Es wurde an ihm gezerrt und gezupft. Wie in einem Bundesliga-Zweikampf hatte die türkische Nationalmannschaft immer wieder um die Dienste von Mesut Özil gebuhlt.

Der Einsatz war vergeblich. Bundestrainer Joachim Löw berief den Mittelfeldspieler von Werder Bremen am Donnerstag (5. Februar) in das Aufgebot für das Länderspiel am 11. Februar in Düsseldorf gegen Norwegen. Nach zahlreichen Spielen für die Juniorenauswahl-Mannschaften des DFB wird Özil auch im A-Team mit dem Adler auf der Brust auflaufen.

Freude auf die Nationalelf

"Für mich war von Anfang an klar, dass ich nur für Deutschland spielen will. Aber ich konnte mich ja nicht selbst einladen", sagte der gebürtige Gelsenkirchener: "Die Türkei wollte mich auch haben, aber es gab nie ein persönliches Gespräch mit Nationaltrainer Fatih Terim. Wenn ich gegen Norwegen zum Einsatz kommen sollte, würde ich mich freuen und richtig Gas geben."

Bereits am vergangenen Freitag hatte Özil von seiner Nominierung erfahren. "Joachim Löw hat mich angerufen und mir erklärt, wie er langfristig mit mir plant", sagte der 20-Jährige. Am darauffolgenden Montag gab es ein weiteres Gespräch mit Löws Assistenztrainer Hansi Flick, DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, Werder-Manager Klaus Allofs und Özil in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main. Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte sich dafür stark gemacht, dass der hochtalentierte Profi dem Verband erhalten bleibt.

Lob für Özil

"Theo Zwanziger hat hervorgehoben, welch tolles Signal es wäre, wenn sich Mesut für die deutsche Nationalmannschaft entscheiden würde. Es war toll zu sehen, wie sich der Präsident dafür eingesetzt hat", sagte Allofs und lobte Neu-Nationalspieler Özil in höchsten Tönen: "Mesut hat sich zu einem sehr guten Bundesligaspieler entwickelt. Da war die Einladung die logische Konsequenz."

Zudem äußerte Allofs Verständnis dafür, dass sich Özil zuletzt nicht mehr öffentlich zum DFB bekannt hatte: "Er hat sich genau richtig verhalten. Was wäre denn passiert, wenn nie eine Einladung vom DFB gekommen wäre? Intern hat er immer wieder klargemacht, dass er nur auf die deutsche Nationalmannschaft fokussiert ist."

Klares Bekenntnis

Özil hätte trotz seiner bisherigen Einsätze für die U-Auswahlen des DFB weiterhin für die Türkei auflaufen können, da er das 21. Lebensjahr noch nicht beendet hat. Vor rund vier Monaten war er von Terim bereits für die "Milliler" berufen worden, sagte jedoch ab und gab einem Einsatz mit der deutschen U21-Nationalmannschaft in den EM-Play-off-Spielen gegen Frankreich den Vorzug.

"Das ist keine Entscheidung gegen meine türkischen Wurzeln. Doch meine Familie lebt jetzt in der dritten Generation in Deutschland. Ich bin hier aufgewachsen und habe mich immer wohl gefühlt. Ich glaube auch nicht, dass die Enttäuschung in der Türkei jetzt sehr groß ist. Sie haben eine gute Mannschaft", sagte Özil und machte seinem Vornamen mit einem Lächeln alle Ehre - Mesut heißt auf türkisch glücklich.