Carsten Jancker kennt sich gut aus im Berliner Olympiastadion. Von 1998 bis 2000 stand der großgewachsene Stürmer drei Mal in Folge mit dem FC Bayern München im DFB-Pokalfinale, 1998 und 2000 durfte der Ex-Nationalspieler auch den goldenen Pokal in den Himmel recken.

Ausgerechnet in dem Jahr, in dem er sein einziges Tor in einem Pokalfinale schoss, reichte es aber nicht zum Titelgewinn. Im Endspiel 1999 erzielte Jancker gegen Werder Bremen den Ausgleich für die Bayern und verwandelte auch im Elfmeterschießen sicher. Letztlich triumphierten aber die Bremer, wenige Tage nach der bitteren Finalniederlage gegen Manchester United der nächste Nackenschlag für Jancker und die Münchner.

Doch die kamen zurück - und fegten Werder im Jahr darauf im Finale mit 3:0 aus dem Stadion. Im Interview mit bundesliga.de erinnert sich Jancker, der trotz laufenden Vertrags in dieser Saison beim österreichischen Club SV Mattersburg nicht mehr zum Einsatz kam, an seine Pokalerlebnisse. Zudem blickt er auf das Champions-League-Finale der Bayern gegen Inter Mailand und freut sich über die neuen Sympathien für seinen Ex-Club.

bundesliga.de: Herr Jancker, als Spieler standen Sie drei Mal im DFB-Pokalfinale. Was macht den besonderen Reiz dieses Spiels aus?

Carsten Jancker: Zum einen ist es ein Endspiel und zum anderen herrscht eine super Atmosphäre. Berlin hat schon ein gewisses Flair. Aber das Entscheidende ist: Man steht im Pokalfinale und kann einen Titel gewinnen. Es ist der kürzeste Weg zu einem Titel.

bundesliga.de: Sie standen mit den Bayern von 1998 bis 2000 drei Mal in Folge im Finale. 1999 und 2000 auch gegen Werder Bremen. Was haben Sie für Erinnerungen an diese Spiele?

Jancker: 1999 kamen wir nach der Niederlage im Champions-League-Finale gegen Manchester United zum Pokalfinale und wollten unbedingt gewinnen. Am Ende haben wir im Elfmeterschießen verloren. Das wollten wir dann ein Jahr später natürlich wiedergutmachen. Das haben wir zum Glück auch geschafft. Es waren zwei interessante Finalspiele gegen Bremen, die eine wirklich gute Pokalmannschaft sind. Es waren immer sehr heiße Duelle.

bundesliga.de: Wen sehen Sie denn am Samstag im Vorteil? Gibt es für Sie einen Zweifel am Sieg der hochgelobten Bayern?

Jancker: Es ist ein Finalspiel und jeder hat seine Chancen. Ich sehe da eigentlich keinen Favoriten.

bundesliga.de: Was macht die Bayern denn im Moment so stark? Ist es der große Einfluss von Louis van Gaal?

Jancker: Er kommt zumindest sehr gut rüber. Die Mannschaft hat eine Zeit lang gebraucht, um umzusetzen, was er fordert. Aber es scheint jetzt einfach zu passen.

bundesliga.de: Aus Ihrer eigenen Erfahrung: Wenn man bei den Bayern so einen Lauf hat, bekommt man das Gefühl: "Jetzt kann uns keiner mehr aufhalten"?

Jancker: Das Gefühl, dass man die Spiele gewinnen muss, hat man bei den Bayern auch so schon. Wenn man bei Bayern ein Spiel verliert, gibt es direkt auf den Deckel. Damit muss man klar kommen. Diese Saison hat der FC Bayern etwas länger gebraucht, aber inzwischen haben sie ein großes Selbstbewusstsein. Aber das brauchen nicht nur die Bayern, das braucht jede Mannschaft, dann läuft es eben einfacher.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Chancen für die Bayern im Champions-League-Finale?

Jancker: Ich glaube, die Chancen stehen 50:50. Inter wird sehr gut organisiert auftreten und auf beiden Seiten stehen zwei sehr gute Trainer, die sich auch gut kennen. Wenn wir Pech haben, sehen wir ein taktisches Spiel. Das haben Finalspiele aber meist so an sich, denn als Spieler kommt man einfach nicht so oft in ein Champions-League-Finale. Da will man natürlich nicht ins offene Messer laufen. Deshalb werden wir ein sehr taktikorientiertes Spiel sehen.

bundesliga.de: Die Bayern gewinnen in dieser Saison nicht nur auf dem Rasen, sie erobern auch Sympathien vieler neutralen Fans in Deutschland. Woran liegt das?

Jancker: Es ist doch schön, dass der FC Bayern so viele Sympathien gewonnen hat, schließlich hat der Verein es verdient. Sie haben sehr gute Spieler, machen aber auch viel für wohltätige Zwecke. Das wird aber auch wieder in die andere Richtung umschlagen, wenn die Bayern auch in der kommenden Saison alles gewinnen sollten. Es ist ein Kreislauf.

bundesliga.de: Liegt die neue Sympathiewelle auch daran, dass die Bayern momentan viele junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in ihre Mannschaft eingebaut haben?

Jancker: Das kommt natürlich auch dazu. Aber sie haben mit Arjen Robben und Franck Ribery eben auch zwei richtige Kracher im Kader.


Das Gespräch führte Matthias Becker