An Schalke-Keeper Ralf Fährmann hat es nicht gelegen, dass die Knappen in Mönchengladbach mit 1:4 verloren. Im Gegenteil. Der Torhüter verhinderte mit etlichen Paraden eine höhere Niederlage.

„Wir hätten auch zehn Stück bekommen können“, meinte ein niedergeschlagener Klass-Jan Huntelaar nach dem Spiel frustriert. Das es kein Debakel wurde, verdankten die Schalker in erster Linie ihrem Torhüter.

Kein gutes Bild

Lucien Favre, der Trainer von Borussia Mönchengladbach, steht für Realismus. Er gilt allgemein als unverdächtig, sich zu unbedachten Äußerungen hinreißen zu lassen. Umso bemerkenswerter war seine Kritik nach dem klaren Erfolg im Topspiel gegen Schalke an der Chancenverwertung seiner Mannschaft. Und das nach einem 4:1-Sieg gegen den Champions-League-Teilnehmer Schalke 04.

Das wirft kein gutes Bild auf den Gegner. Mit einer Ausnahme. Denn Ralf Fährmann bestätigte einmal mehr, warum er seit dem 14. Spieltag der vergangenen Saison die unangefochtene Nummer 1 im Kasten der Königsblauen ist. Der 25 Jahre alte Keeper ist in Topform und der Rückhalt einer ansonsten verunsicherten Mannschaft.

Zahlen, die imponieren

In dieser Saison rettete er auch schon gegen die Bayern das Unentschieden. In der vergangenen Saison war er mit 79 Prozent abgewehrter Torschüsse der zweitbeste Bundesliga-Keeper nach Manuel Neuer. Damals gewann Schalke 14 der 22 Spiele, bei den Fährmann das Tor hütete, 46 Punkte holten die Königsblauen dabei. Und elf Mal stand die Null. Die Zahlen imponieren.

Längst gehört der 1,96 Meter große Musterathlet auch zu den Führungsspielern auf Schalke, die Verantwortung übernehmen und sich auch nach einer bitteren Niederlage der Presse stellen. Mit Bedacht wählt er seine Worte. „Wir müssen fast in jedem Spiel eine neue Viererkette zusammenstellen. Wir machen uns dann mehr Gedanken über uns selbst und können den Gegner gar nicht analysieren. Das soll aber in keinster Weise eine Ausrede sein, weil unser Kader immer noch zu gut besetzt ist“, sagte er nach der Lehrstunde im Borussia-Park.

"Die Situation ist jetzt so"

Zur allgemeinen Überraschung präsentierte Ralf Fährmann den Journalisten auch seine eigene Rechnung zum Schalker Fehlstart. „Wir haben schon einen Punkt mehr als in der letzten Saison in den Spielen gegen die gleichen Gegner“, sagte der Torhüter. „Mit dem einen Punkt sind wir natürlich nicht zufrieden. Aber die Situation ist jetzt so.“

Ralf Fährmann verfügt über die Fähigkeit, selbst in einer negativen Situation noch das Positive zu sehen. Das hat er im Laufe seiner auch von einigen schweren Verletzungen und Rückschlägen geprägten Karriere gelernt. 55 Mal lief er bis jetzt in der Bundesliga auf, erst über den Umweg bei Eintracht Frankfurt, setzte er sich im zweiten Versuch bei Schalke durch.

Daumsche Lebensweisheiten

In Frankfurt lernte er auch den Motivator Christoph Daum kennen, von dessen vielen Sprüchen, ihm einer nach der Pleite in Mönchengladbach in den Sinn kam. „Daum hat einmal gesagt: Man muss sich nach so einer Niederlage verhalten wie ein Hund, der ins Wasser gesprungen ist. Erst ärgern, dann einfach schütteln. Dann ist man wieder trocken und kann wieder nach vorne sehen.“ Genutzt hat die Daumsche Lebensweisheit in Frankfurt damals allerdings nicht viel. Die Hessen stiegen 2011 unter dem früheren Meistertrainer aus der Bundesliga ab.

Ausgerechnet gegen die Eintracht muss Schalke nun am kommenden Bundesliga-Spieltag antreten. Der erste Saisonsieg muss unbedingt her, wollen die Gelenkirchener nicht frühzeitig die hohen Ziele in der Meisterschaft aus den Augen verlieren. Ein Garant für ein gutes Ergebnis gegen die Eintracht könnte Torwart Ralf Fährmann werden.

Tobias Gonscherowski