München - Dass es dem FC Bayern München derzeit noch an entscheidenden Dingen wie Rhythmus, Zeit und Spielpraxis mangelt, weiß der aufmerksame Beobachter des aktuellen "Double"-Gewinners nicht erst seit dem vergangenen Wochenende; Die Problematik ist allseits bekannt. Unterm Strich heißt das in der saisonalen Zwischenbilanz: drei Spiele, vier Punkte, zwei geschossene Tore, Tabellenplatz 11.

Von dem bösen Wort "Fehlstart" will man an der Säbener Straße aber nichts hören, schließlich, so Offensivmann Thomas Müller, "ist noch nicht allzu viel passiert, ein richtig schlechtes Spiel haben wir auch noch nicht gemacht."

Doch nach dem torlosen Heimspiel-Remis gegen Werder Bremen geistern sie schon wieder herum, Begriffe wie "fehlender Rhythmus", "mangelnde Spielpraxis" und "aufzuholende Zeit und Fitness". Irgendwie auch verständlich, zeigte doch das Team von Louis van Gaal am vergangenen Samstag in der heimischen Allianz Arena noch deutliche Schwächen beim Spiel ohne Ball (welches vom Niederländer besonders geschätzt und gefordert wird), aber auch, was Konzentration, Spielfluss, Physis und Chancenverwertung anging.

"Wir brauchen noch Zeit"

Für Jungstar Müller, der heute seinen 21. Geburtstag feiert, ist die extrem kurze Vorbereitung sehr wohl eine "logische Erklärung" für nicht hundertprozentige Fitness: "Wir brauchen noch Zeit", sagt er, wann allerdings die Mannschaft das angepeilte Topniveau erreicht "weiß man nie genau. Wir können aber ruhig bleiben." In Sachen Torschuss und Chancenverwertung gibt es für Müller wiederum "keine logische Erklärung", manchmal trifft man den Ball eben besser, manchmal eben schlechter, so sein Fazit.

Eine größere Geburtstagsparty, verriet der Nationalspieler, wird es in naher Zukunft wohl nicht geben, der dicht gedrängte Spielplan der Bayern macht selbst für Geburtstagskinder keine Ausnahme: "Zur Zeit ist eh viel los", meint Müller, es fehlt neben der Praxis auch an Zeit.

Zumal alle aktuell ins noch holprige Spiel der Bayern hineinwirkenden Faktoren längst bekannt sind, ja sogar vom Verein befürchtet, erwartet und auch thematisiert wurden: die fehlende Vorbereitungszeit durch die Abwesenheit einiger WM-Spieler ebenso wie die lange Verletzungspause von Arjen Robben. Doch im Fußball ist es wie im Leben, soll bedeuten, dass man sich schnell den Lösungen zuwenden muß, anstatt sich länger mit den vorherrschenden Problemen zu beschäftigen.

"Besorgt bin ich nicht"

Wenn also mal keine regenerierenden Erholungsphasen gegeben sind, müssen eben viele Spiele absolviert werden, um wieder in den gewohnten Rhythmus - und damit auch zur bewährten Fitness - zu gelangen, meinte schon Philipp Lahm nach dem vorgestrigen Unentschieden gegen die Hanseaten. "Natürlich kommen wir durch viele Spiele in unseren Rhythmus, aber das ist auch kräftezehrend", sagte heute Innenverteidiger Holger Badstuber auf Nachfrage von bundesliga.de.

Sechs Spiele in 19 Tagen müssen die Bayern bewältigen, los geht es bereits am Mittwoch, wenn zum Auftakt der Champions-League-Gruppenphase der AS Rom nach München reist, nach einer deftigen 1:5-Niederlage gegen Cagliari sicherlich mit mächtig Wut im Bauch: "Davon hab ich gelesen", meint Müller, der das Team um Altmeister Francesco Totti als "Hauptkonkurrent" in der Vorrunde ansieht, eine spannende Gruppenphase wolle er sich und den FCB-Fans aber ersparen. Seine Erwartungshaltung an sich und das eigene Team sei jedenfalls "relativ hoch, besorgt bin ich nicht."

Besserer Start als im Vorjahr

Laut Holger Badstuber wird das Spiel gegen die Roma eine "heiße Partie gegen einen entschlossenen Gegner", welches die Bayern als letztjähriger Finalist aber "ganz klar gewinnen wollen."

Dass trotz erklärbarem Leistungsdefizit Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel gegen Werder etwas erbost war, kann Müller durchaus verstehen, relativiert aber: "Er kennt unseren Ist-Zustand."

Was also beim FC Bayern zu tun ist und wohl auch getan wird, bringt Holger Badstuber auf den Punkt: "Wir alle müssen Ruhe bewahren, uns bei jedem Training reinhängen und so wieder Fitness erlangen." Das böse Wort "Fehlstart" hat beim Rekordmeister derzeit noch keine Bedeutung, denn schließlich, so Geburtstagskind Müller, sei man doch "doppelt so gut" in die Saison gestartet als im vergangenen Jahr. Da hatten die Bayern nach drei Spielen lediglich zwei Punkte auf dem Konto; wo das endete, ist allseits bekannt.

Vom FC Bayern berichtet Barnabas Szöcs