Der Presseraum der BayArena erlebte einen Ansturm wie selten. Rund 130 Journalisten, 25 Fotografen und ein Dutzend TV-Teams waren gekommen, um bei der offiziellen Vorstellung von Neuzugang Michael Ballack dabei zu sein.

Umrahmt von der sportlichen Führung um Wolfgang Holzhäuser, Rudi Völler und Trainer Jupp Heynckes erschien der 33-Jährige gutgelaunt, den hochsommerlichen Temperaturen angepasst in kurzer Hose und legerem schwarzen T-Shirt.

"Weiche Faktoren" waren ausschlaggebend

Als "Transfer des Jahres" hatte Wolfgang Holzhäuser die Verpflichtung angekündigt. "Wäre es nach den rein monetären Gründen gegangen, hätten wir keine Chance gehabt, Michael Ballack zu verpflichten", meinte Bayer 04 Leverkusens Geschäftsführer. "Aber wir konnten ihn mit einigen 'weichen' Faktoren überzeugen."

Auch Rudi Völler war anfangs skeptisch, ob der spektakuläre Deal klappen könnte. Doch dann konnte sich der Sportchef aus dem "nicht vorhandenen Etat" der Bayer AG bedienen und zusätzlich auch gute sportliche Argumente anführen.

Zurück zu den Wurzeln

"Schließlich hat Michael Ballack seine Weltkarriere damals bei uns begonnen", sagt Völler. "Und unser persönliches Verhältnis ist ganz ausgezeichnet. Der Wechsel ist nicht nur für uns gut, sondern auch für Michael. Denn er kommt in eine funktionierende, spielerisch starke Mannschaft, zu einem starken Trainer und in ein tolles Stadion zu Fans, die ihn lieben."

All das überzeugte Michael Ballack schließlich, einen Zwei-Jahres-Vertrag in Leverkusen zu unterschreiben, wo er zwischen 1999 und 2002 bereits erfolgreich spielte, allerdings nie einen Titel gewann. "Noch vor ein paar Monaten hätte ich mir nicht vorstellen können, wieder hier zu spielen", meinte Ballack bei seiner Präsentation ehrlich.

Ballack sieht "Chance auf die Meisterschaft"

"Doch dann ging es ganz schnell. Beim Abschiedsspiel von Bernd Schneider kam der erste Kontakt zustande", so der ehemalige Chelsea-Spieler weiter. "Ich bin froh, wieder zurück zu sein. Sportliche Gründe waren ausschlaggebend. Die Mannschaft spielt einen offensiven Fußball, den der Trainer forciert und verfeinert. Letztes Jahr ist Bayer schon stark aufgetreten, das Potenzial ist da. Ich will hier den größtmöglichen Erfolg haben und sehe auch eine Chance auf die Deutsche Meisterschaft."

Erst steht für den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft jedoch die Reha auf dem Programm. In zwei bis drei Wochen will Ballack ins Mannschaftstraining einsteigen, um am 1. Spieltag am 21. August beim Gastspiel in Dortmund auf dem Platz zu stehen.

"Stellenwert der Bundesliga ist hoch"

Als sportlichen Rückschritt sieht der 98-malige Nationalspieler seinen Wechsel von der englischen Premier League in die Bundesliga nicht. "Der Stellenwert der Bundesliga ist absolut hoch", sagt Ballack. "Ich will weiterhin auf höchstem Niveau spielen und mich mit den Besten messen. Das kann ich in der Bundesliga. In der vergangenen Saison hat man am Abschneiden der Bayern in der Champions League und den deutschen Clubs in der Europa League gesehen, dass sich die Bundesliga nicht verstecken muss. Und die Nationalmannschaft, deren Spieler ja komplett in der Bundesliga spielen, kann international nicht nur mithalten, sondern eine dominierende Rolle spielen."

Souverän wirkt Michael Ballack, wie er da auf dem Podium sitzt. Er beantwortet alle Fragen verbindlich, lacht gerne und bezieht klar Stellung. Gerade in den vergangenen Wochen musste er viel einstecken. Nicht nur die schwere Verletzung in seinem letzten Spiel für Chelsea und dem daraus resultierenden Verzicht auf die WM in Südafrika.

Der "Capitano" will mit Lahm sprechen

Als er verletzt war und sich nicht sportlich auf dem Platz wehren konnte, musste er viel Kritik einstecken und sich schlaue Ratschläge anhören. Uli Hoeneß riet ihm zum Rücktritt aus der Nationalelf, Lothar Matthäus erklärte ihn für verzichtbar. Sein angeblich autoritärer Führungsstil wurde angeprangert und zu guter letzt muckte auch Philipp Lahm auf. Der erklärte, auch nach der WM Kapitän der deutschen Himmelsstürmer bleiben zu wollen.

All das hat Michael Ballack registriert und nun zum Konter angesetzt. "Mit Philipp muss ich das eine oder andere Wort sprechen", sagte der gebürtige Chemnitzer. "Ich bin immer noch Kapitän der Nationalmannschaft. Und wer Kapitän wird, entscheidet der Trainer. Die Nationalmannschaft ist kein Wunschkonzert."

Ballack nimmt Konkurrenzkampf an

Doch zunächst muss er wieder fit werden und sich "wie jeder andere auch dem Konkurrenzkampf im Verein stellen". Dann warten spannende Aufgaben in der Bundesliga, im Pokal und erstmals auch in der Europa League auf Michael Ballack.

Auf die freut er sich angeblich auch, spielen dort immerhin so attraktive Vereine wie Manchester City und der FC Liverpool, wie er anführt. Doch die Rückkehr in die Champions League mit Bayer 04 ist sein Ziel und dann in weiter Ferne auch die EM 2012. Dafür wird er alles geben. Und darauf kann sich die Bundesliga freuen.


Tobias Gonscherowski