München - Die Bundesligisten melden sich an diesem Wochenende zurück im Pflichtspieleinatz. Ab Freitag (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) kämpfen die 18 Erstligisten um das Weiterkommen im DFB-Pokal. Schwere Aufgaben haben dabei Bayer Leverkusen (bei Dynamo Dresden) und der FC Bayern (bei Eintracht Braunschweig) erwischt. Auch auf den VfL Wolfsburg wartet in Leipzig kein leichtes Spiel.

bundesliga.de hat mit dem dreimaligen Pokalgewinner Klaus Augenthaler über die kniffligsten Begegnungen der 1. Runde gesprochen

bundesliga.de: Herr Augenthaler, Sie haben in Ihrer Karriere den DFB-Pokal drei Mal gewonnen. Welches Endspiel ist Ihnen spontan am besten in Erinnerung geblieben?

Klaus Augenthaler: Ich erinnere mich vor allem an unser Pokalendspiel mit dem FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg in Frankfurt 1982. Damals lagen wir 0:2 zur Halbzeit hinten, und bei dem sensationellen Weitschusstor von Reinhold Hintermaier aus 35 Meter sah ich schlecht aus. Wir haben das Spiel aber noch gedreht, Dieter Hoeneß hat mit blutigem Turban noch ein Tor geköpft. Das vergisst man nicht. Auch das gewonnene Endspiel zwei Jahre später gegen Borussia Mönchengladbach ist mir noch in guter Erinnerung, obwohl ich im Elfmeterschießen einen Elfer verschossen habe. Wie übrigens auch der damalige Borusse Lothar Matthäus, der anschließend zu uns wechselte.

bundesliga.de: Diese beiden Endspiele fanden noch in Frankfurt statt. 1985 zog das Finale dauerhaft nach Berlin um. Auch da waren Sie mit von der Partie.

Augenthaler: Stimmt. Ich habe noch zwei Endspiele in Berlin bestritten. Gegen Uerdingen verloren wir, gegen Stuttgart haben wir 1986 mit 5:2 gewonnen. Ausgerechnet der VfB hatte uns eine Woche zuvor zum Meister gemacht, als er am letzten Spieltag Werder Bremen besiegte und wir die Hanseaten noch abgefangen haben, obwohl wir 33. Spieltage nicht auf Platz 1 gestanden haben.

bundesliga.de: Welchen Stellenwert besitzt der Pokal heutzutage?

Augenthaler: Der Stellenwert des Pokals wurde in den letzten Jahren noch etwas aufgewertet, auch wenn er schon zu meiner aktiven Zeit sehr beliebt war.

bundesliga.de: Kommen wir auf die 1. Runde zu sprechen. In Dresden trifft Dynamo auf Ihren Ex-Verein Bayer Leverkusen. Wie stehen die Chancen auf eine Überraschung?

Augenthaler: Ich bin mit der SpVgg Unterhaching noch in der letzten Saison in Dresden gewesen. Dort steht nun ein neues Stadion, in dem eine fantastische Stimmung herrscht. Dynamo ist in die 2. Bundesliga aufgestiegen, hat sich gut verstärkt und einiges von der Euphorie mitnehmen können. Da wird sich jede Mannschaft schwer tun, auch Bayer Leverkusen. Heutzutage sind diese Pokalspiele immer auf des Messers Schneide. Man muss es als Bundesligist angehen wie ein Meisterschaftsspiel. Sonst kann man sein blaues Wunder erleben, wie mir das mit den Bayern auch ab und zu passiert ist. Ich denke nur an Weinheim, wo wir 1990 in der 1. Runde ausschieden.

bundesliga.de: Die Bayern müssen nach Braunschweig zum Tabellenführer der 2. Bundesliga. Auch keine leichte Aufgabe oder?

Augenthaler: Die Bayern werden wissen, was da auf sie zukommt. Das Stadion wird voll sein, die Eintracht hätte wohl auch 80.000 Eintrittskarten verkaufen können. Sie rechnet sich sicher eine Chance aus, erst recht nachdem Franck Ribery und Arjen Robben wieder einmal verletzt fehlen. Aber die Bayern werden Braunschweig ernst nehmen und weiterkommen.

bundesliga.de: Ihr anderer Ex-Verein, der VfL Wolfsburg, gastiert bei RB Leipzig, die mit Macht mittelfristig in die 2. Bundesliga wollen. Kann man den Erfolg mit viel Geld kaufen?

Augenthaler: Ich bin gespannt, ob in Leipzig die ehrgeizigen Pläne umgesetzt werden können. Es heißt ja: Geld schießt keine Tore. Aber auch: Qualität kostet Geld. Im ersten Jahr hat der Durchmarsch in die 3. Liga nicht funktioniert. Um aufzusteigen, muss auch immer alles passen. Das wird ein interessantes Spiel. Insgesamt verfolge ich die Partien aus neutraler Sicht und drücke, um ehrlich zu sein, auch den Underdogs ein bisschen die Daumen. Denn Überraschungen sind doch das Salz in der Suppe.

bundesliga.de: In der Meisterschaft wird ein Dreikampf um den Titel zwischen Dortmund, Leverkusen und den Bayern erwartet. Ist der BVB stark genug für die Titelverteidigung?

Augenthaler: Ich bin neugierig darauf, wie Borussia Dortmund sich in seiner Rolle als gejagter Club behaupten wird, ob sie stabil genug sind, den überraschenden Titelgewinn zu verkraften. Außer dem FC Bayern ist es ja nur wenigen Clubs gelungen, ihren Titel auch einmal zu verteidigen und zu zeigen, dass er kein Zufall oder Glück war. Mönchengladbach, der HSV und auch einmal Borussia Dortmund haben das bislang in der Bundesliga erst geschafft.

bundesliga.de: Wer könnte noch gefährlich werden?

Augenthaler: Mich interessiert sehr, wie Werder Bremen in dieser Saison nach der Minikrise im vergangenen Jahr auftritt. Wenn Spieler wie Naldo oder Per Mertesacker wieder zurückkommen, müssten sie eine bessere Rolle spielen. Auch die Entwicklung auf Schalke wird spannend werden, ebenso die Frage, ob Wolfsburg wieder durchstarten wird. Ich freue mich auf die neue Saison und werde das alles ganz entspannt verfolgen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski