Köln - 478 Mal stand Dieter Burdenski in der Bundesliga im Tor. Sein Debüt gab er für den FC Schalke 04 mit gerade 20 Jahren. Mit bundesliga.de spricht er über seine Nachfolger in der Bundesliga und erklärt, welchen Vorteil die heutige Generation hat.

bundesliga.de: Guten Tag Herr Burdenski. Bis 2005 waren Sie Torwarttrainer für Werder Bremen. Wie verbringen Sie heute ihre Tage?

Burdenski: Ich bin seit 25 Jahren selbständiger Unternehmer. Ich organisiere Veranstaltungen und Events wie z.B. Werders Vorbereitungsspiel gegen Olympiakos Piräus. Außerdem betreibe ich mehrere Sportgeschäfte. Die Arbeit bei Werder habe ich mehr oder weniger nebenbei gemacht, aber auf Dauer ist das zu anstrengend. Ich hatte praktisch kein freies Wochenende und pendelte zwischen Büro und Trainingsplatz.

bundesliga.de: Verfolgen Sie das Geschehen in der Bundesliga noch intensiv?

Burdenski: Natürlich. Ich habe eine Loge im Weserstadion und bin dem Verein noch sehr eng verbunden.

bundesliga.de: Sie haben 478 Bundesliga-Spiele bestritten. Wie sind Sie mit ihren Erben in der Bundesliga zufrieden?

Burdenski: Wir hatten in Deutschland immer erstklassige Torleute und das ist auch heute noch so. Die Qualität in der Bundesliga ist sehr hoch. Im Moment drängen viele junge Torhüter in den Vordergrund, die eine gewisse Klasse haben.

bundesliga.de: Die jungen Torwarte sind ein gutes Stichwort: Neun der 19 eingesetzten Schlussmänner der diesjährigen Bundesliga sind unter 23 Jahren. Der Altersschnitt ist so niedrig wie seit 40 Jahren nicht mehr. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Burdenski: Ich denke, das ist eine eher zufällige Erscheinung. So etwas wird auch immer durch die Konstellationen in den Vereinen begünstigt. Die jungen Leute bekommen ihre Chancen, wenn die erfahrenen Torhüter verletzt oder in einer Formkrise sind. Wenn sie dann ihre Leistung bringen, bleiben sie auch im Kasten. Das ist in der letzten Saison gleich mehreren Talenten gelungen. Insgesamt ist die Bereitschaft der Clubs, auf junge Spieler zu setzen, gewachsen. Davon profitieren auch die Schlussmänner. In den 16 Jahren, die ich im Bremer Tor stand, hat kaum mal ein anderer Torwart gespielt. Das gibt es heute nicht mehr so häufig.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass die Ausbildung heutzutage besser ist als früher?

Burdenski: Ein Vorteil der heutigen Generation ist, dass Sie im Jugendbereich auf einem höheren Niveau spielen. Die U17 und U19 Bundesligen tragen dazu bei, dass viele Spieler früher den Sprung schaffen. Der Schritt von der U19 zur Bundesliga ist zwar immer noch sehr groß, aber einige Spieler finden sich schnell zurecht. Die bekommen dann auch ihre Chancen. Gerade für einen Torwart ist die Erfahrung auf höchstem Level enorm wichtig. Das hilft einem, die Konzentration immer hoch zu halten und in jedem Spiel die Ruhe zu bewahren.

bundesliga.de: Gibt es einen Torwart aus der jungen Generation, der Ihnen besonders gefällt?

Burdenski: Die haben alle ihre Qualitäten und sind vom Potenzial her nicht so weit auseinander. Ich würde keinen herausheben. Interessant wird die Entwicklung sein: Wer kann sein Spiel mit wachsender Erfahrung kontinuierlich verbessern und konstant auf hohem Niveau spielen?

bundesliga.de: Auch Manuel Neuer im Tor der Nationalmannschaft ist erst 25 Jahre alt. Glauben Sie, dass er die nächsten Jahre die Nummer eins bleibt oder kann ihn einer der Jungen mittelfristig verdrängen?

Burdenski: Sofern Neuer sich nicht verletzt, gehe ich davon aus, dass der Platz in der Nationalmannschaft besetzt ist. Er spielt bei den Bayern im Tor, mehr geht in Deutschland nicht. Darüber hinaus hat er sich mittlerweile ein so gutes Standing erarbeitet, dass er nicht nach jedem Fehler in Frage gestellt wird. Er ist noch jung und wird sogar noch stärker werden. Wir können noch viel von ihm erwarten.

bundesliga.de: Sehen Sie in der Anzahl der jungen Torhüter einen Trend der weiter anhalten wird?

Burdenski: Nein, das ist für mich kein Trend. Es kann ja gut sein, dass die jungen Torhüter, die sich jetzt durchgesetzt haben, auch die nächsten Jahre in den Toren stehen werden. Dann gäbe es für junge Torleute weniger Möglichkeiten, sich zu beweisen. Die Konstellation muss passen. Nehmen wir das Beispiel Bremen: Tim Wiese ist als Nummer 1 unangefochten. Verlängert er seinen Vertrag, wird das auch so bleiben. Verlässt er allerdings Werder zum Saisonende, könnte ich mir gut vorstellen, dass Sebastian Mielitz seine Chance in der Bundesliga bekommt. Dann gäbe es wieder einen jungen Torhüter mehr. Die Rahmenbedingungen müssen eben stimmen.

bundesliga.de: Zum Abschluss noch eine Frage zu ihrem Verein: Was trauen Sie Werder in dieser Saison zu?

Burdenski: Es kehren im Moment viele Verletzte wieder zurück und Thomas Schaaf hat eine größere Auswahl. Finden Pizarro und Naldo zu ihrer Form, kann Werder um Platz 6 mitspielen. Da muss es aber schon sehr gut laufen. Ich drücke jedenfalls die Daumen.

Das Gespräch führte Florian Reinecke