Mönchengladbach - Die spektakulären Szenen im Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München gehörten anderen. Bayern-Keeper Manuel Neuer wurde wegen seiner tollen Paraden gefeiert, die dem Rekordmeister ein torloses Unentschieden sicherten. Borussia-Stürmer Andre Hahn stand im Mittelpunkt, weil er die Bayern-Abwehr ständig beschäftigte und große Chancen herausspielte.

Christoph Kramer dagegen verrichtete eher unauffällig seinen Job und gehörte dennoch zu den zentralen Figuren der Gladbacher beim grandiosen Abnutzungskampf gegen die Bayern.

Woche für Woche Topleistungen von Kramer

Man hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass Christoph Kramer Woche für Woche Topleistungen abruft. Dabei ist das alles andere als selbstverständlich. Denn der 23-Jährige spielt gerade einmal seine zweite Bundesliga-Saison. Und es spricht schon viel für die Bodenhaftung und Gelassenheit des Gladbacher Mittelfeldmotors, dass er das letzte Halbjahr so grandios weggesteckt hat.

Denn bis zum 13. Mai war Christoph Kramer noch ein talentierter Spieler, der in seiner Rookie-Saison mit guten Leistungen aufgefallen war. Dann durfte er beim Länderspiel gegen Polen auflaufen, bei dem Deutschland mit einer Verlegenheitsmannschaft antrat, da die Stars von Bayern München und Borussia Dortmund des Pokalfinale spielten.

"Er ist eine Persönlichkeit geworden"

Kramer überzeugte dermaßen bei der ansonsten eher langweiligen Nullnummer, dass der Bundestrainer ihn mit zur WM-Vorbereitung nach Österreich und schließlich auch zum WM-Turnier nach Brasilien mitnahm.

Der Rest ist Geschichte. Als gefeierter Weltmeister kehrte Kramer zurück, sogar als einer, der in der Startelf des WM-Finales stand. Zurück bei der Borussia war der gebürtige Solinger ein anderer Spieler. "Er hat sich bei der WM sehr weiterentwickelt und ist eine Persönlichkeit geworden“, freute sich Trainer Lucien Favre. Kramer hat die Leaderrolle angenommen, er gibt intelligente Interviews und macht auch bei Fernsehauftritten eine sehr gute Figur. Und auf dem Platz sowieso.

Wieder der laufstärkste Borusse

Gegen die Bayern war Christoph Kramer wieder mit seinen 12,7 abgespulten Kilometern der mit Abstand laufstärkste Borusse, er hatte die meisten Ballkontakte (45) und gewann die meisten Zweikämpfe (15). Er stopfte im Mittelfeld immer wieder die Löcher und glänzte mit seiner Spielübersicht.

Nach dem Spiel war der Weltmeister sehr zufrieden. "Gerade gegen so einen Gegner wird jede Kleinigkeit bestraft. Wir haben es über 90 Minuten hinbekommen, dass uns kein Flüchtigkeitsfehler passiert. Deshalb haben wir verdient einen Punkt geholt“, meinte der Blondschopf. "Hinten raus hatten wir sogar die besseren Chancen. Wenn Manuel Neuer nicht seinen besten Tag erwischt hätte, hätten wir das Spiel wahrscheinlich gewonnen.“

"Wir sind derzeit die zweitbeste Mannschaft"

So blieb es bei einem 0:0-Unentschieden in einem Spiel, das trotz der fehlenden Tore zur Extraklasse gehörte. Das lag vor allem auch an der Borussia, die sich gegen die Münchener etwas zutrauten und zurecht auf Platz 2 steht. „Nach dem 9. Spieltag lügt die Tabelle nicht. Wir sind derzeit die zweitbeste Mannschaft in Deutschland“, sagte Christoph Kramer offen und vermied das sonst branchenübliche Understatement.

Seit Saisonbeginn blieben die Fohlen in allen 15 Pflichtspielen unbesiegt, auch der FC Bayern konnte die Borussia-Serie nicht knacken. Bereits am Mittwoch wartet die nächste schwere Prüfung auf die Gladbacher. Dann gastieren sie im Pokal bei Eintracht Frankfurt.

Tobias Gonscherowski