Bremens scheidender Kapitän Frank Baumann spricht nach seinem Karriererende bei Werder ausführlich über sein sportliches Jahrzehnt und eine äußerst ereignisreiche Karriere.

Frage: Herr Baumann, Sie haben Ihre Entscheidung getroffen! Nach zehn Jahren in Bremen, nach 18 Jahren leistungsorientiertem Fußball bei Werder, dem 1. FC Nürnberg und beim TSV Grombühl beenden Sie Ihre aktive Karriere. Sind Sie wirklich sicher?

Frank Baumann: Ja, so eine Entscheidung fällst du nicht von heute auf morgen, sie reift in einem längeren Prozess. Die ersten Gedanken dazu, habe ich im Herbst letzten Jahres entwickelt. Im Winter wurde es dann noch ein bisschen stärker, aber je näher die Entscheidung dann rückte, desto schwerer fiel es mir wieder. Aber jetzt bin ich mir sicher, dass es der richtige Schritt ist.

Frage: Jetzt werden Sie in eine neue Rolle schlüpfen. Sie sollen ab dem 1. Januar als Assistent von Klaus Allofs bei Werder mitwirken. Haben Sie sich das halbe Jahr Pause gewünscht?

Baumann: Ja, das war mir in den Gesprächen, die in den vergangenen Wochen liefen, ein großes Anliegen. Ich wollte zeitnah mitwirken, aber auch genug Auszeit bekommen. Ich brauche erst etwas Abstand, ich will den Samstag-Mittwoch-Profi-Rhythmus abschütteln und ins "normale" Leben reinkommen. Diese Zeit werde ich zur Erholung nutzen, aber auch schon zur Weiterbildung. Außerdem möchte ich Abstand vom Bundesliga-Alltag als Spieler bekommen und etwas Distanz zur Mannschaft aufbauen, die mir in meiner neuen Funktion helfen wird. Ich will gut vorbereitet im Januar in die Geschäftsstelle zurückkehren. Doch bald stehen erst einmal fünf Wochen Urlaub mit meiner Familie auf dem Plan. So etwas habe ich noch nie gemacht. Darauf freue ich mich sehr.

Frage: Wie muss man sich die Arbeitsplatzbeschreibung des Assistenten des Geschäftsführers Profifußball vorstellen? War das Ihr Wunsch? Wäre auch ein Platz im Trainerstab eine Option gewesen?

Baumann: In den Arbeitsbereich bei Klaus Allofs Einblick zu erhalten und ihn zu unterstützen, ist eine große Chance für mich. Ich komme in diesen zweieinhalb Jahren, in denen mein Vertrag läuft, als Lehrling hierher zurück, der sehr davon profitieren wird, von so einem erfahrenen Mann wie Klaus zu lernen. Dennoch will ich schnell in meine neue Aufgabe hineinwachsen. Für die Zukunft werde ich mich aber auch in anderen Bereichen fit machen. Ich werde auch den Trainerschein absolvieren, der auch für die Aufgaben im Sportmanagement nicht schadet. Mal sehen, wie ich das alles unter einen Hut bekomme. Ich könnte mir auch vorstellen nach den zweieinhalb Jahren als Trainer zu arbeiten, man kann sich da nie wirklich festlegen.

Frage: Sie haben mit zehn Trainern im Profifußball gearbeitet, obwohl Sie jetzt zehn Jahre mit Thomas Schaaf verbracht haben? Können Sie noch alle aufzählen?

Baumann: In Nürnberg gab es zu meiner Zeit bei der Trainerbesetzung das Kontrastprogramm zu Werder. Es fing bei mir 1994 mit Rainer Zobel an, als ich aus der Jugend zu den Profis kam. Zwei Spieltage vor der Winterpause kam Dieter Renner, nach der Winterpause Günter Sebert bis zum Sommer. Zur neuen Saison startete Hermann Gerland seine Arbeit, der wiederum wurde drei, vier Spieltage vor Saisonende entlassen. Es kam Willi Entenmann mit dem wir in die Regionalliga gegangen sind und wieder in die 2. Bundesliga aufsteigen konnten. Dort wurde er nach drei, vier Spieltagen wieder entlassen und Felix Magath übernahm das Amt. Er führte uns in die erste Liga, konnte sich jedoch dann im Laufe der Vorbereitung auf die erste Liga mit der Vereinsführung nicht auf einen Vertrag einigen und ist gegangen. Willi Reimann kam bis kurz vor der Winterpause und musste dann aus gesundheitlichen Gründen seiner Frau aufhören. Thomas Brunner kam für ein paar Spiele und in der Winterpause übernahm dann Friedel Rausch bis zum Sommer. Das waren neun Trainer in vier Jahren.

Frage: Sind auch Freundschaften zu Teamkollegen entstanden?

Baumann: Bei Freundschaften war ich immer abwartend, zurückhaltend, weil es in diesem Geschäft immer eine große Fluktuation gibt und eigentlich nie genug Zeit bleibt, um eine richtige Freundschaft über Jahre aufrecht zu erhalten und zu vertiefen. Mir war es immer wichtiger den Freundeskreis, den ich außerhalb dieses - überspitzt gesagt - Profizirkuses hatte, zu pflegen, um einen Gegenpol zu diesem schnelllebigen Geschäft zu haben. Auch in Bremen haben wir so einen Kreis außerhalb des Fußballs sehr schnell gefunden, Nachbarn, Eltern der Freunde unserer Kinder. Das war auch eines der Wohlfühlfaktoren, die immer für Bremen sprachen. Aber natürlich gab es auch Mitspieler, mit denen ich mich wirklich sehr, sehr gut verstehe. Menschen, wie Marco Bode oder Per Mertesacker und einige andere.