Die Umgebung schien irgendwie zur Situation zu passen. Am Donnerstagmorgen (9. Juli) ließ sich Alex Silva im verlassenen Trainingstrakt der HSH Nordbank Arena vor dem Abflug nach Brasilien von Physiotherapeut Rainer Kokartis behandeln. Aufgrund von kleineren Bauarbeiten musste die Liege dazu extra aus dem Flur in den Behandlungsraum geschoben werden.

Keiner hatte damit gerechnet, dass sie zu diesem Zeitpunkt benutzt werden würde. Am wenigsten wahrscheinlich Alex Silva selber, der mit viel Energie in die Vorbereitung gestartet war und unter Trainer Bruno Labbadia neuen Schwung verbreitete.

Nun wirft ihn der diagnostizierte Kreuzbandriss um viele Monate zurück. Doch der Brasilianer denkt schon wieder positiv, wie er im Interview mit der Club-Webseite erklärte.

Frage: Alex Silva, am Mittowchabend gab es für Sie die bittere Diagnose: Kreuzbandriss im linken Knie. Können Sie nach diesem Schock eigentlich schon wieder positiv denken?

Alex Silva: Klar war es ein großer Schock für mich. Doch auch das Positive lebt in mir. Es ist der Wille, so schnell wie möglich zurückzukommen und dem HSV wieder auf dem Platz helfen zu können. Der Trainer hat mir schon in den wenigen Tagen großes Vertrauen geschenkt. Das möchte ich zurückzahlen.

Frage: Für die neue Saison hatten Sie sich viel vorgenommen. Kann man begreifen, dass einem in diesem Augenblick so etwas passiert?

Alex Silva: Ich denke, wenn es passiert, dann soll es passieren. Es ist besser, es trifft einen in der Vorbereitung, als im entscheidenden Moment der Saison, zum Beispiel vor einem wichtigen Finale. Ich werde versuchen, mich in der Hinrunde wieder aufzubauen, so dass ich in der Rückrunde wieder angreifen kann.

Frage: Das klingt nach einer positiven Lebenseinstellung und einem starken Glauben.

Alex Silva: Wenn man negativ an die Sache geht, bringt einem der beste Physiotherapeut nichts. Ich glaube an eine Art Führung. Das hat mit einem starken Glauben zu tun. Bei meinem ersten Kreuzbandriss 2007 hatte ich gerade meine beste Zeit bei Sao Paolo. Ich bin in die Nationalmannschaft berufen worden und europäische Clubs wurden auf mich aufmerksam. Dennoch bin ich auch gestärkt aus dieser Situation hervorgegangen. Ich habe viel über mein Leben nachgedacht und über Dinge, die ich falsch gemacht habe. Im Nachhinein hat es mir geholfen.

Frage: Sie werden in Brasilien operiert, von dem Arzt, der auch den ersten Eingriff gemacht hat.

Alex Silva: Das stimmt. Und ich möchte mich auch herzlich beim HSV bedanken, dass sie dieses möglich gemacht haben. Auch die Besserungswünsche geben mir viel Kraft.

Frage: Wer hat sich denn alles gemeldet?

Alex Silva: Meine ganze Familie, das Umfeld und viele Spieler haben mich sofort angerufen. Sogar Naldo hat sich bei mir gemeldet und mir alles Gute gewünscht. Alle diese Dinge helfen einem, jeden Tag mit viel Kraft aufzustehen und die Reha zu absolvieren. Ich hoffe, schnell zurückzukommen, damit ich allen dafür danken kann.