Wolfsburg - Nach einer enttäuschenden Bundesliga-Saison 2009/10, die mit dem Abstieg von Hertha BSC endete, erlebte Arne Friedrich bei der Weltmeisterschaft in Südafrika sein ganz persönliches Sommermärchen. Er gehörte zu den absoluten Stars im deutschen Team.

Mit neuem Selbstbewusstsein will der Abwehrspieler nun auch wieder in der Bundesliga angreifen - beim VfL Wolfsburg. Die "Wölfe", die in der Vergangenheit vor allem durch ihre Offensive aufgefallen sind, setzen mit Friedrichs Verpflichtung ein deutliches Zeichen.

Die Abwehr soll stabiler werden. Dass das gelingt, davon ist Friedrich im Gespräch mit bundesliga.de absolut überzeugt. Er spricht zudem über die Ziele mit den Niedersachsen und erinnert sich an die WM in Südafrika.

bundesliga.de: Herr Friedrich, wie fühlt es sich an, wieder auf dem Trainingsplatz zu stehen? Sind Sie bereit für ein neues Kapitel in Ihrer Laufbahn?

Arne Friedrich: Auf jeden Fall. Die Freude ist groß, dass es wieder losgeht, auch wenn der Urlaub aufgrund der Weltmeisterschaft recht kurz war. Ich habe jetzt ein neues Umfeld, eine nette Mannschaft - meine ersten Eindrücke sind absolut positiv.

bundesliga.de: Nach acht Jahren Hertha BSC der Wechsel nach Niedersachsen. Ist da selbst ein gestandener Profi wie Sie noch nervös am ersten Arbeitstag?

Friedrich: Nein, überhaupt nicht. Ich habe noch nie ein Problem damit gehabt, Leute, die ich nicht kenne, kennenzulernen, auf sie zuzugehen. Zudem kennt man sich ja ohnehin schon aus der Bundesliga.

bundesliga.de: Sie haben sich bei der WM wieder ins Rampenlicht gespielt. Sie spielten wie befreit. War die WM genau das Ventil, das Sie nach der verkorksten Saison 2009/10 gebraucht haben?

Friedrich: Man sieht, was möglich ist, wenn man Vertrauen bekommt. Jogi Löw hat auf mich gebaut. Ich war frei im Kopf, der Druck in Berlin bei der Hertha, der größtenteils meiner Person angelastet wurde, war weg.

bundesliga.de: Geben Sie uns doch mal einen kleinen Einblick ins deutsche Lager. Wie haben Sie und die Mannschaft die WM 2010 erlebt?

Friedrich: Es war vom ersten Tag an eine tolle Stimmung, sehr harmonisch. Wir sind dann mit dem 4:0 gegen Australien auch gut reingekommen ins Turnier. Alle hatten ein Ziel, wir haben einen echten Teamgeist entwickelt.

bundesliga.de: Sie haben bei Ihrer Vorstellung beim VfL gesagt, Sie würden noch einmal ganz oben angreifen wollen. Ist die Meisterschaft in dieser oder einer der nächsten Spielzeiten ein realistisches Ziel für die "Wölfe"?

Friedrich: Der FC Bayern ist das Maß aller Dinge, da muss man realistisch sein. Aber wir haben eine gute Chance, auf Sicht wieder in die Champions-League-Ränge zu kommen. Das ist unser Ziel.

bundesliga.de: Wolfsburg ist bekannt für seine starke Offensive. Sie haben oft genug gegen Edin Dzeko und Grafite gespielt. Was zeichnet diese beiden Stürmer aus?

Friedrich: Über Edin Dzeko muss man nicht reden. Er ist einer der komplettesten Stürmer in Europa: groß, technisch stark, schnell, kopfballstark und eiskalt vor dem Tor. Grafite ist sehr dynamisch, gut im Abschluss. Sie haben vor allem im Meisterjahr super harmoniert.

bundesliga.de: 58 Treffer kassierte der VfL im Vorjahr - die zweitmeisten in der Bundesliga-Geschichte des Clubs. Noch nie blieb Wolfsburg unter 41 Gegentoren. Werden wir in Zukunft defensivstärkere "Wölfe" sehen?

Friedrich: Da bin ich ganz sicher, definitiv. Wir werden weniger Tore kassieren als im letzten Jahr. Das ist unser Anspruch.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz