Er ist so etwas wie das Stehauf-Männchen im Tennissport. Immer wieder wurde Nicolas Kiefer von langwierigen Verletzungen zurückgeworfen. Immer wieder gelangen dem deutschen Davis Cup-Spieler ganz erstaunliche Comebacks.

Das Jahr 2008 schloss der 31-Jährige als drittbester Deutscher auf Platz 38 in der Weltrangliste ab. Der zweimalige Tennis-Mannschaftsweltmeister und Olympische Silbermedaillengewinner (2004 in Athen im Doppel mit Rainer Schüttler) bereitet sich momentan in Thailand auf seine 13. Profi-Saison vor.

Doch auch eine andere Ballsportart hat sein Herz erobert: Fußball. Im Gespräch mit bundesliga.de berichtet Kiefer von seinen eigenen Erfahrungen auf dem Fußballplatz, verrät seinen Lieblingsverein und sagt, was ihm beim Fußball besser gefällt als beim Tennis.

bundesliga.de: Für welchen Verein schlägt Ihr Herz und wie ist es dazu gekommen?

Nicolas Kiefer: Das ist bei mir ja kein Geheimnis, dass mein Herz für Hannover 96 schlägt, ja eigentlich sogar pocht! Das begann bei mir schon in früher Kindheit, als ich mit meinem Vater und meinem Bruder die Heimspiele besucht habe. Inzwischen ist die Beziehung viel enger geworden, weil ich mit 96-Spielern befreundet bin und ja sogar schon zwei Mal bei Freundschaftsspielen zum Einsatz kam.

bundesliga.de: Wie kam es dazu?

Kiefer: Aufgrund der persönlichen Beziehungen war es im Verein bekannt, dass es mein größter Traum war, einmal für 96 auflaufen zu dürfen. Bei einem Benefizspiel war es dann soweit. Ich bekam von 96 eine Anfrage, ob ich da mitspielen wollte. In der zweiten Hälfte hat mich der damalige 96-Trainer Ewald Lienen eingewechselt, und ich habe dann sogar in der 60. Minute nach einer Flanke von Silvio Schröter ein Kopfballtor erzielt. Alle Mitspieler kamen auf mich zugerannt und haben mit mir gejubelt. Ich bin dann abends mit meinen Freunden erstmal feiern gegangen. Eine Woche später rief mich Ewald Lienen wieder an und sagte: "‘Kiwi‘, morgen wird's wieder ernst." Da hatte ich wieder eine große Chance, doch diesmal ging der Ball daneben. Auf den Rängen haben sie dann gelästert: "Im Tennis haut er die Bälle ins Netz und im Fußball daneben."

bundesliga.de: Sie haben dann auch anschließend bei einigen Tennisturnieren ein Trikot mit der Nummer 69 getragen?

Kiefer: Genau. Eigentlich wollte ich die 96, aber die war geschützt. Dann haben wir die Zahl einfach umgedreht. Das Trikot gab es dann sogar im Fanshop zu kaufen. Die 69 ist bei 96 noch heute "meine Nummer".

bundesliga.de: Haben Sie in der Hinrunde Spiele im Stadion verfolgt?

Kiefer: Wann immer ich Turnierpause hatte und in Hannover war, war ich natürlich im Stadion und habe meine Rolle als Glücksbringer gut ausgefüllt. So habe ich unter anderem die Spiele gegen den HSV, die Bayern und Gladbach gesehen. Wenn ich mich recht erinnere, war ich bei keiner Niederlage im Stadion.

bundesliga.de: Welche Spiele der Hinrunde sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Kiefer: Da fallen mir natürlich spontan der 1:0-Supersieg gegen die Bayern und das überzeugende 3:0 gegen den HSV ein. Würde meine Mannschaft immer so spielen, stünden sie im Kampf um einen UEFA-Pokal-Platz.

bundesliga.de: Warum sind Sie Fan der Bundesliga?

Kiefer: Grundsätzlich bin ich Fußballfan, weil im Fußball zwei Merkmale zum Tragen kommen, die ich im Tennissport eher vermisse: Teamgeist und Kollegialität. Im Tennis gibt es eigentlich nur Einzelkämpfer. Dafür gibt es beim Fußball manchmal ganz schön auf die Socken. Aber wer sich in Eins-gegen-Eins-Situationen durchsetzt, kann etwas erreichen.

bundesliga.de: Was hat Ihnen an der Hinrunde am besten gefallen?

Kiefer: Da muss ich nicht lange überlegen: die Rolle von 1899 Hoffenheim ist schon sensationell. Ich gratuliere unserem Ex-Trainer Ralf Rangnick.

bundesliga.de: Wer hat Sie in der Hinrunde überrascht?

Kiefer: Auch hier sticht Hoffenheim positiv heraus. Auf der negativen Seite werde ich jetzt nicht 96 nennen, dafür Stuttgart, Bremen und Schalke, die alle irgendwie unter ihren Möglichkeiten geblieben sind.

bundesliga.de: Was erwarten Sie von der Rückrunde?

Kiefer: Die Aufholjagd meiner 96er bis in die obere Tabellenhälfte und dass Bayern und Hoffenheim am Ende die Champions League-Plätze belegen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski