München - Der Weitschusstreffer von Toni Kroos zum 4:1 in der 80. Minute war zwar nicht der Abschluss, aber wohl der Höhepunkt eines insgesamt gelungenen Abends für den FC Bayern. Mit 4:2 (1:0) siegte der deutsche Rekordmeister zum Auftakt des 10. Spieltags gegen den SC Freiburg, und Kroos konnte sich über sein erstes Saisontor im Trikot des FCB freuen.

Im Interview nach Spielschluss spricht der 20 Jahre alte Nationalspieler über den wichtigen "Dreier" gegen Freiburg, analysiert die Gründe, warum im Spiel der Bayern noch nicht alles wie gewünscht funktioniert, und verrät, warum es erst am 10. Spieltag mit dem Torerfolg geklappt hat.

Frage: Herr Kroos, was war der Schlüssel zum Sieg gegen Freiburg?

Kroos: Ganz einfach: dass wir die Tore gemacht haben. Wir haben in der ersten Halbzeit nur schwer in die Partie gefunden. Wir haben zu viel quer gespielt und zu wenig in die Tiefe. Dann kann natürlich eine Mannschaft wie Freiburg auch verteidigen. Wichtig war, dass wir durch Standards 2:0 in Führung gegangen sind. Danach war es dann fußballerisch klasse.

Frage: Der FC Bayern hat zehn Spieltage gebraucht, um in der Tabelle vor dem SC Freiburg zu stehen. Kehrt jetzt wieder Normalität ein?

Kroos: Es ist wichtig, dass wir jetzt dran bleiben, uns nicht mit unserer kleinen Serie zufrieden geben, sondern in der Tabelle Stück für Stück in die Region rücken, in die wir wollen. Da sind die Siege am wichtigsten. Über die Siege kommt dann auch wieder das Selbstvertrauen und damit verbunden ein besseres Spiel.

Frage: Warum klappte gegen Freiburg, was in den vergangenen Spielen nicht so gut geklappt hat?

Kroos: Wir haben seit dem Hannover-Spiel nicht mehr verloren. Davor hat uns oft das Glück gefehlt. Wir waren nie die schlechtere Mannschaft, sondern teilweise hat uns vor dem Tor das Pech verfolgt. Und jetzt ist das Glück ein bisschen da. Wir haben heute gegen Freiburg nicht wirklich gut gespielt, vor allem in der ersten Halbzeit, machen dann aber die ersten zwei Tore durch Standards. Das war wichtig, um Sicherheit zu bekommen für den Rest des Spiels.

Frage: Nach dem Freiburger Anschlusstreffer schwamm die Abwehr teilweise. Hatten Sie das Gefühl: Oh, Gott, das geht schon wieder nach hinten los?

Kroos: Es stimmt, Freiburg hatte nach dem 2:1 noch eine gute Chance durch Abdessadki. Das darf uns in einem Heimspiel gegen Freiburg, in dem wir schon 2:0 führen, nicht passieren. Aber ich denke, wir hatten vor allem in der zweiten Halbzeit sehr viele Möglichkeiten, noch mehr Tore zu machen.

Frage: Sie haben Ihr erstes Saisontor erzielt. Wie gut tut das?

Kroos: Naja, es wurde langsam Zeit. Der Abschluss ist eine meiner Qualitäten, das habe ich nachgewiesen. Heute hatte ich das Glück, dass der Schuss genau reingepasst hat.

Frage: Ist jetzt der Knoten geplatzt?

Kroos: Das werden wir in nächster Zeit sehen (lacht). Natürlich ist es schön, und ich freue mich, dass das Tor gefallen ist. Ich hatte bislang fast in jedem Spiel meine Möglichkeiten, beim Abschluss hatte ich dann aber auch Pech oder ab und zu die falsche Wahl getroffen. Aber ich habe nie daran gezweifelt, dass ich ein Tor erzielen werde.

Frage: Die vom Vorstand ausgerufene Aufholjagd wurde nun gestartet. Was fehlt noch, damit es künftig nicht so holprig wird wie stellenweise gegen Freiburg?

Kroos: Einerseits können wir noch mutiger spielen, also eher in die Tiefe statt in die Breite, und außerdem einen Tick schneller, um mehr Unruhe beim Gegner zu stiften. Auf der anderen Seite fehlt noch ein wenig das Selbstvertrauen, was man sich durch Siege wie gegen Freiburg natürlich holt..

Frage: Am Mitttwoch steht die Champions-League-Partie in Cluj an. Ein Punkt reicht schon, um die K.o.-Phase zu erreichen. Ist das eine gefährliche Situation?

Kroos: Nein, für uns nicht. Denn wir gehen nicht davon aus, dass wir dort nur einen Punkt holen, sondern wir fahren dorthin, um zu gewinnen und den Einzug in die nächste Runde fix zu machen.

Aus der Allianz Arena berichtet Denis Huber