München - Die SpVgg Greuther Fürth ist nach dem Sieg beim Auswärtsspiel in Mainz endgültig in der Bundesliga angekommen. Mike Büskens erklärt im Interview mit bundesliga.de, wie er die ersten drei Wochen als Bundesligatrainer des "Kleeblatts" erlebt hat und spricht über das emotionale Duell mit seinem Ex-Club Schalke 04. Und er sagt: "Wir haben die Chance, jeden Gegner zu schlagen - wenn wir agieren und nicht reagieren."

bundesliga.de: Herr Büskens, nach dem ersten Bundesligasieg in der Vereinsgeschichte hat die SpVgg Greuther Fürth Historisches geleistet. Wie bewerten Sie mit etwas Abstand den Erfolg in Mainz?

Mike Büskens: Gerade bei unserem Anfangsprogramm in der Bundesliga war es wichtig, dass wir uns frühzeitig die ersten Punkte sichern, um in der Bundesliga anzukommen. Es war nicht nur von historischer Bedeutung, sondern auch für die aktuelle Situation wichtig.

bundesliga.de: Das Pokal-Aus bei den Offenbacher Kickers, die Heimniederlage gegen den FC Bayern München und zuletzt der Sieg beim 1. FSV Mainz 05. In den drei ersten Wochen als Bundesligist ist in Fürth einiges losgewesen.

Büskens: In Offenbach sind wir auf eine Mannschaft getroffen, die für ihre Pokalhistorie bekannt ist und die einfach zu dem Zeitpunkt bereits fünf Pflichtspiele mehr absolviert hatte als wir. Ich muss sagen, dass wir das Spiel verdient verloren haben.

bundesliga.de: Und gegen die Bayern?

Büskens: Da haben wir uns sehr kompakt gezeigt, was uns gegen Offenbach nicht gelungen ist. Als Team haben wir sehr gut gegen den Ball gearbeitet und den Bayern in der ersten Halbzeit keine Chance aus dem Spiel heraus geboten. Nur nach dem Standard waren sie dann handlungsschneller als wir.

bundesliga.de: Was hat sich für die Mannschaft im Gegensatz zur 2. Bundesliga geändert?

Büskens: Wir sind nicht mehr in der Situation, dass wir als Favorit in die Spiele gehen. Wir sind jetzt der Underdog. Für uns war es deshalb wichtig zu sehen, dass wir, wenn wir viel investieren, auch für unsere leidenschaftliche Spielweise belohnt werden.

bundesliga.de: Was sind für Sie als gelerntem Koch die wichtigsten Zutaten für den Klassenerhalt?

Büskens: Das Menü wird uns erst am 34. Spieltag serviert und dann werden wir sehen, ob es versalzen oder schmackhaft ist. Es geht für uns darum, dass wir unseren Weg fortsetzen und nicht in Hektik verfallen. Wir müssen unseren Platz in der Bundesliga erst noch finden. Dafür werden wir alles reinschmeißen, was wir haben. Dabei müssen wir aber auch mit Rückschlägen klar kommen. Wir sind eine kompakte Einheit, die sich über eine absolute Leistungsbereitschaft definieren muss. Im Laufe der Spielzeit werden wir uns weiterentwickeln. Dazu brauchen wir die Überzeugung, dass wir die Chance haben, jeden Gegner zu schlagen - wenn wir agieren und nicht reagieren.

bundesliga.de: Reagieren ist ein gutes Stichwort. Sie bringen viel Emotionalität an die Seitenlinien der Bundesliga. Ewald Lienen hat einmal gesagt: "Wenn ich am Spielfeldrand einpenne, gehe ich besser nach Hause." Einen Satz, den Sie so unterschreiben würden?

Büskens: Ja. Ich lebe dieses Spiel und bin dann auch definitiv emotional. Man wird es selten erleben, dass ich ein Spiel mit stoischer Ruhe verfolgen werde.

bundesliga.de: Was genau geht in Ihnen vor, wenn Sie sehen, dass der 19-Jährige Felix Klaus beim Tor in Mainz alles in die Waagschale wirft und den ersten Bundesligatreffer der Vereinshistorie erzielt?

Büskens: Man liebt dieses Spiel nicht nur wegen solcher Momente. Fußball ist immer Leidenschaft und das ist genau das, was wir im Trainerstab immer von unseren Spielern verlangen. Wenn ein Spieler diese Leidenschaft in sich trägt, wird er mit dem Trainer Mike Büskens nie ein Problem haben.

bundesliga.de: Viel Emotion und Leidenschaft wird auch im nächsten Heimspiel gegen ihre "alte Liebe" Schalke 04 drin sein...

Büskens: Es ist für Gerald Asamoah, Edu und mich eine Reise in die Vergangenheit. Ich verbinde mit dem FC Schalke 04 18 wunderschöne Jahre, deswegen freue ich mich darauf, Huub Stevens und den Betreuer- und Trainerstab zu treffen. Es gibt viele Berührungspunkte mit diesen Menschen und deshalb gehe ich diese Aufgabe entspannt an. Aber eins ist auch klar, wir möchten dieses Spiel unbedingt gewinnen und vielleicht ist es gerade deshalb so besonders, weil mir die "Königsblauen" so am Herzen liegen.

Das Gespräch führte Steffen Hoss