Der Wechsel von Jermaine Jones von Frankfurt zu Schalke sorgte 2007 für großen Wirbel - vor allem im Eintracht-Fanlager. Das Thema schlug so hohe Wellen, dass sich der Profi veranlasst sah, sich im Frankfurter Fanforum zu Wort zu melden. Am Samstag feiert Jones ein brisantes Wiedersehen mit seinem Ex-Club (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio).

Von 2000 bis 2004 sowie von 2005 bis 2007 trug der heute 26-Jährige den Frankfurter "Adler" auf der Brust. Der gebürtige Frankfurter erlebte mit dem Club zwei Aufstiege und den Einzug in den UEFA-Pokal 2006. Er mauserte sich zur Führungs- und Identifikationsfigur und war vor seinem Wechsel nach Gelsenkirchen der Kapitän der Hessen.

Im zweiteiligen Interview mit bundesliga.de spricht Jermaine Jones über den Schalker Saisonstart, seinen Karriere-Sprung und Friedhelm Funkel, aber auch über die Turbulenzen seines Wechsels, seinen legendären Eintrag im Fanforum sowie die Schalker und Frankfurter Fans.

bundesliga.de: Der FC Schalke ist nach vier Spieltagen noch ungeschlagen, hat seine beiden Heimspiele gewonnen und auswärts jeweils einen Punkt geholt. Wie sind Sie mit dem Start zufrieden, Herr Jones?

Jermaine Jones: Ich bin zum großen Teil zufrieden. Natürlich ärgert es mich, gegen Dortmund die sicheren drei Punkte noch hergegeben zu haben, und dass wir uns mit einem Unentschieden zufrieden geben mussten. Schließlich waren wir bis zur 60. Minute die spielbestimmende Mannschaft und haben zurecht mit 3:0 geführt.

bundesliga.de: Ein herber Rückschlag für den selbsternannten Titelaspiranten Schalke?

Jones: Naja, so direkt sprechen wir nicht von der Meisterschaft. Wir wissen, dass wir eine Rolle im Kampf um den Titel spielen können, wenn wir konzentriert spielen. Wenn wir lange vorne dabei sind, dann ist alles möglich. In der letzten Saison haben wir auch oben mitgespielt, aber entscheidende Punkte liegen gelassen. Aus diesem Fehler haben wir gelernt. Genauso wie aus unserem Ausscheiden in der Champions League, für das wir jetzt büßen müssen. Darum werden wir uns in dieser Saison umso mehr den Hintern aufreißen, damit wir im nächsten Jahr wieder in der Champions League spielen können.

bundesliga.de: Fred Rutten übernahm das Traineramt bei Schalke vor der Saison. Was hat er Entscheidendes verändert?

Jones: So viel hat er nicht verändert. Es geht ihm aber um die Details. Er kommt von seiner Art als Mensch und Typ sehr gut bei der Mannschaft an. Und er versucht, uns wiederzugeben, was er selbst als Profi für Erfahrungen gemacht hat. Er lässt nach vorne spielen und den Ball laufen. Das brachte ja schon bei Twente Erfolg. Und im Vergleich zur Mannschaft vom letzten Jahr sind wir spielerisch noch stärker geworden.

bundesliga.de: Sie selbst blühen auf, seit Sie im Juli 2007 von Frankfurt nach Gelsenkirchen gewechselt sind. Sie haben sich schnell zum Schalker Stammspieler gemausert und in den Kreis der deutschen Nationalmannschaft gespielt. Wundern Sie sich manchmal, wie schnell es bergauf ging?

Jones: Nein. Ich weiß, dass ich das Zeug habe, mich überall durchzusetzen, wenn ich fit und gesund bin. Bei Schalke habe ich die Zeit bekommen, gesund zu werden, und das will ich mit guten Leistungen zurückgeben.

bundesliga.de: Sie sprechen es an: Im Gegensatz zu Ihrer Zeit bei Eintracht Frankfurt sind Sie auf Schalke bislang von schweren Verletzungen verschont geblieben. Haben Sie einen besonderen Lebenswandel vollzogen?

Jones: Nein. Ich denke, es liegt daran, dass ich in Frankfurt die eine oder andere Verletzung nicht richtig auskuriert habe, weil ich schnell zurück sein wollte, um der Mannschaft zu helfen. Das hat mich aber immer wieder zurückgeworfen. Als ich verletzt nach Schalke gekommen bin, habe ich mich bewusst zurückgehalten, kein Vorbereitungsspiel bestritten und stattdessen am Muskelaufbau gearbeitet. Das kommt mir jetzt zugute.

bundesliga.de: Am Samstag gibt es ein Wiedersehen mit Ihrem Ex-Club. Und mit Trainer Friedhelm Funkel, der Sie einst vom Stürmer zum defensiven Mittelfeldspieler umfunktioniert hat. Haben Sie ihm also Ihren Karriere-Sprung zu verdanken?

Jones: Klar bin ich ihm sehr dankbar. Ich habe es immer gesagt, dass ich mich mit ihm sehr gut verstehe und verstanden habe. Er hat mich aus Leverkusen als Stürmer zurückgeholt, und als wir mal viele Verletzte hatten, hat er mich im defensiven Mittelfeld ausprobiert. Dass es für mich auf der neuen Position so gut lief und noch läuft, darüber bin ich sehr froh. Und er war froh, weil ich für Frankfurt gute Leistungen gebracht habe.

bundesliga.de: Ist für Schalke ein Heimsieg gegen die Frankfurter Pflicht?

Jones: Mit unseren Ambitionen müssen wir den Anspruch haben, gegen Frankfurt zu gewinnen. Mit Schalke 04 musst du eigentlich jeden Gegner im eigenen Stadion schlagen wollen - egal, wer kommt. Aber es wird für uns kein leichtes Spiel. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass wir als Sieger vom Platz gehen werden, wenn wir unser Leistungsvermögen abrufen.

bundesliga.de: Die Eintracht steht aktuell auf dem 16. Platz. Sehen Sie die Frankfurter als Abstiegskandidaten?

Jones: Nein - und ich hoffe es auch nicht. Sie haben gute Fußballer in ihren Reihen mit Chris, Amanatidis, Köhler und Alex Meier. Die Frankfurter haben das Zeug, sich im Mittelfeld festzusetzen. Und das werden sie unter Trainer Funkel auch wieder schaffen.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie sich persönlich für die nähere Zukunft gesteckt?

Jones: Mit Schalke will ich in dieser Saison um die Meisterschaft mitspielen. Und darüber hinaus ist es mein Ziel, in der Nationalmannschaft so viel Einsatzzeit wie möglich zu bekommen. Und zwar nicht als 19. oder 20. Ich glaube, dass ich meine Chance bekommen werde, wenn ich fit und gesund bleibe.

Das Gespräch führte Thorsten Schaff

Lesen Sie morgen den zweiten Teil des Interviews, in dem Jermaine Jones über die Turbulenzen seines Wechsels, seinen legendären Eintrag im Eintracht-Fanforum und sein Verhältnis zu den Schalker und Frankfurter Fans spricht