Nur einen Punkt holte Borussia Mönchengladbach gegen das Tabellenschlusslicht aus Karlsruhe. Im Interview erklärt "Fohlen"-Trainer Hans Meyer warum er über dieses Ergebnis trotzdem nicht unglücklich ist.

Frage: Hans Meyer, beim Karlsruher SC hat in den letzten 14 Tagen jeder das Spiel gegen Borussia als Endspiel im Abstiegskampf angekündigt. Entsprechend groß war bei den Gastgebern gestern Abend die Enttäuschung. Gibt es auch bei Borussia eine Spur von Enttäuschung, dass es nicht zu einem Sieg gereicht hat?

Hans Meyer: Lässt man mal das Wunschdenken vom großen Befreiungsschlag beiseite, dann muss man sich in so einem Spiel auch mal mit einem Punkt zufrieden geben. Wir sind gewiss nicht in der Situation, zu irgendeinem Auswärtsspiel in der Bundesliga zu fahren und zu sagen: Heute wäre alles andere als ein Sieg eine Enttäuschung. Ich habe ehrlich vor diesem Spiel etwas Bammel gehabt, denn ich weiß, dass es kompliziert ist, zu einem Gegner zu fahren, der fast jede Woche gute Spiele macht, aber mit den Ergebnissen nicht belohnt wird. Und wenn dann noch dazukommt, dass der Mannschaft seit Wochen vorgerechnet wird, seit wie vielen Minuten sie ohne Tor ist, dann macht das die Sache noch unangenehmer. Fakt ist: Wir haben mit dem Unentschieden einen unserer direkten Konkurrenten im Abstiegskampf auf Distanz gehalten. Der KSC bleibt fünf Punkte hinter uns und wenn man die Reaktionen der Karlsruher hört, dann weiß man, dass ihnen das weh tut.

Frage: Bielefeld, Bochum und Cottbus haben verloren - mit einem Sieg hätte Borussia die Abstiegsplätze verlassen. Muss man dieser Chance nicht nachtrauern?

Meyer: Natürlich ist es schöner, wenn man auf die Tabelle schaut und sich auf Platz 15 findet als wenn man 16. ist. Aber ich habe vor dem Spiel gesagt, dass wir bei einer Niederlage nicht abgestiegen sind und bei einem Sieg den Klassenerhalt noch nicht sicher haben. Ich bleibe dabei: Die Sache wird sich erst am letzten Spieltag entscheiden.

Frage: Mit dem Ergebnis sind Sie also nicht unzufrieden. Wie sieht es mit der Leistung der Mannschaft aus?

Meyer: Mir haben ein paar Dinge nicht gefallen. Im Defensivverhalten stimmte die Zusammenarbeit von Abwehr, Mittelfeld und Angriff in einigen Situationen nicht. Und bei den sechs, sieben guten Kontergelegenheiten, die wir hatten, haben wir unsere Angriffe nicht ordentlich zu Ende gespielt. Aber auch hier muss man den Zusammenhang sehen: Wir haben in den letzten zwei Wochen neun Nationalspieler auf Reisen gehabt und konnten eigentlich erst ab Freitag normal mit dem kompletten Kader trainieren. Und wir mussten in Rob Friend und Marko Marin zwei Spieler ersetzen, die in dieser Saison für die Hälfte unserer Tore mitverantwortlich waren.

Frage: Roberto Colautti hat Rob Friend ersetzt, er hat zum ersten Mal seit längerer Zeit in der Startelf gespielt. Wie hat er es gemacht?

Meyer: Roberto ist ein anderer Spielertyp als Rob. Er ist eher der unauffällige Stürmer, der auf seine Chancen lauert. Und er war zweimal zur Stelle, hat einmal mit seinem Kopfball die Latte getroffen und ist in der zweiten Szene nach dem schönen Zuspiel von Alex Baumjohann wegen angeblicher Abseitsstellung vom Schiedsrichter zurückgepfiffen worden. Ich weiß ja, dass Rob von vielen Fans und auch von Teilen der Medien oft sehr kritisch gesehen wird. Aber was er für uns Wert ist, sieht man, wenn er nicht dabei ist.