Sieben Monate nach seinem schweren Kart-Unfall und einer langwierigen Reha ist Freiburgs Innenverteidiger Ömer Toprak ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Im Interview spricht der 20-Jährige über den langen Weg zurück, Glücksgefühle und wichtige Menschen.

Frage: Herr Toprak, das Spiel gegen Elche war für den SC ein normales Testspiel, für Sie aber eine ganz besondere Partie?

Ömer Toprak: Kann man so sagen. Es war natürlich ein gutes Gefühl, nach einer solch langen Pause wieder zu spielen und ich habe mich darauf gefreut. Das Spiel war vor allem wichtig für den Kopf. Ich wollte sehen, wie mein Fuß das mitmacht.

Frage: Waren Sie aufgeregt?

Toprak: Aufgeregt ist das falsche Wort. Ich war eher gespannt, wie ich auf die Belastung reagiere, denn ein Spiel ist immer noch etwas anderes als Training. Während der Partie habe ich dann relativ bald gemerkt, dass mir der Fuß keine Probleme bereiten würde.

Frage: Außenstehenden wäre kaum aufgefallen, dass da einer auf dem Platz steht, der vor sieben Monaten einen sehr schlimmen Unfall hatte.

Toprak: Das ist natürlich schön, wenn das von außen so ausgesehen hat, aber ich habe schon gemerkt, dass ich noch nicht auf dem Level bin wie vor dem Unfall.

Frage: Aber das Wissen um die Abläufe eines Spiel ist schon noch da?

Toprak: Das ist da. Stellungsspiel, Dynamik, Zweikampfverhalten, das Auge für die Situation, all diese Sachen werden aber natürlich mit jedem Spiel und mit jedem Training präsenter.

Frage: Wann war der Zeitpunkt, an dem für Sie klar war, dass Sie wieder ins Mannschaftstraining einsteigen?

Toprak: Als die Schmerzen mehr und mehr nachließen. Die waren ja während der Reha und auch in der Zeit, als ich einzeln trainiert habe, immer noch da. Aber so in der Zeit, als der SC gegen Köln gespielt hat, merkte ich, dass es richtig gut wird. Spätestens da war ich sicher, dass ich bald wieder richtig loslegen kann.

Frage: War es schwieriger psychisch oder physisch wieder topfit zu werden?

Toprak: Na ja, das Schwierigste war auf eine Art die Ungewissheit. Bei einem Kreuzbandriss weisst du: Okay, jetzt bist du so und so lange außer Gefecht, danach kannst du wieder anfangen zu trainieren. Bei meiner Verletzung war es halt eher ungewiss, wie der Heilungsprozess verläuft und wie sich das auf das Fußballspielen auswirkt. Sich in der Reha zu quälen und kein absehbares Zeitfenster zu haben, ist nicht einfach. Ich war im Krankenhaus, ich war ans Bett gefesselt, ich war im Rollstuhl, da war jede kleine Verbesserung meiner Situation für mich toll. Als ich aus dem Krankenhaus raus bin, habe ich mich schon richtig gefreut und als ich dann gemerkt habe, dass es in der Reha eigentlich immer nur vorwärts ging, war das ein richtig gutes Gefühl.

Frage: Die Reha fand größtenteils in der Uniklinik statt?

Toprak: Ja, ich war täglich dort und habe mit den Leuten gearbeitet.

Frage: Eine solche Reha stellt man sich nicht gerade einfach vor ...

Toprak: Schon klar, aber das war für mich kein Thema, das durchzuziehen. Ich bin da morgens erschienen, anfangs von acht Uhr morgens bis um eins. Ich hatte Massage, Krankengymnastik, Krafttraining, Koordinationsübungen, das volle Programm halt. Und am Wochenende habe ich mit unseren Leuten im Verein, dem Uwe und dem Markus gearbeitet.

Frage: Die Physiotherapeuten des SC, Uwe Vetter und Markus Behrens?

Toprak: Genau, denen habe ich ganz viel zu verdanken. Nicht nur, dass sie viel mit mir gearbeitet haben, die beiden haben mir immer positive Signale gegeben und mich wirklich phantastisch unterstützt.

Frage: Es gab in der Reha und danach nie eine Krise, die Sie zurückgeworfen hat?

Toprak: Nein, die gab es wirklich nie, Gott sei Dank!

Frage: Ihre eigene Motivation war ziemlich groß? Musste man Sie nie antreiben?

Toprak: Nein, denn ich liebe den Fußballsport und ich wollte unbedingt wieder spielen. Dazu kam, dass meine Familie und meine Freunde mich wahnsinnig toll unterstützt haben und auch immer überzeugt davon waren, dass ich das schaffe. Wenn alle hinter dir stehen und dir sagen: Du kommst zurück, so etwas gibt einem natürlich Kraft, da hängt man sich noch mehr rein.

Frage: Wie hat Sie die Mannschaft unterstützt?

Toprak: Die Jungs haben immer gefragt, wie es mir geht, haben sich gefreut als ich wieder da war. Sie haben mir immer das Gefühl gegeben, dass ich natürlich noch voll und ganz ein Teil des Teams bin, auch wenn ich gerade nicht spiele.