lobeshymne

Wie wichtig der griechische Torjäger für die Hessen ist, betont Funkel nur zu gerne und gerät fast ins Schwärmen: "Liberopoulos war vom ersten Tag an wichtig für die Mannschaft. Der war sogar wichtig, als er nicht gespielt hat. Der Nikos ist ein Profi wie man ihn sich als Trainer nur wünschen kann. Er ist ein Profi vom Scheitel bis zur Sohle. Er ist 33 Jahre alt, läuft aber das Doppelte und Dreifache von dem ein oder anderen Spieler. Das ist sensationell. Er hat Wille und ist einfach ein Klassespieler."

Für die Hessen läuft es aber nicht nur dank Liberopoulos offensiv immer besser. Mit dem Tschechen Martin Fenin hat der Grieche einen glänzenden Partner und harmoniert zusehends besser mit ihm.

"Eindrucksvolle Befreiung"

"Das Zusammenspiel zwischen Liberopoulos und Fenin ist sehr gut. Gerade die beiden haben in den vergangenen Wochen unser Offensivspiel angekurbelt und waren hauptsächlich dafür verantwortlich. Der Martin hat sich aus seinem Tief heraus gekämpft und war heute mit seinen beiden Aktionen sehr wichtig. Der macht im Training Tore ohne Ende. Er hat Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Das zeigt er momentan auch", freute sich Funkel gegenüber bundesliga.de über seinen Sturm.

Mit nun 19 Punkten befindet sich Frankfurt zumindest vorerst in ruhigerem Fahrwasser und lässt auch den Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen aufatmen: " Wenn man bedenkt in welch prekärer Lage wir vor sechs Wochen beim Karlsruhe-Spiel waren, dann kann ich dem Trainerteam und der Mannschaft nur gratulieren, wie sie sich aus dieser extrem prekären Situation befreit. Das war schon sehr eindrucksvoll."

Aus Frankfurt berichtet Florian Bruchhäuser