München - Als letzter Bundesligist nahm Schalke 04 am vergangenen Wochenende den Trainingsbetrieb wieder auf. Der frühere Leverkusener Tranquillo Barnetta ist neben dem Ex-Gladbacher Roman Neustädter bislang die prominenteste Neuverpflichtung der "Königsblauen". bundesliga.de bat den 61-maligen Schweizer Nationalspieler zum Interview.

bundesliga.de: Herr Barnetta, warum haben Sie sich nach sieben Jahren in Leverkusen für Schalke entschieden?

Tranquillo Barnetta: Ich war in der vergangenen Saison lange verletzt und habe mir in dieser Zeit meine Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll. Dann kam das Angebot. Es war ja bekannt, dass ich ablösefrei bin. Mich hat es gereizt, in der kommenden Saison bei einem Topverein in der Champions League zu spielen. Die Chance musste ich beim Schopf packen.

bundesliga.de: Mit welchen Gefühlen haben Sie Ihr Zelte in Leverkusen abgebrochen?

Barnetta: Ich hatte eine Superzeit dort und habe Leverkusen sicherlich mit etwas Wehmut verlassen, freue mich jetzt aber auch riesig auf die neue Aufgabe bei Schalke. Der Verein hat eine einzigartige Fankultur, das gefällt mir sehr.

bundesliga.de: Bei Schalke erwartet Sie gerade im Mittelfeld ein harter Konkurrenzkampf. Was rechnen Sie sich aus?

Barnetta: In jedem großen Verein herrscht große Konkurrenz. Ich bin bereit und werde den Kampf annehmen. So können wir uns gegenseitig zu Höchstleistungen pushen. Außerdem spielen wir in der Champions League und brauchen dafür einen großen Kader.

bundesliga.de: Wie fit sind Sie nach Ihrer langen Verletzung in der vergangenen Saison?

Barnetta: Ich konnte bislang alle Einheiten mitmachen. Ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Aber das ist nach der langen Verletzung auch völlig normal. Ich werde jetzt die Vorbereitungszeit nutzen und denke, dass ich bis zum Saisonstart topfit bin.

bundesliga.de: Wie sind Ihre ersten Eindrücke auf Schalke?

Barnetta: Ich habe einen sehr positiven ersten Eindruck gewonnen. Hier sind die Wege kurz. Es waren schon sehr viele Fans beim Training.

bundesliga.de: Ihr Trainer Huub Stevens ist bekannt für seine direkte Ansprache. Müssen Sie sich da sehr umstellen?

Barnetta: Man muss sich bei jedem Trainer etwas umstellen. Ich weiß, dass Huub Stevens sehr viel verlangt. Aber er macht im Training auch zwischendurch immer wieder ein Späßchen. Es wird auch viel gelacht, ohne dass dadurch weniger konzentriert gearbeitet würde.

bundesliga.de: Auf welcher Position plant der Coach mit Ihnen?

Barnetta: Ich bin für die Außenbahnen eingeplant. Der Trainer legt aber auch großen Wert darauf, dass die Spieler vielseitig einsetzbar sind. Das bin ich.

bundesliga.de: Was haben Sie sich persönlich auf Schalke vorgenommen?

Barnetta: Erst einmal will ich eine gute Vorbereitung absolvieren, beschwerdefrei bleiben und dem Trainerstab zeigen, dass ich in die Mannschaft gehöre. Mit Schalke will ich im nächsten Jahr natürlich erneut in den Europapokal einziehen. Das ist unser großes Ziel.

bundesliga.de: Hat Sie nach so vielen Jahren in der Bundesliga nicht auch ein Wechsel ins Ausland gereizt?

Barnetta: Nicht unbedingt. Ich hatte auch einige Anfragen aus dem Ausland, aus England, Spanien und Italien. Aber mir kam es nicht so sehr darauf an, die Bundesliga zu verlassen. Darüber hätte ich nur bei einem richtig guten Angebot nachgedacht. Aber nach meiner langen Verletzung war es normal, dass die absoluten Topclubs aus dem Ausland nicht dabei waren. Außerdem ist Schalke ein großer Verein und die Bundesliga eine sehr gute Liga. Die Bundesliga ist im internationalen Vergleich ganz weit vorne anzusiedeln, das zeigen auch die Ergebnisse der Vereine in der Champions und Europa League.

bundesliga.de: Die Schweiz hat bei der EM leider gefehlt und hat nun mit den Gegnern Island, Norwegen, Slowenien, Albanien und Zypern eine auf dem Papier einfache WM-Qualifikationsgruppe erwischt. Da ist die Qualifikation Pflicht, oder?

Barnetta: Die Journalisten betonen immer, dass in unserer Gruppe ein Topteam fehlt. Trotzdem ist es eine schwere Gruppe, die wir erst einmal überstehen müssen. Norwegen dürfte unser härtester Konkurrent sein. Aber wir haben das große Ziel vor Augen und wollen bei der WM 2014 in Brasilien unbedingt dabei sein.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski