Zur neuen Saison übernimmt Kasper Hjulmand das Amt als Coach des FSV, doch das Experiment scheitert. "Der Trainerwechsel zu Martin Schmidt war dann der Erkenntnis geschuldet, dass wir den Glauben verloren haben, dass wir mit Kasper Hjulmand den Schalter werden umlegen können", gibt Heidel offen zu
Zur neuen Saison übernimmt Kasper Hjulmand das Amt als Coach des FSV, doch das Experiment scheitert. "Der Trainerwechsel zu Martin Schmidt war dann der Erkenntnis geschuldet, dass wir den Glauben verloren haben, dass wir mit Kasper Hjulmand den Schalter werden umlegen können", gibt Heidel offen zu
Bundesliga

Heidel: "Im Abstiegskampf gibt es keine Garantien"

Mainz - Der Abstiegskampf sei eine Welt mit eigenen Gesetzten, heißt es. Christian Heidel kennt sich aus in dieser Welt. Mit dem 1. FSV Mainz 05 steckte der Manager in 24 Jahren "gefühlte zehn bis zwölf Mal" im Schlammassel, wie er sagt - abgestiegen ist der Club aber nur ein einziges Mal: 2007 aus der Bundesliga - unter einem gewissen Jürgen Klopp als Trainer.

"Dürfen uns nicht blenden lassen"

Vor dem Abstiegsduell gegen den SC Freiburg spricht Heidel im ersten Teil des großen Interviews mit bundesliga.de über den Nervenkrieg im Tabellenkeller, die Gefahren der aktuelle Situation und warum es keine Garantien in einer Situation gibt, die kein Verein erleben will.

"Wir waren nicht mehr bundesligatauglich"

bundesliga.de: Schweißt der Abstiegskampf Fans, Verein und Mannschaft zusammen?

Heidel: Das hängt sehr viel mit der Erwartungshaltung eines Vereins zusammen. Wenn ein Verein in den Abstiegskampf rutscht, der da nicht hinwollte, dann ist es die Kunst, den Fans klarzumachen: Wir wollten da zwar nicht hin, aber jetzt geht es darum, uns zu unterstützen. Werder Bremen hat das im letzten Jahr hervorragend hinbekommen. Das war ja für alle Bremer das erste Mal im Tabellenkeller nach all den erfolgreichen Jahren. In Bremen haben sie es geschafft, eine sehr emotionale Bindung zwischen Mannschaft und Fans zu schaffen. Eine ganze Stadt, eine ganze Region stand plötzlich hinter der Mannschaft, obwohl sie hinter den Erwartungen geblieben ist - und nur dadurch sind sie dringeblieben. Werder hat diese Stimmung mit in die neue Saison genommen, die Leute haben kapiert, dass das Werder von gestern Vergangenheit ist. Die machen das sehr gut in Bremen. Wenn die Erwartung der Realität nicht mehr standhält, dann muss man das als Verein den Leuten klarmachen, sonst hast du ein Problem. Wenn nicht jeder Zweikampf als Tor gefeiert wird und die Leute schon nach dem dritten Fehlpass pfeifen - dann wird es schwierig. Fehlpässe kommen bei Mannschaften, die unten stehen, aber vor, dass muss man den Leuten klarmachen.

bundesliga.de: Das ist während Niederlagenserien aber schwer zu erklären, oder?

Heidel: Die Erfahrung zeigt, dass die Bindung irgendwann automatisch kommt. Wenn die Leute merken, es geht um alles, dann kommen sie und unterstützen die Mannschaft. Das gelingt nur nicht, wenn eine Mannschaft total hinten wegbricht. Ich glaube übrigens auch nicht, dass die Unterstützung jetzt beim HSV wegbricht. Ganz im Gegenteil, die Hamburger werden den HSV gnadenlos unterstützen. Auch in Stuttgart hat sich die Stimmung gedreht.

bundesliga.de: Als der 1. FSV Mainz 05 in der Saison 1995/96 fast abgestiegen wäre, wechselten Sie nach acht Spielen mit nur einem Punkt und 0:14 Toren den Trainer - und es kam Wolfgang Frank. Erst am letzten Spieltag gegen den VfL Bochum gelang der Klassenerhalt.

Heidel: Ja, das werde ich nie vergessen. Wir waren nach der Vorrunde Letzter, nach der Rückrundentabelle aber Erster und haben uns dennoch erst am letzten Spieltag gerettet. Wir haben damals mit Wolfgang Frank alles umgestellt: Libero abgeschafft, auf Viererkette umgestellt - und obwohl wir die beste Rückrundenmannschaft waren, verlief diese Saison so bekloppt, dass wir erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt schafften. Marco Weißhaupt hat Tor beim 1:0 gegen Bochum gemacht, ich weiß noch genau wie - das war Nervenkrieg brutal. Im Abstiegskampf muss man auch wissen - und das musste ich nach der jüngsten Heimniederlage gegen Leverkusen auch in Mainz wieder erklären: Nur weil du einen Trainerwechsel machst, heißt das nicht, dass du nun kein Spiel mehr verlierst. Du muss im Abstiegskampf Niederlagen akzeptieren, verschmerzen und weitermachen. Wenn nach Niederlagen die große Depression kommt, hilft das der Mannschaft nicht, weil die merkt, dass der Glaube verloren geht.