Wenn am Sonntag die australische Nationalmannschaft in ihrem WM-Eröffnungsspiel gegen Deutschland antritt, ist das für alle Spieler der "Socceroos" etwas Besonderes. Doch ein Spieler freut sich besonders darauf, ist es doch für ihn ein Wiedersehen mit den Stars der Bundesliga.

Dario Vidosic ist der einzige Kicker beim Team von "Down Under", der sein Geld im deutschen Profifußball verdient. Der Angreifer vom 1. FC Nürnberg, der in der Rückrunde der abgelaufenen Spielzeit an dem MSV Duisburg ausgeliehen wurde, freut sich unheimlich auf das Duell gegen "Germany".

Im Interview mit bundesliga.de verrät Vidosic, welchen Stellenwert das Spiel gegen die DFB-Elf für ihn hat. Er sagt, worin die Stärken der Australier liegen, spricht über die Begeisterung in der Heimat für die WM in Südafrika und hofft, dass sein Team noch besser abschneiden wird als vor vier Jahren in Deutschland.

bundesliga.de: Herr Vidosic, die WM 2010 hat begonnen. Am Sonntag greift Australien ins Turnier ein. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Dario Vidosic: Die Vorfreude ist riesig. Es gibt nichts Größeres für einen Fußballer, als auf dieser Bühne zu spielen. Die Weltmeisterschaft ist sogar größer als Olympia, bedenkt man, dass die ganze Welt anhält und zuschaut. Überall wird es eine riesige Party werden - vor allem in Australien. Bei der Weltmeisterschaft vor vier Jahren waren die Spiele immer ganz früh morgens in Australien zu sehen. Dieses Jahr ist der Zeitunterschied nicht so dramatisch. Da wird es ein noch größeres Fest in meiner Heimat. Ich freue mich darauf.

bundesliga.de: Was zeichnete die australische Mannschaft während der WM-Qualifikation aus?

Vidosic: Wir haben nicht viele Gegentore zugelassen. Wir sind zudem ziemlich unproblematisch durch die Qualifikation gekommen. Man muss immer bedenken, dass wir Australier unheimlich weite Anfahrtsstrecken haben. Wir müssen viel reisen, um von einem Ort zum anderen zukommen. Daher haben wir oft nicht viel Vorbereitungszeit gehabt. Trotzdem verstehen wir uns sehr gut. Wir sind wie eine große Familie.

bundesliga.de: Worin sehen Sie die Stärken Ihrer Mannschaft für die WM?

Vidosic: Wir wollen den Leuten attraktiven Fußball zeigen. Wir wollen den Ball möglichst viel am Fuß laufen lassen. Die meisten unserer Nationalspieler sind in den Top-Ligen Europas zuhause. Dort spielt man guten Fußball und das wollen wir auch tun. Wir sind zudem eine körperlich sehr robuste Truppe, wir laufen viel und sind sehr athletisch.

bundesliga.de: Am Sonntag geht es für die "Socceroos" gleich zum Auftakt gegen Deutschland. Was erwarten Sie von diesem Duell?

Vidosic: Etwas Besseres als ein Spiel gegen Deutschland hätte es für mich persönlich gar nicht geben können. Dann ist es auch noch unser erstes Spiel bei dieser Weltmeisterschaft. Mehr geht wirklich nicht! Ich bin jetzt seit drei Jahren in Deutschland. Ich verstehe den deutschen Fußball mittlerweile sehr gut und kenne die Stärken der Deutschen. Ich verstehe, was jeder auf dem Feld sagt. Wer weiß, vielleicht fragen mich unsere Trainer einiges über den einen oder anderen deutschen Spieler. Schließlich habe ich sie oft genug spielen sehen oder habe selbst gegen sie gespielt. Es wäre wirklich toll, wenn ich in diesem Spiel meine Chance bekommen würde.

bundesliga.de: Vor vier Jahren scheiterte Australien unglücklich im Achtelfinale. Was kann Ihre Mannschaft dieses Mal erreichen?

Vidosic: Ich denke, alle in der Mannschaft würden gern besser abschneiden wollen als vor vier Jahren. Wir werden natürlich Spiel für Spiel nehmen und schauen, dass wir uns konstant steigern. Erstmal haben wir Deutschland vor der Brust. Das ist schwer genug. Danach werden wir weitersehen.

bundesliga.de: Mehr als 80 Spieler aus aller Welt vertreten die Bundesliga und die 2. Bundesliga in Südafrika. Sie sind der einzige Australier. Ist diese Vielfalt an internationalen Stars und die Menge der internationalen Top-Spieler ein Zeichen für die Stärke der deutschen Ligen?

Vidosic: Das ist wirklich ein Zeichen dafür, wie stark die Bundesliga und die 2. Bundesliga sind. Auch wenn man mal von der Weltmeisterschaft wegschaut und dennoch international denkt, sieht man, wie stark die Deutschen sind. Hamburg stand im Halbfinale der Europa League und schied dort leider aus. Der FC Bayern erreichte das Champions-League-Finale. In beiden Teams sind viele deutsche Top-Spieler, aber auch viele internationale Leistungsträger. Die deutschen Ligen sind wirklich sehr stark.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz