Schalke 04 ist das erste Team, das nach dem Tod von Robert Enke gegen Hannover 96 antreten muss. Cheftrainer Felix Magath hat seine Mannschaft auf die Situation vorbereitet.

Er wünscht sich Respekt von Spielern und Fans, möchte aber am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) ein normales Bundesligaspiel sehen, wie er im Interview mit schalke04.de erklärte.

Frage: Herr Magath, wie schwer ist die Vorbereitung auf dieses besondere Bundesligaspiel?

Felix Magath: Natürlich ist es nicht nur für Hannover schwierig, sondern auch für uns. Wir sind der erste Gegner der Mannschaft seit dem Tod ihres Torwarts Robert Enke. Aber ich bin ein Freund davon, möglichst schnell wieder zur Normalität zurück zu kehren. In meiner Zeit als aktiver Fußballer hatte ich einen Mitspieler, der seine Tochter verlor und auch nach zwei Tagen wieder beim Training war. Auch als Grafite vom VfL Wolfsburg seinen Vater verloren hat, ist er nach der Beerdigung sofort wieder erfolgreich in den Betrieb eingestiegen. Ich denke, das ist der beste Weg.

Frage: Sind im Vorfeld Spieler an Sie herangetreten, die sich am Samstag mit ihren Emotionen lieber etwas zurückhalten wollen?

Magath: Das bleibt soweit den Spielern überlassen. Kevin Kuranyi hat ja schon gesagt, dass er sich mit dem Jubel zurückhalten möchte, falls er ein Tor erzielt. Außerdem gibt es ohnehin einige Spieler, die wenig jubeln. Aber auch da halte ich es für das Beste, zur Normalität zurückzukehren. Die Spieler sollen an ihre Leistungsgrenzen kommen und mit Engagement bei der Sache sein. Ich denke, das hilft auch Hannover 96 bei der Verarbeitung der tragischen Ereignisse. Emotionen lassen sich sowieso nicht verbieten. Trotzdem bleibt es natürlich eine Gratwanderung. Niemand sollte übertreiben.

Frage: Haben Sie sich mit den Verantwortlichen von Hannover 96 über das Vorgehen am Samstag abgesprochen?

Magath: Seit letzter Woche sind wir ständig miteinander in Kontakt. Die Manager haben sich besprochen, und auch die Presseabteilungen haben sich ausgetauscht. Wir sind übereingekommen, diesen Aspekt zu bedenken, aber dabei so weit wie möglich wieder zum normalen Spielbetrieb zu finden. Auch für unseren Schalker Kreisel haben wir uns an diese Vorgehensweise gehalten. Der Titel zeigt ein neutrales Bild mit einem Fußball, aber im Innenteil wird der Tod von Robert Enke natürlich thematisiert.

Frage: Was erwarten Sie von den Fans, die die Begegnung in der VELTINS-Arena mitverfolgen? Appellieren Sie an die Anhänger der Königsblauen, beispielsweise auf Schmähgesänge zu verzichten?

Magath: Ich bin grundsätzlich niemand, der Schmähgesänge mag. Selbst dann nicht, wenn es gegen unsere Freunde aus der anderen Revierstadt geht. Aber ich erwarte natürlich, dass wir wie immer von unseren Fans unterstützt werden - auch wenn sie dem Gegner gegenüber etwas leiser auftreten sollten als üblich. Ich hoffe auf normale Bundesliga-Atmosphäre. Die Fans sollen uns beim Siegen helfen.

Frage: In den vergangenen Tagen wurde viel diskutiert über den Umgang mit Depressionen in der Liga. Glauben Sie, dass der tragische Tod von Robert Enke da Änderungen bewirkt?

Magath: Aus meiner Sicht kann man aus diesem furchtbaren Ereignis nur mitnehmen, dass man offener mit sich selbst umgeht und sich selbst nichts vormacht. Man muss das Geschäft akzeptieren wie es ist. In solchen Situationen ist es üblich, alle möglichen Rezepte zu diskutieren. Ich glaube aber nicht, dass das große Auswirkungen hat. Außer, man geht offener mit sich selbst um.

Frage: Haben Sie Ihren Spielern angeboten, sich mit Problemen an Sie zu wenden?

Magath: Das habe ich schon immer so gehalten. Wenn ein Spieler in einer Situation ist, mit der er nicht klarkommt, kann er immer zu mir kommen. Dieses Angebot habe ich auch zu Beginn meiner Tätigkeit bei Schalke 04 gemacht. Das ist für mich als Trainer selbstverständlich.