Freiburg - Der Mann des Tages fasste die Partie gegen Bayer Leverkusen treffend zusammen: "Wenn man den Spielverlauf sieht, können wir mit dem Punkt leben", sagte Freiburgs Keeper Roman Bürki, der seinen Verein mit etlichen hervorragenden Paraden in der Partie gehalten hatte.

0:0 trennten sich Freiburg und Bayer Leverkusen (Spielbericht) am Ende - dank Bürki, der nacheinander die Leverkusener Stefan Kießling, Hakan Calhanoglu, Karim Bellarabi und Wendell zur Verzweiflung brachte. Kein Wunder also, dass sich der zweite Mann der Schweizer Nationalmannschaft nach dem Schlusspfiff nicht vor Komplimenten retten konnte.

"Leider haben wir es nicht geschafft, uns Chancen herauszuspielen", sagte Mittelfeldmann Nicolas Höfler nach dem Spiel. "So müssen wir uns bei Roman Bürki bedanken, dass wir einen Punkt behalten haben. Und das, obwohl wir 50 Minuten in Überzahl waren."

SC kann Überzahl nicht nutzen

Tatsächlich spielte der SC Freiburg nach knapp einer halben Stunde in Überzahl. Der bereits verwarnte Leverkusener Verteidiger Emir Spahic kam in einem Zweikampf mit Maximilian Philipp zu spät und wurde des Feldes verwiesen (28.), das gleiche Schicksal ereilte später Freiburgs Pavel Krmas, der wegen wiederholten Fußballs ebenfalls früher unter die Dusche musste (78.).

In der Defensiv hat Trainer Christian Streich allerdings derzeit weit mehr Variationsmöglichkeiten als im vorderen Bereich, wo mit Admir Mehmedi, Philipp Zulechner und Dani Schahin allein drei Angreifer fehlen. Krmas dürfte in Bremen am kommenden Wochenende von Stefan Mitrovic oder Marc Torrejon ersetzt werden.

Roman Bürki, der nach einhelliger Einschätzung der Spieler des Tages war, hatte nach dem Spiel in der Interviewzone des Freiburger Stadions hingegen alle Mühe, die Lobeshymnen einzudämmen. Natürlich sei er mit seiner Leistung zufrieden, ließ er wissen. "Aber heute hat unsere gesamte Defensive gut gespielt und so den Punkt festgehalten. Letztlich konnten wir mit unseren Zuschauern im Rücken den Punkt festhalten."

Karrieresprung bei der "Nati"

Nach dem Rücktritt von Diego Benaglio ist WM-Fahrer Bürki im Übrigen bei der Schweizer Nationalmannschaft die Nummer zwei hinter Gladbachs Yann Sommer. In Freiburg, wo er "vom ersten Tag an gut aufgenommen wurde", ist Bürki sowieso längst Publikumsliebling.

Sorgen, dass die Torwartposition nach dem Weggang von Eigengewächs Oliver Baumann zur Problemzone werden könnte, macht sich beim SC längst keiner mehr. Schließlich hielt Bürki nicht nur gegen Leverkusen überragend. Stark auf der Linie, souverän in der Strafraumbeherrschung und aufgrund seiner fußballerischen Qualität sicher bei Rückpässen - es fällt bislang schwer, überhaupt Defizite im Torwartspiel Bürkis zu erkennen.

Zum perfekten Glück fehlen ihm selbst also derzeit nur ein paar Punkte mehr auf dem Freiburger Konto. Das 0:0 gegen Leverkusen brachte schließlich erst den vierten im sechsten Saisonspiel. Zu wenig, wie auch Bürki fand: "Es ist natürlich enttäuschend, wenn man 50 Minuten in Überzahl spielt und keine zwingenden Torchancen herausarbeitet. Wir haben einfach nicht zwingend nach vorne gespielt."

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf