München - Hannover 96 ist nach dem Pokal-Aus wieder in der Spur - und wie. Die zwei Siege gegen Frankfurt und Schalke haben für den besten Bundesligastart seit 45 Jahren gesorgt.

Und die "Roten" haben sich vor dem Ende des Transferfensters weiter verstärkt. Mit DaMarcus Beasley kommt ein Mittelfeldspieler zu den Niedersachsen, der nicht nur Erfahrung als US-Nationalspieler hat, sondern schon bei PSV Eindhoven, Manchester City und den Glasgow Rangers unter Vertrag stand.

Vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen sprach bundesliga.de mit dem 28-Jährigen über seinen Wechsel, die Bundesliga und seine großen Ziele mit Hannover.

bundesliga.de: Herr Beasley, welches Bild hatten Sie bislang von der Bundesliga?

DaMarcus Beasley: Für mich ist es eine der drei besten Ligen der Welt. Jede Mannschaft spielt guten Fußball. Jeder weiß, dass es eine harte und starke Liga ist, aber die Spieler sind geschickt, und es wird spannend sein, in der Bundesliga zu spielen.

bundesliga.de: Wie populär ist die Bundesliga in den USA?

Beasley: Die Bundesliga ist sehr populär in Amerika. Es werden viele Spiele im Fernsehen übertragen. An erster Stelle steht bei den Fernsehübertragungen zwar die englische Premier League, aber dahinter liegt schon die Bundesliga. Dass auch Amerikaner in Deutschland spielen, hilft dabei sehr, weil sich die Fans ihnen so einfach näher fühlen. Die amerikanischen Fans möchten auch, dass ihre Spieler in Europa spielen. Vielleicht kann mein Wechsel nach Hannover ja auch dazu beitragen, dass noch mehr Amerikaner den deutschen Fußball verfolgen.

bundesliga.de: Warum haben Sie sich für Hannover 96 entschieden? Worin liegt die Herausforderung?

Beasley: Hannover ist eine gute Mannschaft, ein guter Verein. Sie haben hohe Ziele. Dieses Jahr gibt es viele junge Spieler, die die erste Mannschaft verstärken, und das finde ich gut. Es zeigt, dass der Verein Vertrauen in junge Spieler hat. Es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten. Natürlich gibt es auch ein schönes Stadion und tolle Fans. Wir können gemeinsam einiges erreichen.

bundesliga.de: Welche Rolle spielte Steven Cherundolo bei der Verpflichtung?

Beasley: Dass Steven Cherundolo hier ist, hat mir die Entscheidung, nach Hannover zu wechseln, viel leichter gemacht. Ich kenne Steve seit fast zehn Jahren, seit wir zusammen unsere erste WM in Südkorea und Japan in 2002 gespielt haben. Er hat Hannover immer in den höchsten Tönen gelobt. Ich habe jetzt meine Chance, hier in Hannover zu spielen, und ich möchte diese Gelegenheit nutzen.

bundesliga.de: Wie würden Sie die verschiedenen europäischen Ligen, in denen Sie gespielt haben, vergleichen?

Beasley: Ich glaube nicht, dass man sie vergleichen kann. Ich glaube, deutscher Fußball ist vielleicht mit holländischem Fußball vergleichbar. Nicht nur wegen der Sprache, sondern auch die Art und Weise, wie Fußball gespielt wird. England und Spanien sind sich auch ähnlich. Es gibt verschiedene Fußballstile in Europa. Und der Wechsel nach Deutschland wird gut für mich als Person und meine Entwicklung sein. Ich bin ohnehin erst 28 und ich kann noch viele Jahre spielen.

bundesliga.de: In den vergangenen drei Spielzeiten haben Sie nie mehr als elf Ligaspiele bestritten. Wie lässt sich das erklären?

Beasley: Hauptsächlich aufgrund von Verletzungen. Ich war nicht immer gesund in den letzten drei Jahren. Dass ich hin und wieder verletzt war, hat es schwierig für mich gemacht, einen Stammplatz zu kriegen. Die Mannschaften, für die ich gespielt habe, hatten auch viel Erfolg. Es war nicht so, dass das Team viele Spiele am Stück verloren hat, und die Trainer deshalb Veränderungen an der Aufstellung vornehmen wollten. Wenn ich aber fit war, stand ich normalerweise bei den Rangers im Team.

bundesliga.de: 2007 haben Sie im Champions-League-Spiel mit den Rangers gegen Stuttgart bei einem Zusammenprall mit Torwart Raphael Schäfer eine schwere Knieverletzung erlitten, die Ihre Karriere stark beeinflusst hat. Am 16. Spieltag spielt 96 gegen den VfB, danach gegen Nürnberg mit Schäfer. Wie werden Sie in diese Spiele gehen?

Beasley: Natürlich weiß ich, dass er das nicht absichtlich gemacht hat. Es war einfach ein dummer Zusammenprall, und ich habe nichts gegen ihn. Es wird meine Vorbereitungen auf das Spiel gar nicht beeinflussen. Ich werde versuchen, die drei Punkte für die Mannschaft zu holen, wenn ich auf dem Platz stehe.

bundesliga.de: Sie haben bereits vier Halbzeiten in drei Testspielen für 96 bestritten. Inwieweit sind Sie in der Lage, Hannover schon zum jetzigen Zeitpunkt weiterzuhelfen?

Beasley: Noch nicht sehr. Ich bin erst eine Woche hier, also stecke ich noch in der Vorbereitung. Ich hatte eigentlich keine Vorbereitung, weil ich sieben Wochen in den USA war. Körperlich bin ich zwar fit - was mir aber fehlt ist Spielpraxis. Ich muss natürlich spielen, trainieren und den Ball kicken. Das wird ein bisschen dauern. Aber ich bin bereit, ich freue mich auch darauf, spielen zu können. Hoffentlich bekomme ich die Gelegenheit am Samstag. Wenn nicht, vielleicht die Woche darauf. Ich bin bereit meine Leistung zu bringen, und hoffentlich werde ich mit jeder Woche besser und letztlich voll fit werden.

bundesliga.de: Bei der PSV Eindhoven haben Sie mit Jefferson Farfan eine Klasse-Flügelzange gebildet. Wie ist Ihr Kontakt zu ihm heute?

Beasley: Ich habe lange nichts mehr von ihm gehört, aber er ist ein guter Freund von mir. Das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben, war vor eineinhalb Jahren, als die Rangers gegen Schalke ein Freundschaftsspiel bestritten haben. Ich werde sicherlich den Kontakt wieder aufnehmen. Er ist ein netter Typ und definitiv ein guter Spieler. Ich werde sicherlich Rat bei ihm suchen, sobald wir gegeneinander spielen.

bundesliga.de: Guus Hiddink hat Sie bei der PSV zum Nachfolger von Arjen Robben gemacht. Wie war es, durch Hiddinks Schule zu gehen? Was hat es Ihnen gebracht?

Beasley: Das war eine tolle Zeit, bei der PSV. Hiddink kann alles aus einem Spieler herausholen. Jeder hat Respekt vor ihm, vor dem was er erreicht hat und was er einer Mannschaft bringen kann. Meiner Meinung nach ist er ein toller Coach. Er hat das Beste aus mir herausgekitzelt. Im Training fordert er seine Spieler sehr, und das gefällt mir. Egal, ob du Mark van Bommel oder DaMarcus Beasley heißt, er fordert sehr viel von jedem Spieler. Es war einfach klasse, wie er PSV ins Halbfinale der Champions League geführt hat.

bundesliga.de: Hannover ist hervorragend in die Saison gestartet. Was spricht dafür, dass sich der positive Lauf gegen Leverkusen fortsetzt?

Beasley: Es wird ein schwieriges Spiel, aber wir haben Heimvorteil und die Mannschaft ist gut darauf. Ich war an den ersten Spieltagen nicht hier, aber ich spüre das Selbstbewusstsein im Kader. Wir spielen vor eigenem Publikum und ich glaube, wir können punkten. Jeder weiß, dass Leverkusen eine gute Mannschaft ist. Sie haben viele individuell gute Spieler, aber wir müssen uns auf uns konzentrieren. Der Heimvorteil und das Selbstbewusstsein der ersten zwei Spielen können am Samstag aber entscheidend sein.

Das Gespräch führte Andy James