Gelsenkirchen - Bei den beiden Gegentoren war er machtlos, beim Freistoß von Superstar Cristiano Ronaldo hingegen zeigte Timon Wellenreuther ebenso wie in einigen anderen Szenen sein ganzes Können.

Der Youngster im Tor des FC Schalke 04 war bei der 0:2-Niederlage gegen Real Madrid einer der Gewinner im königsblauen Trikot. Nach dem Spiel verriet der 19-jährige Europapokal-Debütant im Interview, wie es während der Partie in seinem Innern aussah und wie er den Weltfußballer nervös gemacht hat.

Frage: Timon Wellenreuther, wie hat sich Ihr erstes Spiel in der Champions League angefühlt?

Timon Wellenreuther: Lange habe ich nicht gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Ich war direkt da. Ich habe mich natürlich gefreut, spielen zu können und habe diese Partie sehr genossen. Ich bin stolz, dass ich in der Champions League dabei war.

"Innen brodelt es immer bei mir"

Frage: Sie wirkten trotz Ihrer Unerfahrenheit extrem ruhig.

Wellenreuther: Ich will der Mannschaft helfen. Und das geht besser, wenn man als Torhüter eine gewisse Ruhe ausstrahlt, als wenn man nervös im Tor steht und Angst hat, irgendetwas zu machen. Ich bin da eher ruhig und gelassen, zumindest nach außen. Innen brodelt es immer bei mir. Das darfst du dann nur nicht so zeigen. Nach außen bleibe ich daher immer ein bisschen cooler.

Frage: Nach dem Spiel konnten Sie dann auch noch ganz cool ein bisschen mit Reals Keeper Iker Casillas plaudern.

Wellenreuther: Wir sind nach dem Spiel aufeinander zugegangen und haben uns gegenseitig gratuliert. Ich habe ihm zum Sieg gratuliert, er mir zu einer guten Leistung. Dann haben wir die Trikots getauscht.

Frage: In der ersten Spielhälfte konnten Sie einen der gefürchteten Freistöße von Cristiano Ronaldo parieren. Was ist in Ihnen vorgegangen, als er sich den Ball zurecht gelegt hat?

Wellenreuther: Man sieht natürlich seine Show, die er vor dem Freistoß abzieht. Aber natürlich hat man auch Respekt vor Ronaldo. Den Ball will man dann einfach nur halten, das ist so wie bei jedem anderen Freistoß auch.

"Ich bin immer optimistisch"

Frage: Später stürmte Ronaldo dann in den Strafraum, Sie sind mutig rausgekommen…

Wellenreuther: Na klar muss ich da rauskommen und den Winkel verkürzen. Dadurch habe ich Ronaldo auch ein bisschen nervös gemacht. Er hat sich den Ball dann zu weit vorgelegt und ist mit ihm ins Aus gelaufen.

Frage: Beim Kopfballtor von Ronaldo waren Sie dann aber doch machtlos?

Wellenreuther: Ich habe Cristiano gar nicht richtig gesehen, als die Flanke nach innen kam. Nur aus dem Augenwinkel. Er ist perfekt hochgesprungen, hat ihn gut reingeköpft. Da war für mich nichts zu machen.

Frage: Wie sehen Sie jetzt nach der 0:2-Niederlage die Schalker Chancen im Rückspiel?

Wellenreuther: Wir hätten uns ein besseres Ergebnis gewünscht, aber mit dem 0:2 ist noch nichts verloren im Rückspiel. Ich habe noch Hoffnung, weiterzukommen. Ich bin immer optimistisch.

Frage: Und wie optimistisch schätzen Sie Ihre eigene Position auf Schalke künftig ein?

Wellenreuther: Ich weiß meine Rolle hier auf Schalke einzuordnen. Ich bin die Nummer drei unter den Torhütern. Vor mir sind hier zwei sehr gute Torhüter. Aber ich gebe jeden Tag Gas und versuche, immer besser zu werden.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte