Es ist vollbracht: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hat seinen Wunschspieler als Verstärkung für die Rückrunde gefunden.

Nach der offiziellen Bestätigung am Abend zuvor, wurde Kevin-Prince Boateng nun im Trainingslager im spanischen Marbella auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Kurz zuvor trainierte Boateng schon mit seinen neuen Mitspielern und feierte dabei einen Einstand nach Maß. Zusammen mit Nuri Sahin, Bajram Sandrijaj und Amateur Yasin Öztekin blieb Boateng in allen vier Partien siegreich. "Fußball-Tennis macht einfach Spaß", hielt sich Boatengs Freude in Grenzen. Schließlich gab es außer dem Sieg nichts weiter zu gewinnen.

Viel entscheidender war für Boateng die schnelle Integration ins Team. "Ich wurde herzlich empfangen. Einige Spieler, wie Sahin und Lee, kenne ich bereits. Ich trage alle Emotionen in mir, die mit Glück zu tun haben, und bin erleichtert, dass der Wechsel geklappt hat", sagte Boateng.

Zähes Ringen mit Tottenham

Dass sein Wechsel erst jetzt zu Stande kam, lag daran, dass sich der BVB und Tottenham Hotspur vor der Saison im Sommer noch nicht einigen konnten. Sportdirektor Michael Zorc plauderte zwar keine Einzelheiten aus, ließ aber durchblicken, dass es ein zähes Ringen mit den Engländern war.

"Es waren keine einfachen Gespräche mit Tottenham. Kevin selbst hat aktiv mitgewirkt und mitgeholfen, dass wir dieses Leihgeschäft zu den Konditionen erreicht haben, die für uns möglich sind. Tottenham hatte sich anfangs etwas anderes vorgestellt. Es gibt jetzt zwar eine Kaufoption, doch vorerst wollen beide Seiten - Spieler und Verein - prüfen, ob es miteinander funktioniert", so Zorc.

"Die perfekte Lösung"

Für Klopp besteht scheinbar kein Zweifel daran, dass die Beziehung zwischen Boateng und dem BVB nicht bloß eine Beziehung auf Zeit ist.

"Es ist die nahezu perfekte Lösung, weil wir einen Spieler gesucht und gefunden haben, der alle Positionen im Mittelfeld spielen kann, und der - aus unterschiedlichsten Gründen - topmotiviert sein wird und körperlich keine lange Anlaufzeit benötigen wird, weil er aus dem vollen Training kommt. Kevin verfügt über ein ordentliches Kopfballspiel, und die Fußballkultur leidet nicht, wenn er auf dem Platz steht. Für beide Seiten macht diese Verpflichtung Sinn. Wir hoffen alle auf eine Win-Win-Situation", freute sich Klopp.

Boateng reift in England

Boateng, der in der Vergangenheit nicht unbedingt als Musterprofi galt, weiß, "dass ich Fehler gemacht habe, die mich nicht unbedingt nach vorne gebracht haben."

Das soll sich nun ändern. Nach seinem Wechsel von Hertha BSC Berlin zu Tottenham in der Saison 2006/07 kam er lediglich zu 15 Einsätzen in der Premier League, in der Hinrunde der aktuellen Spielzeit reichte es gerade mal zu einem Kurzeinsatz. Meistens trainierte er sogar nur mit dem Reserve-Team.

Doch "die Zeit in England hat mich körperlich und auch menschlich reifer gemacht. Jetzt freue ich mich, einfach wieder Fußball spielen zu dürfen."

Große Ziele mit dem BVB

Mit dem nötigen Selbstbewusstsein ist der 21-Jährige bereits ausgestattet. "Ich will hier Gas geben. Borussia Dortmund ist ein großer Verein und hat eine gute Ausgangsposition für die Rückrunde. Ich möchte hier etwas erreichen", erklärte Boateng.

Nach der Pressekonferenz brachte er seine Gefühlslage dann vor den Journalisten noch einmal kurz und knapp auf den Punkt: "Ich bin wieder da!" Sprach er, und machte sich auf, mit seinen neuen Mitspielern den trainingsfreien Nachmittag zu verbringen.

Aus Marbella berichtet Michael Reis