Europameister, Champions-League-Sieger, Europas Fußballer des Jahres und Deutscher Meister: Matthias Sammer hat fast alles gewonnen, was der Fußball an Titeln bereithält.

1998 beendete der gebürtige Dresdener seine aktive Karriere und wurde Trainer in der Bundesliga. In der Saison 2001/02 fürhte er Borussia Dortmund zum Deutschen Meistertitel und war mit 34 Jahren jüngster Meistertrainer der Bundesligageschichte.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der aktuelle DFB-Sportdirektor darüber, wie es ist, als Spieler und Trainer zu arbeiten und erklärt, was er in zukunft an der Trainerausbildung in Deutschland noch verbessern möchte.

bundesliga.de: Matthias Sammer, herzlich Willkommen!
Was begeistert Sie bisher an der neuen Saison?

Matthias Sammer: Ich bin sehr begeistert von dem, was derzeit auf dem Feld passiert. Die Leistungen sind sehr ansprechend im Moment. Aber auch die Entwicklung bei den Zuschauern ist toll. Ich bin sehr begeistert.

bundesliga.de: Sie sind sowohl als Trainer als auch als Spieler Deutscher Meister geworden. Wie groß ist der Unterschied, Meister zu werden als Spieler, beziehungsweise als Trainer?

Sammer: Als Spieler kümmert man sich natürlich auch ein bisschen um die Mannschaft, aber in aller erster Linie ist das schon sehr Ich-Bezogen. Als Trainer bist du hingegen verantwortlich für das Ganze und ist der Trainerposten gerade von der nervlichen Anspannung her überhaupt nicht mit der Rolle eines Spielers zu vergleichen. Deshalb behaupte ich, die Konstellation für einen Trainer ist immer schwieriger als für einen Spieler.

bundesliga.de: Derzeit sorgen viele junge Trainer in der Bundesliga für Aufsehen. Jürgen Klopp in Dortmund, Jürgen Klinsmann in München. Wie sehen Sie diese neue Entwicklung und auch die Ideen, die damit kommen?

Sammer: Wir haben eine gute Struktur in Deutschland, an der wir aber weiter arbeiten müssen. Uns muss es gelingen, dass Lernwillige - egal ob Ex-Profi oder nicht - einen Ausbildungsweg gehen und Erfahrungen sammeln können. Das sollte nicht sofort im Spitzenbereich geschehen, sondern die angehenden Trainer sollten viele verschiedene Erfahrungen sammeln. Es muss eine Gesamtpersönlichkeit geschaffen werden, die es den angehenden Trainern erlaubt, irgendwann im Spitzenbereich arbeiten zu können. Momentan scheint mir unsere Struktur noch etwas instabil.

bundesliga.de: Aber Sie waren selbst ein sehr junger Trainer.

Sammer: Aber genau deshalb kann ich das so gut beurteilen. Jürgen Klopp und Jürgen Klinsmann sind herausragende Trainer, aber wir müssen auch aufpassen, dass wir sie nicht zu jung schon verbrennen! Ich bin mit 32 Jahren Trainer geworden, war mit 34 Meister, aber genau deshalb, weil ich das selber erfahren habe, spreche ich jetzt so sehr dagegen.

bundesliga.de: Und wo würden Sie ansetzen, um diese Verbesserung herbeizuführen?

Sammer: Wir müssen eine noch gesündere und auch inhaltlich noch bessere Struktur bekommen und über diese Qualitätsverbesserung auch den Stellenwert der Trainer innerhalb und außerhalb Deutschlands wieder besser transportieren. Der Trainer ist der Schlüssel!

bundesliga.de: Auffallend viele junge Spieler sind regelmäßig in der Bundesliga im Einsatz. Wie wichtig ist das für die Zukunft?

Sammer: Hier ist die gute Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund, also den Nationalmannschaften, und der Deutschen Fußball-Liga hervorzuheben. Der deutsche Fußball verfügt mittlerweile über Strukturen, die nachhaltig wirken werden, weil wir nichts anderes tun, als durch die Organisationsform, die wir gewählt haben, die Leistung der Spieler schon frühzeitig so zu beeinflussen, dass sie eine stetige Förderung bekommen.

bundesliga.de: 2005 haben sie beim VfB Stuttgart ihre Trainerkarriere in der Bundesliga beendet. Vorläufig oder endgültig?

Sammer: Ich würde sagen vorläufig, daraus kann aber endgültig werden.