Frankfurt – Haris Seferovic hat sich ungeheuer schnell in die Frankfurter Stammelf gespielt – kein Wunder bei vier Toren in drei Spielen. Doch der gefeierte Neuzugang drückt auf die Euphoriebremse.

Nach getaner Arbeit standen Haris Seferovic und Admir Mehmedi am äußeren Ende der Interviewzone im Frankfurter Stadion und unterhielten sich angeregt. Kurz darauf kam auch noch Roman Bürki dazu, der im Tor des unterlegenen SC ebenfalls ein beachtlich starkes Debüt gegeben. Doch der Mann des Tages unter den drei Schweizer WM-Teilnehmern trug eine Frankfurter Trainingsjacke. Das fanden seine beiden Landsleute. Und das fanden seine Frankfurter Teamkollegen, die den Schützen des entscheidenden Treffers allesamt so euphorisch lobten wie Kapitän Kevin Trapp: „Es ist unglaublich, wie schnell Haris sich integriert hat, wir haben in den letzten Wochen gesehen, welche Qualität er hat.“

Vorschau: Trifft Seferovic auch gegen Wolfsburg?

Haris Seferovic lächelte derweil bescheiden, als er mit den Lobeshymnen der Kollegen konfrontiert wurde – und zog es vor, nach vorne zu blicken: „Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt. Man darf jetzt auch nicht erwarten, dass es in jedem Spiel so weitergeht“, sagte er mit Blick auf das schwere Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg. Dass er in Niedersachsen erneut zur Stammformation gehören wird, bezweifelt im Eintracht-Umfeld allerdings niemand. Schließlich war das erste Tor im ersten Bundesligaspiel bereits der vierte Treffer im dritten Spiel: Zwei Tore gelangen ihm im Freundschaftsspiel gegen Inter Mailand, eines im Pokal bei Viktoria Berlin und nun eines zum Auftakt der Bundesliga. Er hat es natürlich mit links erzielt: „den rechten Fuß habe ich nur, um in den Bus einzusteigen.“

Angreifer moderner Prägung

Dabei ist seine Treffsicherheit nicht die einzige Eigenschaft, die den Mann mit bosnischen Wurzeln zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Frankfurter Mannschaft macht. Seferovic ist ein moderner Angreifer, der seine Gegenspieler immer wieder anläuft, um frühe Balleroberungen zu ermöglichen. Und auch wenn er vor dem Tor den schnellen Abschluss sucht, vernachlässigt er nicht den Blick für den besser postierten Mitspieler. Sein Fleiß lässt sich in Zahlen ablesen: Gegen den SC Freiburg lief er 11,5 Kilometer, das ist ein exorbitant guter Wert für einen Mittelstürmer.

Der Mann, der seinen Bekanntheitsgrad in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich gesteigert haben dürfte, ist trotz seiner erst 22 Jahre schon viel herumgekommen. Nach der Ausbildung beim Heimatverein FC Sursee und dem FC Luzern wechselte er zu den Grasshoppers Zürich, ehe es ihn nach Florenz, Neuchâtel, Lecce, Novara und zuletzt zu Real Sociedad San Sebastian in die Primera Division zog. Heimisch wurde er bislang nirgends lange, doch das soll sich nun ändern. Vor ein paar Tagen hat sich Seferovic in Oberursel bei Frankfurt ein großes Haus gemietet. Es ist das Haus, in dem der ehemalige Eintracht-Coach Armin Veh lebte, ehe es ihn im Sommer nach Stuttgart zog.

Keine Frage, Haris Seferovic hat sich prima eingelebt in der Bundesliga. Und das nicht nur wegen der Fans. Die seien „10 000-mal besser als die in Spanien“, lässt er wissen. „Auf dem Feld ist es so laut, dass man sich kaum verständigen kann.“

Christoph Ruf