Köln -  Er stieg aus dem Flieger, trainierte einmal locker mit der Mannschaft - und spielte dann bei seinem Debüt, als sei er schon ewig Teil des Teams. Xabi Alonso hat gleich bei seinem ersten Auftritt deutlich gemacht, warum er für den FC Bayern eine Verstärkung und für die Bundesliga eine Bereicherung ist. Bei den Münchnern scheint der Spanier wie selbstverständlich die Chefrolle zu übernehmen.

18 Minuten waren gespielt, als es in der Partie auf Schalke Freistoß für den FC Bayern gab. Die ersten 18 Minuten seines Lebens, die Xabi Alonso im Trikot der Münchner in der Bundesliga gespielt hat. Und doch war es irgendwie keine Frage, wer diesen Freistoß ausführt: Elegant chipte Alonso den Ball aus 32 Metern nach vorne in den gegnerischen Strafraum.

Autorität eines Welt- und Europameisters

Den Spanier umgibt jene natürlich Autorität eines Welt- und Europameisters, die ihn für seine Mitspieler wie selbstverständlich zum Chef auf dem Platz macht. Und es ist die Erfahrung aus vielen Jahren in der Premier League und der Primera Division, die ihn die Rolle des Taktgebers im Zentrum auch in der Bundesliga auf Anhieb ausfüllen lässt.

Auf Schalke war der Spanier von der ersten Minute an präsent. Alonso ordnete das Spiel, dirigierte die Mannschaft auch mal lautstark, forderte und verteilte die Bälle - und das mit einer gewissen Lässigkeit, ruhig und souverän, sicher auch unter Druck. Seine Pässe über 40, 50 Meter in die Tiefe waren eine Augenweide und fanden in der Regel punktgenau ihren Abnehmer. Die Pass-Statistik bescheinigte ihm nach seinem Ligadebüt eine Erfolgsquote von stolzen 91 Prozent. Und bis zu seiner Auswechslung in der 68. Minute auch die meisten Ballkontakte (84) und die längsten Laufwege (neun Kilometer).

Noch variabler mit Xabi Alonso

Seine Passgenauigkeit paart der 32-Jährige mit Zweikampfstärke, Spielsicherheit und einem hohen taktischen Verständnis. Wie gut er antizipieren kann und Passwege des Gegners vorausahnt, zeigte sich auf Schalke Mitte der ersten Halbzeit. Sidney Sam war auf der rechten Seite durchgelaufen, wollte den Ball zurück an die Strafraumgrenze auf den einschussbereiten Max Meyer passen – dazwischen stand längst Xabi Alonso und pflückte das Spielgerät aus der Luft.

Es ist diese Mischung, die den spanischen Neuzugang für Pep Guardiola und die Bayern sowohl in der Defensivarbeit als auch im Spielaufbau so wertvoll macht. Mit ihm erhöht der Deutsche Meister seine Flexibilität und wird noch variabler.

Sofort komplett integriert

Auf Schalke spielte der neue Stratege zentral vor einer Viererabwehrkette an der Seite von Sebastian Rode. Bei eigenem Ballbesitz ließ er sich oft auf Höhe der beiden Innenverteidiger zurückfallen und leitete als Mittelglied einer Dreierkette den Spielaufbau ein. Die Außenverteidiger rückten dabei weit auf ins Mittelfeld und besetzten konsequent die Außenbahnen.

Obwohl der Neuzugang weder seine Nebenleute noch deren Laufwege vorher kennen lernen konnte, war Alonso sofort komplett integriert und Fixpunkt für seine Mitspieler. Abstimmungsprobleme offenbarte er dabei kaum, was Spieler und Verein für die nächsten Wochen glänzende Perspektiven eröffnet. Anlaufzeit dürfte wohl keines der Worte werden, das der Spanier im Deutschkurs bevorzugt lernen muss.

Dietmar Nolte