München - Holger Badstuber hat ein traumhaftes Jahr beim FC Bayern hinter sich. "Double"-Gewinner, Champions-League-Finalist und WM-Teilnehmer darf sich der 21-Jährige nennen - und das nach seiner ersten Saison als Profi. Während es für seinen FC Bayern in der aktuellen Saison noch nicht ganz rund läuft, schreibt der Innenverteidiger seine persönliche Erfolgsgeschichte weiter:

In den bisherigen Saisonspielen verpasste der gebürtige Memminger keine Minute. Trainer Louis van Gaal setzt vorbehaltlos auf den Youngster, während etablierte Stars wie Martin Demichelis nur auf der Bank sitzen. bundesliga.de traf den Abwehrspieler bei einem Sponsorentermin von EA SPORTS. Im Interview spricht Badstuber über die veränderte Rolle des Innenverteidigers im modernen Fußball, ein Angebot von 1899 Hoffenheim und Vergleiche mit John Terry.

bundesliga.de: Herr Badstuber, Sie sind mit dem FC Bayern alles andere als wunschgemäß in die Saison gestartet. In der Bundesliga sind es bereits zehn Punkte Rückstand auf den 1. Platz. Wie bewerten Sie den Start?

Holger Badstuber: Holprig, das muss man klar sagen. In der Bundesliga sind wir nicht in Tritt gekommen, in der Champions League läuft es hingegen gut. Wir müssen jetzt zusehen, dass wir auch in der Liga schnellstmöglich Punkte sammeln.

bundesliga.de: Die nächste Chance dazu haben Sie am 7. Spieltag gegen den beeindruckend aufspielenden BVB an. Was erwarten Sie?

Badstuber: Die Dortmunder sind vorne dran. Wir als FC Bayern fahren dort aber mit dem Anspruch hin, zu gewinnen und ihnen die Punkte zu klauen. Nach dem Sieg in Basel bin ich positiv gestimmt, dass das klappt, denn wir haben nach Rückstand Moral bewiesen und das Spiel gedreht.

bundesliga.de: Eine spielerische Offenbarung war aber auch die Partie in Basel nicht. Es ist zu beobachten, dass dem Team Leichtigkeit und Esprit der Vorsaison abgehen. Woran liegt es?

Badstuber: Derzeit kommt vieles zusammen. Wir geraten häufig in Rückstand, kassieren dumme Gegentore, die das Resultat individueller Fehlerketten sind. An einzelnen Mannschaftsteilen kann man das nicht festmachen, es liegt am gesamten Team. Wir müssen zusammen zurück in die Spur finden, dann kommt die Lockerheit von selbst.

bundesliga.de: Zuletzt kassierte Ihr Team eine Heimpleite gegen Spitzenreiter Mainz. Die Dortmunder liegen knapp dahinter auf dem 2. Platz. Sehen Sie das Team von Jürgen Klopp langfristig als gefährlicheren Konkurrenten als Mainz 05?

Badstuber: Um ehrlich zu sein, klar! Dortmund ist stärker anzusiedeln als Mainz. Letztlich ist das für mich aber nicht interessant. Wir als FC Bayern haben das Potenzial, jeden zu schlagen, doch gerade in so einer Phase geht das nur als Mannschaft, über Kampf und Ordnung.

bundesliga.de: Sie persönlich haben in der Vorsaison ein fulminantes erstes Profijahr gespielt. Es war zu lesen, dass das beinahe bei einem anderen Club passiert wäre. Ralf Rangnick hatte während seiner Zeit in Hoffenheim ein Auge auf Sie geworfen.

Badstuber: Das war zu Amateurzeiten, ich habe von dem Interesse erfahren. Bei den Bayern ist es am schwierigsten, sich durchzusetzen, deshalb beschäftigt man sich im Amateurbereich natürlich mit anderen Bundesligisten. Für mich war es aber immer der Traum, hier den Durchbruch zu schaffen. Dann kam der Trainerwechsel. Als Louis van Gaal übernommen hat, wurden die Karten neu gemischt - da habe ich meine Chance gewittert und genutzt.

bundesliga.de: Louis van Gaal macht in der Öffentlichkeit immer einen sehr autoritären Eindruck. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum Trainer beschreiben, ist da manchmal auch ein bisschen Angst im Spiel?

Badstuber: Nein, wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Anfangs wusste keiner der Spieler genau, wie er tickt. Inzwischen kennen wir uns gut. Nach einem Jahr kann der eine den anderen einschätzen. Ich weiß, wie er arbeitet, wie er seine Philosophie vom Fußball versteht und bemühe mich, diese umzusetzen.

Badstuber: Seit der WM ist die Entwicklung zu erkennen, dass Innenverteidiger vermehrt als Spielmacher gefordert sind. Das gegnerische Team stellt bewusst Anspielstationen zu, um die Verteidiger herauszulocken und zu Fehlpässen zu zwingen. Kommt Ihnen diese Entwicklung entgegen?

Badstuber: Es kommt tatsächlich immer mehr, dass Innenverteidiger zu einer Art Spielgestalter werden, dass sie das Spiel aufziehen und lenken wie früher der "Zehner" oder der "Sechser". Ich denke, dass mir das liegt, dass ich mich aber auch noch verbessern kann. Wenn ich den Raum bekomme, versuche ich, ihn auszunutzen und das Spiel an mich zu reißen.

bundesliga.de: Hilft ihnen dabei, dass Sie in der Jugend im defensiven Mittelfeld ausgebildet wurden?

Badstuber: In meiner Entwicklung hat das eine sehr wichtige Rolle gespielt. Man steht dort im Mittelpunkt, muss in die Zweikämpfe und benötigt eine gute Orientierung. Das hat mich geprägt und zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin.

bundesliga.de: Sie haben einmal gesagt, dass Spieler wie John Terry vom FC Chelsea oder Barcas Gerard Pique Ihre Vorbilder sind. Was fehlt Ihnen noch im Vergleich zu diesen Stars.

Badstuber: Das sind große Spieler, aber nicht speziell meine Vorbilder. Ich will meine eigene Identität entwickeln. Diese Spieler haben viele Titel gesammelt und große Spiele gezeigt. Ich schaue mir dann die Stärken der einzelnen ab und mische mir mein Ideal zusammen.

bundesliga.de: Bei John Terry wären das die Physis, die Stabilität, der Spielaufbau...

Badstuber: Bei der WM in der Partie gegen uns konnte ich ihn beobachten, auch wenn England da nicht so stark war. Es ist immer interessant solche Spieler live zu sehen. Gegen Chelsea habe ich bislang noch nie gespielt, aber ich hoffe, dass das bald passiert.

Das Gespräch führte Andreas Messmer