Dortmund - Seit sechs Spielen ist der Borussia Dortmund in der Bundesliga ungeschlagen - auch dank Ilkay Gündogan. Nach seiner langen Verletzungspause zieht der Mittefeldspieler beim BVB wieder die Fäden und gibt den Takt an. "Er ist ein echter Achter mit Spielmacherqualitäten", lobt Sportdirektor Michael Zorc seinen Schlüsselspieler.

Es ist unverkennbar in den letzten Wochen. Ilkay Gündogans Spiel gewinnt deutlich an Stabilität, die Pässe kommen wieder zielgenau, die Frische ist zurück und damit auch die Kreativität. Der 24-Jährige liest das Spiel und lenkt es, gibt ihm Ideen und Impulse - so wie am 22. Spieltag Ende Februar, als der BVB in Stuttgart mit 3:2 gewann.

Comeback nach 422 Tagen

Zwar war die Mannschaftsleistung nicht überragend, aber Gündogan stach heraus. Ein Treffer, über 100 Ballkontakte, ein Laufpensum von 11,5 Kilometern und eine Passquote von 84 Prozent sprachen für sich. Fast 94 (!) Prozent aller User bei bundesliga.de wählten ihn zum Spieler des Spieltages.

Ilkay Gündogan ist der Fußballer, der dem Spiel des BVB wieder Format verleiht. Nach der verkorksten Hinrunde war das auch bitter nötig. Inmitten in die schwarz-gelbe Krise hinein hatte der deutsche Fußballer mit den türkischen Wurzeln damals sein ganz persönliches Highlight gefeiert. Am 18. Oktober 2014 war nach 422 langen Tagen endlich sein Comeback auf dem Rasen perfekt. Ein neuer Anfang für Dortmunds Nummer acht nach über einem Jahr des Leidens und des Zweifelns.

"Wie ein 90-jähriger Opa"

In der Vorsaison hatte Gündogan nur je eine Partie in der Bundesliga und eine im DFB-Pokal bestreiten können. Mehr ging nicht, weil der Rücken streikte. Nervenwurzelreizsyndrom hieß die Diagnose, die allerdings erst Wochen auf sich warten und dann sogar Gedanken an ein Karriere-Ende aufkommen ließ. "Ich habe mich gefühlt wie ein 90-jähriger Opa", erinnert sich der Profi. Gehen, stehen, schlafen - nichts ging mehr. Schon mal gar nichts das Kicken.

Fortschritte? Über Monate Fehlanzeige! Und eine Reifeprüfung der besonderen Art auch für die Psyche eines Menschen, der von sich selbst sagt: "Bei mir war es schon als Kind so, dass ich vom Fußball nie genug bekommen konnte. Das ist bis heute so."

Mit Gündogan steigt die Formkurve beim BVB

Erst eine nicht unriskante Operation an der Wirbelsäule im vergangenen Sommer brachte Besserung und befreite den Edeltechniker endlich von seinen Schmerzen. Natürlich brauchte Gündogan nach seinem Comeback die Wettkampfpraxis, um wieder Timing und Fitness zu bekommen und an sein früheres Level heranzureichen, das ihn in ganz Europa zu einem begehrten Spieler gemacht hatte. Bei seinem ersten Einsatz in Köln in jenem Oktober letzten Jahres "ging bei Kopfbällen bei ihm mal so gar nichts", hat sich Jürgen Klopp in diesen Tagen erinnert.

Aber Ilkay Gündogan, der 2011 zum BVB gewechselt war und mit seinem Klub 2012 das Double gefeiert hat, kämpfte sich wieder heran. Schritt für Schritt, und seit der Rückrunde auch wieder als unverzichtbarer Part im zentralen Mittelfeld. Seit dem 19. Spieltag stand der gebürtige Gelsenkirchner in jeder Bundesligapartie in der Startelf, als Strippenzieher und Taktgeber zwischen Defensive und Offensive. Dass mit seinem dauerhaften Einsatz auch die schwarz-gelbe Formkurve wieder nach oben zeigt - kein Zufall.

Fünf Torbeteiligungen in 15 Spielen

Als "echten Achter mit Spielmacherqualitäten" hat BVB-Sportdirektor Michael Zorc den 24-Jährigen gelobt und damit seine multiplen Fähigkeiten beschrieben. Gündogan ist stark in der Balleroberung, kann das Zentrum zumachen. Vor allem aber kann er die Bälle mit seiner Übersicht und Präzision so verteilen, dass ein echter Plan daraus wird. Seine Torvorlage im Derby gegen Schalke, als er Henrikh Mkhitaryan mustergültig bedient hatte, bedeutete für Gündogan den fünften Scorerpunkt im 15. Spiel. Besser war er nur in seiner ersten Saison bei der Borussia, als am Ende sechs Punkte zu Buche standen - in 28 Spielen.

Wenn Ilkay Gündogan  seine Leistung weiter auf diesem Niveau stabilisiert, wird auch ein anderes Comeback wohl nicht lange auf sich warten lassen. Nur zu gerne würde er sich auch das Trikot der Nationalmannschaft wieder überstreifen. Im Oktober 2011 hatte der Deutsch-Türke, der sich als Integrationspate der Bundesliga-Stiftung auch sozial engagiert, unter Jogi Löw gegen Belgien sein Debüt gefeiert. "Für mich hat sich damit ein Traum erfüllt", stellte er damals mit glänzenden Augen fest.

"Habe noch ein, zwei Weltmeisterschaften"

Die Teilnahme am WM-Märchen in Brasilien blieb ihm aufgrund seiner Verletzung zwar versagt. Aber Gündogan hat sich auch damit arrangiert und blickt jetzt nur noch positiv in die Zukunft: "Ich bin noch jung. Wenn alles gut läuft, habe ich noch ein, zwei Weltmeisterschaften, an denen ich teilnehmen kann."

Am liebsten natürlich als Leistungsträger, so wie jetzt auch wieder beim BVB. Und damit nach langem Leiden endlich auch wieder so, wie es seine Homepage verheißt: "Ilkay Gündogan – Immer am Ball".

Dietmar Nolte