München - Fünf Jahre lang trainierte Friedhelm Funkel zwischen 2004 und 2009 die Frankfurter Eintracht, mit der er 2005 in die Bundesliga aufstieg und ein Jahr später ins DFB-Pokalfinale einzog. Gegner damals war der FC Bayern.

Am Samstag treffen der Rekordmeister und der Aufsteiger erneut aufeinander, diesmal im Topspiel zwischen dem Tabellenführer und dem Dritten. Funkel, der auf eine Erfahrung von 1101 Spielen als Spieler und Trainer in der 1. und 2. Bundesliga zurückblickt, bewertet im Interview mit bundesliga.de die Entwicklung der Eintracht und das Spiel beim FCB.

bundesliga.de: Herr Funkel, vor der Saison haben Sie im Interview mit bundesliga.de gesagt, dass Frankfurt sich sehr gut verstärkt hat und mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird. Aber dass es so gut laufen würde, hätten Sie sicher auch nicht erwartet...

Friedhelm Funkel: Nein, ich hätte auch nicht gedacht, dass die Eintracht nach zehn Spieltagen 20 Punkte auf dem Konto hat und auf Platz 3 steht. Ich glaube aber auch nicht, dass die Frankfurter bis zum Saisonende dort oben in der Tabelle bleiben. Aber nach wie vor hat Bestand, dass die Mannschaft nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird und sich zwischen Platz 8 und 12 irgendwo einreihen wird.

bundesliga.de: Warum trauen Sie der Eintracht das internationale Geschäft noch nicht zu?

Funkel: Ich denke, dass die Mannschaft in der Breite nicht gut genug besetzt ist. Wenn mal einige Leistungsträger ausfallen oder Formschwankungen auftreten, glaube ich, dass sie nicht so gut besetzt sind, um über 34 Spieltage so konstant zu sein, dass sie sich für den europäischen Wettbewerb qualifizieren.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die bisherigen Leistungen der Eintracht?

Funkel: Darüber gibt es keine zwei Meinungen, die waren grandios. Sie haben fast immer mit der gleichen Mannschaft spielen können. Sie hatten keine Verletzungsprobleme. In den letzten Spielen hat man allerdings das gemerkt, was ich bereits angesprochen habe. Der eine oder andere Spieler wie Takashi Inui oder Stefan Aigner ist in einem kleinen Leistungstief. Diese Spieler haben am Anfang der Saison sensationell gespielt. Das wird dann schwer zu kompensieren sein. Es schafft keiner, über 34 Spiele konstant immer Topform zu zeigen. Aber das sind Luxusprobleme im Vergleich zu den anderen beiden Aufsteigern. Ich ziehe den Hut vor dem, was die Eintracht bisher fußballerisch gezeigt hat.

bundesliga.de: Die Eintracht spielte zuletzt mit sechs neuen Spielern in der Startelf. Wie bewerten Sie die Neuzugänge?

Funkel: Die Neuverpflichtungen haben alle gut eingeschlagen. So Inui oder Aigner, Olivier Occean hat sein Soll erfüllt, wobei er noch ein bisschen torgefährlicher werden könnte. Bastian Oczipka hat auf der linken Seite überzeugt, noch besser hat Kevin Trapp eingeschlagen. Er ist richtig gut und hat der Eintracht schon einige Punkte gerettet. Die Eintracht-Verantwortlichen Heribert Bruchhagen, Bruno Hübner und Armin Veh haben ein sehr glückliches Händchen bewiesen. In diesem Jahr kam der Eintracht die lange Vorbereitung zugute, so dass sich die Mannschaft einspielen konnte. Und Armin Veh hat relativ früh in der Vorbereitung immer die gleiche Formation spielen lassen. Das hat sich als richtig erwiesen.

bundesliga.de: Jetzt gastiert die Eintracht beim FC Bayern zum Spitzenspiel.

Funkel: Von der Tabelle ist es das Spitzenspiel, aber ansonsten trennen die beiden Vereine und Mannschaften Welten. Ich bin mir sicher, dass die Bayern in diesem Jahr durch die Bundesliga marschieren werden. Die Bayern haben eine Qualität, wie es sie in der Bundesliga kein zweites Mal gibt. Dazu haben sie mit Jupp Heynckes einen Trainer, der über so viel Erfahrung verfügt, diesen Luxuskader richtig gut zu führen. Er lässt rotieren und weiß im richtigen Moment, den richtigen Spieler auch einmal draußen zu lassen. Verletzungen können auskuriert werden. Ich glaube, dass die Bayern in dieser Saison mit deutlichem Vorsprung Meister werden.

bundesliga.de: Das hat man im letzten Jahr aber zum gleichen Zeitpunkt auch gedacht. Was machen die Bayern diesmal besser als in der letzten Saison?

Funkel: Sie haben jetzt eine noch bessere Mannschaft. Dante ist ein richtig geiler Innenverteidiger, Martinez kam noch gar nicht so richtig zum Spielen. Er wird noch richtig ankommen. Claudio Pizarro wird seine Tore machen, wenn er gebraucht wird. Die Bayern können jetzt auf gleichem Niveau wechseln. Das war im vergangenen Jahr nicht der Fall. Deswegen werden sie den Vorsprung, den sie sich jetzt schon erarbeitet haben, nie und nimmer aus der Hand geben.

bundesliga.de: Was macht Sie da so sicher?

Funkel: Man darf nicht vergessen, dass die Bayern schon in der letzten Saison nicht so viel falsch gemacht haben. Aber Borussia Dortmund hatte ein außergewöhnliches Jahr und hat über 80 Punkte geholt. Das war nicht normal. Ich glaube, dass die Bayern in diesem Jahr diesen Rekord angreifen können.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski