Beim 7:1 des FC Bayern München am Sonntag im Testspiel gegen den SV Lippstadt 08 feierte nicht nur Neu-Coach Jürgen Klinsmann eine Premiere. Zum ersten Mal stand Michael Rensing mit der Nummer 1 auf dem Rücken im Tor des deutschen Rekordmeisters und trat damit das schwere Erbe von Oliver Kahn an.

Sicherlich eine schwere Bürde, welche der 24-Jährige aber mit Optimismus und Kampfgeist stemmt. "Ich hatte schon länger Zeit, mich auf diese Aufgabe vorzubereiten und es ist ein gutes Gefühl, nach fünf Jahren endlich die Nummer 1 auf dem Rücken zu haben", erklärte Rensing gegenüber bundesliga.de.

"Es ist gut zu wissen, dass ich jetzt jedes Spiel machen werde und wieder Spielpraxis und Kontinuität bekomme. Ich habe nun mein erstes Etappenziel erreicht und nun geht es weiter"

Es war der 21. Februar 2004, am 21. Spieltag beim 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV, als Michael Rensing das erste Mal den Kasten des deutschen Rekordmeisters sauber hielt und die Fachwelt von seinem Talent überzeugen konnte. Knappe viereinhalb Jahre und 23 Bundesliga-Spiele ohne eine einzige Niederlage später ist er nun die Nummer 1 beim FC Bayern.

Keine Zweifel an Kahns Nachfolge

Zweifel, dass der Bayern-Vorstand es sich doch anders überlegen und eine andere Nummer 1 transferieren würde, hatte Rensing nie. "Die ganzen Namen, die überall rumgeisterten, die wurden nur von den Medien in den Raum geworfen". Auch das Gerücht, dass Petr Cech im Wechsel mit Rensing von Chelsea London an die Isar wechseln würde, entpuppte sich als Zeitungsente, über die der 24-Jährige heute noch lächeln kann.

"Das einzig Unangenehme in der vergangenen Saison war, dass ich nicht viele Spiele machen und von Woche zu Woche mein Können unter Beweis stellen konnte. Ich habe nicht mehr, wie die Jahre zuvor, bei den Amateuren oder bei der U21 des DFB mindestens alle zwei Wochen gespielt. In der vergangenen Saison habe ich mal einen Monat durchgespielt und dann wieder drei Monate gar nicht. Aber nun bin ich froh, dass diese Zeit vorbei ist."

Trotz der mangelnden Spielpraxis in der abgelaufenen Spielzeit spürt er das volle Vertrauen des neuen Trainers Jürgen Klinsmann: "Es gab schon vor seinem Amtsantritt einige Telefonate. Seit Trainingsbeginn gab es auch schon diverse Gespräche, in denen er mir vermittelt hat, was er von mir sehen möchte und wie das Ganze ablaufen soll."

Rensing soll aktiv mitspielen

Klinsmann pflegt den Offensivfußball und will dabei auch seinen Tormann einbeziehen. "Er möchte, dass ich sehr viel mitspiele, sehr aktiv bin und das moderne Torwartspiel verkörpere", beschreibt Rensing gegenüber bundesliga.de seine Aufgabe.

Vergleiche mit seinem Vorgänger hört der aus dem Emsland stammende Rensing nicht gerne. "Ich bin ein anderer Torwart als Oliver Kahn und habe auch einen ganz anderen Stil. Ich denke, dass ich fußballerisch sehr gut bin, möchte mich aber weiterhin noch verbessern. Ich werde auch in den spielerischen Trainingseinheiten mit eingebunden. Es macht mir auch mehr Spaß und ich denke, dass es auch effektiver ist, wenn der Torwart hinten anspielbereit ist und aktiv ins Spielgeschehen mit eingreift."

"Höchste Priorität hat der FC Bayern"

Sein erstes Etappenziel hat Michael Rensing nun erreicht - er ist die Nummer 1 im Bayern-Tor. Zufrieden gibt sich der Keeper damit aber noch lange nicht. "Die weiteren Ziele sind jetzt natürlich in erste Linie mit dem FC Bayern möglichst viele Titel zu holen und irgendwann selbstverständlich auch im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu stehen. Aber höchste Priorität hat der FC Bayern. Dort möchte ich konstant gute Leistungen bringen und dann wird das Ganze schon seinen Lauf nehmen", gibt sich Rensing im Gespräch mit bundesliga.de optimistisch.

Auch die Zusammenarbeit mit der Nummer 2, dem vor der Saison von Benfica Lissabon transferierten Hans-Jörg Butt, beschreibt Rensing als sehr gut. "Wir kommen sehr gut miteinander klar. Wir kommen sogar aus derselben Gegend. Auch mit dem dritten Mann Thomas Kraft und Torwart-Trainer Walter Junghans haben wir ein optimales Verhältnis. Wir trainieren alle sehr gut miteinander."

"Vielleicht schieße ich auch mal ein Tor"

Auch wenn Michael Rensing jahrelang mit Oliver Kahn einen der erfolgreichsten und besten Torhüter der vergangenen zehn Jahre als Kollegen und Ratgeber zur Seite hatte, so gibt es doch eine Sache, die der 24-Jährige von seinem neuen Teamkollegen Hans-Jörg Butt lernen könnte - das Toreschießen. In 344 Begegnungen der Bundesliga und 2. Bundesliga traf Butt insgesamt 22 Mal vom Elfmeterpunkt aus.

Eine Option, die sich Michael Rensing für seine Karriere offen lässt. "Elfmeter? Warum nicht. Wenn wir wirklich schon 5:0 führen, kann ich mir das schon vorstellen. Aber erst will ich mal das Torwartspiel perfektionieren, der Mannschaft als Torwart helfen und erfolgreich sein. Und irgendwann schieße ich vielleicht auch mal ein Tor."

André Wagner