Klaus Augenthaler hat so ziemlich alle Höhen und Tiefen einer Fußballerkarriere miterlebt. Als Spieler gewann er sieben Mal die Deutsche Meisterschaft und drei Mal den DFB-Pokal mit dem FC Bayern München.

Als Trainer führte er die Bayern zum UEFA-Cup-Sieg 1996, stieg 2001 mit dem 1. FC Nürnberg in die Bundesliga auf, kämpfte aber auch mehrfach und mit verschiedenen Clubs bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Augenthaler, der aktuell die SpVgg Unterhaching trainiert, über beide Seiten der Medaille. Er blickt auf die Saison des FC Bayern und schaut voraus auf die Chance aufs "Triple". Und er sagt, wie es seiner Meinung nach um die drei abstiegsbedrohten Clubs aus Hannover, Nürnberg und Bochum bestellt ist, und wen er im Vorteil sieht.

bundesliga.de: Sie selbst haben mit dem FC Bayern unzählige Titel geholt. Was sagen Sie zur Saison der Bayern?

Klaus Augenthaler: Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat man sich beim FC Bayern meiner Meinung nach vier Spieltage vor Ende der Hinrunde gefunden. Sprich man hat die letzten vier Spiele vor der Winterpause gewonnen. Dazu kam noch der starke Auftritt in Turin und das damit verbundene Weiterkommen in der Champions League. Und von da an hat die Mannschaft an die Philosophie von Trainer Louis van Gaal geglaubt.

bundesliga.de: Wie groß stehen die Chancen der Bayern auf das "Triple"?

Augenthaler: Es ist natürlich so, dass man in der Bundesliga einen Ausrutscher auch wieder wettmachen kann. Die Bayern hatten solche Ausrutscher zuhause gegen den VfB Stuttgart und dann auch in Frankfurt. Bei Finalspielen hängt dagegen viel von der Tagesform ab. Im Pokalfinale gegen Werder Bremen sind die Bayern zwar leichter Favorit, aber es ist halt nur ein Spiel und Bremen ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Und im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand sieht es ähnlich aus.

bundesliga.de: Für die Bayern geht es am Samstag nicht mehr um viel. Ganz anders sieht es da im Tabellenkeller aus. Für Hannover, Bochum und Nürnberg geht es ums nackte Überleben. Wer geht Ihrer Meinung nach mit dem größten Selbstbewusstsein ins Saisonfinale?

Augenthaler: Ich glaube, dass keine Mannschaft mit einem großen Selbstvertrauen in die letzte Partie reingeht. Man versucht sich zwar einzureden, dass man es schaffen wird. Man spricht sich Mut zu. Aber alle drei Mannschaften haben ja die Möglichkeit, die Klasse zu halten. Ich denke aber, dass die beiden Teams, die zuhause spielen - also Bochum und Nürnberg - die besseren Karten haben.

bundesliga.de: Hannover hat vergangenes Wochenende sechs Tore geschossen, aber nur eines der vergangenen zehn Auswärtsspiele gewonnen. Gibt dieser 6:1-Erfolg gegen Gladbach Kraft, um endlich auch in der Fremde bestehen zu können?

Augenthaler: Das ist natürlich ein reines Endspiel. Was das Spiel von Hannover gegen Mönchengladbach angeht, da gehören ja auch immer Zwei dazu. Was ich gesehen habe, war, dass jeder Schuss der Hannoveraner ein Treffer war. Die Gladbacher waren mehr oder weniger nur ein Sparringspartner.

bundesliga.de: Das Zünglein an der Waage kann Nürnberg sein. Ist es ein Vorteil, gegen eine Mannschaft zu spielen, für die es um nichts geht?

Augenthaler: Ich sehe ganz klar einen Vorteil für Nürnberg darin, dass Köln schon durch ist. Man kann natürlich sagen, dass sie jetzt befreiter aufspielen werden. Zudem haben sie ja auswärts mehr Punkte als zuhause geholt. Aber ich glaube, dass Nürnberg dagegenhalten wird.

bundesliga.de: Es gibt ja auch noch den Rettungsanker Relegation. Denken Spieler und Trainer aktuell überhaupt darüber nach?

Augenthaler: Ja, sicherlich spielt die Relegation eine Rolle. Wenn man nicht direkt den Klassenerhalt schafft, ist die Relegation die andere große Chance, in der Bundesliga zu bleiben. Nürnberg ist vergangene Saison über die Relegation reingekommen. Da war es aber schwierig für den Bundesligisten, in dem Fall Energie Cottbus. In dieser Saison denke ich, dass der Bundesligist bessere Chancen hat, in der Relegation zu bestehen und in der Liga zu bleiben.

bundesliga.de: Was denken Sie denn, wie das Rennen um den Klassenerhalt ausgehen wird?

Augenthaler: Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, dass Hannover die Möglichkeit bekommen wird, über die Relegation in der Bundesliga zu bleiben. Und ich glaube, dass Nürnberg es schaffen wird.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz