Köln - Der erfolgreichste Trainer der Bundesliga-Historie wird 80. Am heutigen Freitag feiert Udo Lattek seinen runden Geburtstag. Die Bundesliga gratuliert dem Coach, der als einziger Trainer acht Deutsche Meisterschaften gewinnen konnte (siehe Infografik) .

Einen großen Empfang zu Ehren des Jubilars wird es heute schon aus gesundheitlichen Gründen nicht geben. Nach einem Schlaganfall lebt der an Parkinson erkrankte Lattek in einem Pflegeheim nahe des Kölner Doms, wo er auch von seiner Ehefrau Hildegard gepflegt wird. Aus der Öffentlichkeit hat er sich bereits seit geraumer Zeit zurückgezogen. Der Geburtstag wird heute im kleinen Rahmen mit der Familie und einigen Bekannten begangen.

Alle drei Europapokale gewonnen

In seiner aktiven Zeit gehörte der 1935 im ostpreußischen Landkreis Sensburg geborene Lattek zu den besten und erfolgreichsten Trainern der Welt. Mit dem FC Bayern München (6) und Borussia Mönchengladbach (2) gewann er acht Mal die Deutsche Meisterschaft und drei Mal den DFB-Pokal. Insgesamt konnte er 15 nationale und internationale Titel holen.

Der größte davon war der Gewinn des Europapokals der Landesmeister mit dem FC Bayern München 1974. Durch ein 1:1 und ein 4:0 im Wiederholungsspiel gegen Atletico Madrid holten die Bayern damals als erster deutscher Club den Landesmeisterpokal. Später erreichte er mit Borussia Mönchengladbach (1977, 1:3 gegen den FC Liverpool) und den Münchnern (1987, 1:2 gegen den FC Porto) noch zweimal das Finale, scheiterte aber jeweils. Dafür gehört er zu einer nur kleinen Auswahl an Trainern, die alle drei Europapokale in ihrer Karriere stemmen konnten. Mit Gladbach holte er 1979 den UEFA-Pokal, mit dem FC Barcelona 1982 den Europapokal der Pokalsieger.

"Er war einer der modernsten Trainer Europas und hat den Fußball geprägt wie kaum ein anderer nach ihm", würdigte etwa Bundestrainer und Weltmeister-Macher Joachim Löw den Jubilar. "Vor seinen Erfolgen kann man sich nur verneigen."

Abitur statt Landwirtschaftsschule

Dabei wäre die größte deutsche Trainerkarriere beinahe schon in Jugendjahren verhindert worden. Denn Latteks Vater wollte ihn auf die Landwirtschaftsschule schicken, statt Abitur machen zu lassen. Der Filius setzte sich jedoch durch, studierte anschließend Mathematik und Physik auf Lehramt an der Uni Münster. Danach arbeitete Lattek, der unter anderem beim VfL Osnabrück in der Regionalliga gespielt hat, als Sportlehrer am Gymnasium. Nebenbei machte er bei Hennes Weisweiler die Fußballlehrerlizenz. Und wurde von diesem Bundestrainer Helmut Schön (Foto Mitte) als Assistenztrainer der Nationalmannschaft empfohlen. Von 1965 bis 1970 war Lattek Schöns Co-Trainer, nahm 1966 an der WM in England teil.

Anschließend heuerte der FC Bayern auf Drängen von Franz Beckenbauer den jungen Coach an. Der Beginn der größten deutschen Trainerkarriere. Insgesamt knapp neun Jahre (1970-1975 und 1983-1987) war Lattek Coach in München, ist mit 299 Spielen und 184 Siegen bis heute Rekordtrainer des Clubs. Zwischen seinen beiden Engagements an der Isar gewann er mit Borussia Mönchengladbach zwei Meistertitel und den UEFA-Cup sowie mit dem FC Barcelona den Europapokal der Pokalsieger und den spanischen Pokal. Zudem war er zwei Jahre bei Borussia Dortmund tätig.

Der blaue Pulli bleibt legendär

1987 wechselte Lattek auf den Posten des sportlichen Leiters beim 1. FC Köln. Zufällig trug er beim ersten Saisonspiel, einem 1:1 beim Karlsruher SC, mitten im Hochsommer einen blauen Pullover. Von Journalisten darauf angesprochen, deklarierte er den , den er erst wieder ausziehe, wenn der FC ein Spiel verliert. Köln blieb bis zum 15. Spieltag ohne Niederlage, und der blaue Pulli ging in die Geschichte ein. 1992 kehrte er noch einmal für eine Saison auf die Trainerbank des FC Schalke 04 zurück. Und als Borussia Dortmund 2000 in großer Abstiegsgefahr steckte, ließ er sich noch einmal zu einem Engagement überreden: Im Duo mit Matthias Sammer führte er den BVB in den letzten drei Spielen zu sieben Punkten und damit dem Klassenerhalt.

Kultstatus bei den Fans hat Lattek zudem durch sein insgesamt 16 Jahre langes Mitwirken im „Doppelpass“ von Sport1 erlangt. Als Experte nahm er nie ein Blatt vor den Mund, eckte auch mit so manchem Protagonisten in der Liga an. Nie jedoch auf Dauer. „Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich mehr richtig als falsch gemacht habe“, hat Lattek zu seinem 75. Geburtstag über sich selbst gesagt. Eine Einschätzung, die sicherlich auch heute noch Bestand hat.

Tobias Schild

Die große Infografik zu Udo Lattek