Der Kampf um die Deutsche Meisterschaft: Wird er wieder mal am letzten Spieltag entschieden? Womöglich in den letzten Minuten des 34. Spieltags? "Kann passieren", sagt Andreas Möller im Gespräch mit bundesliga.de. Der zweimalige deutsche Meister und heutige Manager des Drittligisten Kickers Offenbach geht von einem Kopf-an-Kopf-Rennen gleich mehrerer Vereine aus.

"Es ist jetzt ganz entscheidend, wer die Situation nervlich am besten verarbeitet. Es zählen jetzt nur noch die Punkte und nicht mehr, wie sie erspielt werden. Da sind die Bayern mit ihrer Erfahrung schon im Vorteil, damit wissen sie am besten umzugehen", schätzt Möller.

"Traue es dem Fuchs Felix Magath zu"

Der gebürtige Frankfurter, der in seiner Karriere eigentlich alle Titel gewonnen hat, die zu vergeben sind, weiß ganz genau, wovon er spricht. Möller gehörte schließlich in der Saison 2000/01 zu der Schalker Mannschaft, die in der Nachspielzeit des letzten Spieltags von den Bayern abgefangen wurde und den ungeliebten Titel "Meister der Herzen" errang.

Der größte Trumpf des Tabellenführers Wolfsburg sei der Trainer. "Ich traue dem alten Fuchs Felix Magath zu, dass er vorne bleibt. Die Mannschaft weiß außerdem, dass sie vielleicht nicht noch einmal so eine große Chance auf die Meisterschaft bekommt und ist hoch motiviert. Deshalb rechne ich ganz stark mit Wolfsburg."

Klaus Toppmöller, der 2002 als Trainer von Bayer Leverkusen ebenfalls am letzten Spieltag die Deutsche Meisterschaft verpasste, äußert gegenüber bundesliga.de allerdings eine Befürchtung: "Was passiert, wenn Dzeko oder Grafite ausfallen? Das könnte Wolfsburg mit seinem Kader nicht auffangen. Die hohe Qualität in der Breite haben eben nur die Bayern."

HSV und Stuttgart nicht chancenlos

Für Möller läuft das Titelrennen aber nicht allein auf einen Zweikampf zwischen Wolfsburg und Bayern hinaus. Auch den Hamburger SV, der mit seinem großen Kader alles mobilisieren werde, und den "von hinten anbrausenden" VfB Stuttgart schreibt der Weltmeister von 1990 nicht ab. Zumal sie möglicherweise den Vorteil des Jägers auf ihrer Seite hätten.

"Natürlich kann man nicht wissen, wer besser mit der Rolle des Jägers oder des Gejagten zurechtkommt. Aber man kann es sich ungefähr so vorstellen: Wer auf dem Fahrrad an der Spitze sitzt und immer nach hinten schauen muss, wo die Verfolger sind, der hat es schon schwieriger als die Verfolger, die immer nur nach vorne schauen können."

Dass das Finale der Saison 2008/09 allerdings ähnlich dramatisch laufen werde wie 2000/01, glaubt Möller nicht: "So etwas wird einmalig in der Geschichte der Bundesliga bleiben!"

Stefan Kusche