Paderborn - Am 7. Mai 2011 saß Trainer Roger Schmidt auf der Tribüne des Trierer Moselstadions. Notizen machte er sich nicht, er beobachtete einfach nur. Seine Augen folgten Alban Meha und was sie sahen, überzeugte Schmidt vollends.

Erst bereitete der Mittelfeldspieler von Eintracht Trier gegen die SV Elversberg das 1:0 mit einem feinen Pass vor, dann sorgte er per raffiniertem Freistoß höchst selbst für den 2:0-Endstand. "Ich hatte Alban schon länger auf dem Zettel", sagte Schmidt damals.

Kaum einer schießt so präzise Freistöße

Der SC Paderborn auch und da traf es sich gut, dass Roger Schmidt zwei Tage nach seinem Besuch in Trier als neuer Trainer der Ostwestfalen vorgestellt wurde. Als eine seiner ersten Amtshandlungen ließ er den Transfer von Alban Meha abwickeln. In 33 Regionalliga-Spielen hatte der Albaner 15 Tore erzielt, etliche davon per Freistoß mit gewiefter Schusstechnik. "Es gibt auch in der Bundesliga keinen Spieler, der derart präzise Freistöße schießen kann", sagte Schmidt damals. Am Samstag könnte der 47-Jährige nun selbst Leidtragender davon werden.

Denn rechtzeitig vor dem Paderborner Gastspiel bei Bayer Leverkusen ist Alban Meha wieder fit. Ende Juli hatte sich der 28-Jährige während des Trainingslagers am Achensee im Testspiel gegen Maccabi Haifa einen Meniskus-Einriss zugezogen. Die Genesung verlief zügiger als erwartet. Am vergangenen Samstag feierte Meha gegen Mönchengladbach mit der Einwechslung in der 78. Minute sein Bundesliga-Debüt. "Ich bin einfach nur glücklich, dass es so schnell ging“, sagte Meha.

Dabei hat er ganz genau in seinen Körper hineingehorcht. Schließlich hatte sich der Kunstschütze im Mai 2013 gegen 1860 München schon einmal einen Meniskusriss zugezogen. Vier Monate musste Meha damals pausieren, weil das Knie immer wieder angeschwollen war.

Der Held des Aufstiegs

"Ich habe mir daher nun natürlich große Sorgen gemacht, aber der Heilungsprozess verlief super. Seit zwei Wochen habe ich keinerlei Schmerzen mehr und kann völlig beschwerdefrei trainieren", erzählt Meha.

Sein Knie möchte Meha das Vergnügen Bundesliga offenbar gönnen. Schließlich hat er selbst einen großen Anteil dazu beigetragen. Von 2011 bis 2014 erzielte Meha in 84 Zweitligaspielen für die Hochstiftler 23 Treffer und bei so manchem Freistoßtor hätten wohl auch die gegnerischen Spieler gerne applaudiert.

Dem Mentor "in die Suppe spucken"

Ein Dutzend Treffer gelangen ihm allein in der vergangenen Saison, weswegen er von den Paderborner Fans als Held des Aufstiegs verehrt wird. Und auch in seiner albanischen Heimat staunten sie am 26. März 2013 nicht schlecht. Beim 4:1 gegen Litauen markierte Alban Meha sein erstes Länderspieltor. Natürlich per Freistoß - aus mehr als 30 Metern Entfernung.

Je weiter desto besser. "Ich habe früher nach jedem Training zusätzlich für mich alleine geübt. Manchmal so lange, bis mir der Fuß wehtat. Ich lege diese Extraschichten noch immer ein, aber jetzt dann doch etwas dosierter", sagt Alban Meha grinsend. In Leverkusen hofft er auf einen Einsatz von Beginn an und möchte seinem Mentor Roger Schmidt ein wenig in die Suppe spucken.

Ein gut gezirkelter Freistoß reicht

"Wir können in der BayArena mithalten, sollten aber nicht so forsch wie gegen Gladbach an die Sache rangehen. Wir müssen nicht nach zehn Minuten ein Tor erzielt haben", sagt Meha. Stimmt. Einen gut gezirkelten Freistoß von Alban Meha fürchtet Schmidt sicher auch in der Nachspielzeit noch.

Thomas Schulz