Nach fünf sieglosen Spielen hat Bayer Leverkusen mit dem 2:0-Erfolg in Köln wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden.

Mit dem Tor gegen seinen Ex-Club hat Patrick Helmes den Derbysieg besiegelt. Im Gespräch mit bundesliga.de lässt der Stürmer seine Rückkehr nach Köln Revue passieren.

bundesliga.de: Glückwunsch Patrick Helmes, zum 2:0-Sieg in Köln. Wie haben Sie Ihre Rückkehr nach Köln erlebt, wo sie bis zum Sommer 2008 einige Jahre gespielt hatten?

Patrick Helmes: Ich wusste, dass ich nicht mit offenen Armen empfangen werde. Die Pfiffe sind ja auch vollkommen normal. Ich bin sie aus der Vorsaison leider schon gewohnt. Ich bin ganz gut damit klar gekommen. Wir haben die drei Punkte geholt. Das ist wichtiger als die Frage, ob ich ausgepfiffen wurde. Ich nehme es dem Publikum nicht übel. Das ist halt so, wenn ein Spieler zum Erzrivalen wechselt. Damit kann ich ganz gut umgeben. Ansonsten waren meine Freundin und Familie da, Bekannte und Freunde. Ich habe auch noch ein paar Freunde in der Kölner Mannschaft. Für mich war es ein tolles Erlebnis, zum ersten Mal gegen meinen alten Verein zu spielen. Es war ein schöner Tag für mich.

bundesliga.de: Wie gut hat Bayer die 14-tägige Punktspielpause vor dem Derby getan?

Helmes: Die Pause hat uns gut getan. Man hat gemerkt, dass wir wieder recht frisch waren. Wir haben ganz ordentlich gespielt, konnten zwar nicht ganz so viel Druck erzeugen, weil die Kölner quasi mit einer Zehner-Kette vor Mondragon kompakt hinten drin standen. Aber letztendlich haben wir völlig verdient gewonnen. Für uns war es extrem wichtig, dass wir das Spiel gewonnen haben.

bundesliga.de: Vor dem vorentscheidenden Elfmeter, den Sie zum 2:0 verwandelten, gab es ein ziemliches Gerangel im Strafraum. Es dauerte, bis Sie zur Ausführung antreten konnten. Wie bleibt man da ruhig?

Helmes: Das macht mir nichts aus. Von mir aus hätte ich noch fünf Minuten da stehen können. Ich habe gar nicht darauf geachtet, was da los war. Ich habe darauf gewartet, dass der Schiri den Ball freigibt. Dann konnte ich anlaufen.

bundesliga.de: Warum haben Sie geschossen? Haben Sie die Pfiffe vor dem Elfmeter wahrgenommen?

Helmes: Klar, ich kann ja mein Gehör nicht auf die Seite legen. Natürlich habe ich das gehört. Aber ich bin der Schütze, der bei uns die Elfmeter schießt, egal gegen welchen Gegner. Das lässt mich kalt. Ich hatte auch keinen erhöhten Puls. Ich war mir sicher, dass ich den Ball reinschieße. Ich hätte auch kneifen können und sagen, es soll ein anderer schießen. Aber dafür bin ich nicht der Typ. Deshalb habe ich geschossen, auch wenn es gegen meinen alten Verein geht, mein eigentliches Zuhause, wo ich jahrelang gespielt habe.

bundesliga.de: Der Rückstand auf die UEFA-Cup-Plätze beträgt vier Punkte. Was ist für Bayer noch in der Bundesliga möglich?

Helmes: Wir haben jetzt erst einmal ein Spiel gewonnen. Wir hatten die letzten fünf Spiele vorher nicht positiv bestritten, keines davon gewonnen. Das darf man nicht vergessen. Für uns war wichtig, endlich aus der kleinen Krise herauszukommen. Nächste Woche haben wir Bremen zuhause. Da müssen wir auch drei Punkte holen. Wenn uns das gelingt, sieht es wieder ein bisschen besser aus.

bundesliga.de: Bayer hat in der Hinrunde tollen Fußball geboten und gezeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Dann gab es den Einbruch in der Rückrunde. Wie kam es dazu?

Helmes: Wir haben es auch stellenweise in der Rückrunde gezeigt, oft ganz ordentlich gespielt, aber nicht die Punkte eingesammelt. Das müssen wir noch lernen.

bundesliga.de: Auswärts punktet Bayer wie ein Spitzenteam, auch in der Rückrunde wurden immerhin sieben Punkte in fünf Spielen eingefahren. Das Problem sind die "Heimspiele" in Düsseldorf.

Helmes: Das wirkt jetzt wegen der Ergebnisse so. Wir haben zuhause schon ganz ordentliche Spiele gezeigt. Wir wissen auch, dass wir nicht immer so spielen können wie im Pokalspiel gegen die Bayern (das Bayer 4:2 gewann, die Red.).

bundesliga.de: Eine andere Option für Bayer ins internationale Geschäft einzuziehen, ist der Pokal, in dem die Mannschaft bereits das Halbfinale erreicht hat.

Helmes: Beides ist gleich einfach. Wir haben noch acht Spieltage. Da gibt es noch einige Punkte zu holen. Wir schreiben die Liga natürlich nicht ab. Es ist eine schöne Nebensache, über den DFB-Pokal in den UEFA-Cup zu kommen. Aber wir wollen es auch sportlich in der Bundesliga schaffen.

bundesliga.de: Gegen Köln haben Sie Ihren 18. Saisontreffer markiert. Ist die Torjägerkanone ein Thema für Sie?

Helmes: So lange noch acht Spiele sind, ist sie immer ein Thema.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski.