Dortmund - Zehntes Pflichtspiel, zehnter Sieg - mit dem 2:1-Erfolg über den FC Krasnodar in der Europa League hat der Borussia Dortmund seine beeindruckende Serie fortgesetzt. Doch mit der Leistung war dieses Mal auch Ilkay Gündogan nicht wirklich zufrieden und fordert für das Bundesliga-Duell gegen Bayer Leverkusen am Sonntag eine deutliche Steigerung (zur Vorschau). Im Interview erklärt er, warum er gegen Leverkusen trotzdem ein gutes Spiel erwartet. Ein Gespräch über Potenzial, Arbeit gegen den Ball und eine "Geheimwaffe" namens Matthias Ginter.

Frage: Ilkay Gündogan, der Auftakt in der Europa League ist dem BVB geglückt – aber der zehnte Sieg im zehnten Pflichtspiel war dieses Mal eine knappe Angelegenheit.

Ilkay Gündogan: Am Ende können wir auch ein bisschen von Glück sprechen, dass wir das Spiel gewonnen haben. Aber wir nehmen das natürlich gerne mit. Und das sagt ja auch schon etwas aus, wenn wir mal nicht so gut spielen und die Partie dann trotzdem knapp gewinnen.

"Mit dieser Leistung wird es gegen Bayer 04 schwer"

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Frage: War das Spiel gegen Krasnodar auch so etwas wie ein Warnschuss zur rechten Zeit? Das nächste Bundesligaspiel am Sonntag gegen Bayer Leverkusen dürfte noch einmal eine ganz andere Hausnummer werden.

Gündogan: Leverkusen hat auch seinen Warnschuss bekommen mit der Heimniederlage in der Bundesliga am letzten Wochenende gegen Darmstadt. Zum Glück hat es uns jetzt nicht so schwer getroffen gegen Krasnodar. Wir haben es gerade noch geschafft  die drei Punkte zu holen. Aber mit dieser Leistung wird es gegen Leverkusen sicher sehr, sehr schwer. Vor allem, weil Bayer jetzt mit frischen Rückenwind aus der Champions League kommt. Wir werden uns deutlich steigern müssen. Aber wie gesagt: Unsere letzten Spiele haben bewiesen, dass wir es besser können. Wenn wir da weitermachen, dann wird es am Sonntag ein richtig gutes Spiel.

Frage: Mit Adnan Junazaj hat der BVB auch am Sonntag eine weitere Alternative für die Offensive. Wie haben Sie seine Leistung bei seinem Startelf-Debüt gegen Krasnodar gesehen?

Gündogan: Er hat es wirklich gut gemacht und auch ein paar Mal gefährliche Standards und Flanken geschlagen. Natürlich ist die Bindung zu unserem Spiel noch nicht zu hundert Prozent da. Aber das ist ganz normal, er ist ja gerade mal seit zehn Tagen hier in Dortmund. Aber auch im Training merkt man immer wieder, dass der Junge echt Potenzial hat. Wenn er in den nächsten Wochen unseren Fußball immer mehr verinnerlicht, dann kann er für uns zu einer richtig guten Waffe werden.

"Matzes Quote ist sensationell"

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Frage: Und dann hat der BVB ja noch Matthias Ginter – entweder legt er die Tore vor oder er trifft gleich selbst.

Gündogan: Was Matze im Moment macht – Hut ab! Seine Quote ist echt sensationell. Jeder Querpass oder jede Flanke vor dem Tor endet mit einem Treffer. Das ist schon richtig gut, richtig stark. Er ist in Topform momentan. Das hilft uns natürlich und ich hoffe, dass er diese Form in den nächsten Wochen halten kann.

Frage: Zurück zum Spiel gegen Krasnodar: Ist das eine neue Qualität der Borussia, auch mit einer schwächeren Leistung die Punkte einzufahren?

Gündogan: Unser Anspruch ist es, deutlich besser zu spielen. Und zwar, weil wir es einfach können. Das haben wir schon bewiesen. Wir sollten uns also nicht auf unser Glück verlassen, sondern unser Potenzial wieder komplett abrufen. Gegen Krasnodar ist uns das nur in Einzelaktionen gelungen.

"Mit Sicherheit noch Verbesserungspotential"

Frage: Krasnodar hat gut verteidigt und nur wenig zugelassen.

Gündogan: Die Russen haben es wirklich gut gemacht, das muss man anerkennen. Allerdings hatten wir eben auch nicht unseren besten Tag erwischt. Gerade, was die Arbeit gegen den Ball betrifft. Wir haben vorne im letzten Drittel relativ oft den Ball verloren. Das zeigt zwar, dass wir den Gegner hinten reingedrückt haben. Wir haben es aber dann nicht geschafft, die Räume gut zu schließen - vor allem in der ersten Halbzeit.

Frage: Fehlt es in der Europa League im Gegensatz zur Bundesliga noch ein bisschen an der defensiven Stabilität?

Gündogan: Das kann man so sagen. Auch in den Qualifikationsspielen und den Play Offs standen wir hinten nicht immer zu hundert Prozent sicher. Wir haben natürlich auch immer mal wieder auf ein, zwei Positionen rotiert, aber das sollte kein allzu großes Argument sein. Wer auf dem Platz steht, muss es durchziehen. Da gibt es mit Sicherheit für die nächsten Wochen noch Verbesserungspotenzial.

"Natürlich kein Selbstläufer"

Frage: Hat dieses Spiel hat auch gezeigt, dass die Europa League bei allem Selbstbewusstsein kein Selbstläufer ist?

Gündogan: Natürlich ist es kein Selbstläufer, auch wenn nicht so namhafte Gegner da auf dem Platz stehen wie in der Champions League. Es gilt, jedes Spiel von Null zu starten. Wir müssen uns auf jedes einzelne Spiel einlassen und müssen jedes Mal versuchen, unsere beste Leistung zu zeigen.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte