Von 1987 bis 1996 spielte Bjarne Goldbæk für den FC Schalke 04, den 1. FC Kaiserslautern, TeBe Berlin und den 1. FC Köln. Goldbæk wurde mit dem FCK Pokalsieger und Deutscher Meister. Später spielte er unter anderem beim FC Chelsea und beim FC Fulham. Seine Karriere beendete der Däne, der 28 Mal für sein Land spielte und bei der WM 1998 und der EURO 2000 dabei war, bei Rot-Weiss Essen. Heute ist Goldbæk lizenzierter Spielerberater und arbeitet als Bundesliga-Experte bei Eurosport Skandinavien. Während der WM 2010 wird er regelmäßig für bundesliga.de über die Endrunde schreiben.

Das Viertelfinale ist komplett und die vier von mir am stärksten eingeschätzten Mannschaften sind noch dabei: Argentinien, Brasilien, Spanien und Deutschland. Länder wie Uruguay und Paraguay haben sich den Einzug unter die letzten Acht natürlich mit viel Herz und Leidenschaft verdient. Aber sie haben auch von dem Scheitern großer Fußball-Nationen profitiert. Bei Frankreich lag es eindeutig am Trainer, am schlechten Trainer Raymond Domenech. Ein guter Trainer hätte diese negativen Strömungen längst erkannt und hätte dagegen gesteuert.

Aber reden wir lieber über die Länder, die uns Freude machen. Spanien hat mir sehr imponiert. Sie haben es geschafft, eine extrem defensive portugiesische Mannschaft laufen zu lassen und haben geduldig auf ihre Chance gewartet. Nach dem 1:0 haben sie weiter klar dominiert, das ist ein Zeichen großer Klasse. Diese Mannschaft hat eine extreme Ballsicherheit und es ist fast schon als Kunst zu bezeichnen, was Xavi und Iniesta mit dem Ball anstellen.

Die Brasilianer sind individuell eine Klasse für sich. Das kennt man seit vielen Weltmeisterschaften. Sie sind ganz sicher in der Lage, sich auch noch zu steigern, wenn es nötig ist. Sie sind dazu aber noch viel robuster geworden. Ihre Abwehr um Lucio und Maicon ist absolute Weltklasse. Wenn ich zwischen der deutschen und der brasilianischen Abwehr wählen könnte, würde ich eindeutig die brasilianische nehmen. Das ist fast schon paradox, denn jahrelang war die Abwehr das deutsche Prunkstück und welcher brasilianische Ballzauberer hat früher schon gerne hinten gespielt?

Dafür haben die Deutschen im Spiel nach vorne Qualitäten entwickelt, die sie früher nicht hatten. Sie spielen heute schöner als die Holländer oder Spanier. Das hat im Ausland viel Anerkennung und endlich auch Sympathie eingebracht: Es macht Spaß, den Deutschen zuzuschauen. Auch die Bundesliga wird im Ausland immer interessanter. Es zahlt sich aus, dass nicht diese Wahnsinnsgehälter wie in anderen Ligen gezahlt werden. Dass alle deutschen Nationalspieler in der Bundesliga spielen, spricht für sich.

Aber kann diese junge deutsche Mannschaft jetzt gegen Argentinien bestehen? Ich glaube ja, ich glaube an das Halbfinale! Die deutsche Elf sollte wieder versuchen, das Spiel zu machen und mit möglichst wenigen Stationen nach vorne zu spielen. Sie hat den Vorteil, dass sich fast alle Spieler auch gut mit nach vorne einschalten können: Ob es die "Sechser" Schweinsteiger und Khedira oder die Außenverteidiger sind. Hier würde ich links aber lieber Marcell Jansen sehen.

Ich finde, dass sich Deutschland und Argentinien in mancher Hinsicht ähneln. Beide Mannschaften wirken absolut homogen, ja fast schon verschworen. Wir alle können die Trainer-Fähigkeiten von Maradona schlecht einschätzen, aber er vermittelt eine unheimliche Energie und Lebensfreude auf seine Spieler. Probleme haben beide Mannschaften in der Innenverteidigung gezeigt, am meisten wackelt Martin Demichelis. Er war bisher in jedem Spiel für einen "dicken Bock" gut.

Und wie sollte Deutschland mit Messi umgehen? Ich halte nichts von einer strikten Manndeckung. Das würde das eigene Spiel zu sehr beeinflussen. Schweinsteiger und Khedira werden ihn sicher von Anfang an früh stellen und bei der Ballannahme spürbar stören. Wenn Messi mit dem Ball am Fuß Tempo aufnehmen kann, bekommt jede Abwehr Probleme. Ich freue mich riesig auf dieses Spiel, von dem ich Tore erwarte und bei dem es auch richtig zur Sache gehen wird.

Ihr

Bjarne Goldbæk