Hamburg - Anlässlich der Verhandlungen über einen Wechsel von Kevin Schindler zum FC St. Pauli hatten der Sportdirektor der Hamburger, Helmut Schulte, und sein Bremer Kollege Klaus Allofs die Idee zu einem kurzfristigen Testspiel.

Schindler durfte dann auch gleich in Braun-Weiß und damit in seinen zukünftigen Farben ran. Aber die Augen nicht nur der 1.500 angereisten Werder-Fans unter den 7.324 Zuschauern am Milelrntor waren auf einen anderen Akteur gerichtet.

Schaaf will nichts überstürzen

Der Brasilianer Naldo war nach 458-tägiger Verletzungspause erstmals wieder für Werder Bremen am Ball. Und der Innenverteidiger machte seine Sache mehr als ordentlich. Als der Rückkehrer nach gut einer Stunde unter dem Applaus der Fans ausgewechselt wurde, führten die Bremer klar mit 5:2, danach kam der Tabellenführer der 2. Bundesliga noch auf 4:5 heran.

"Ich bin bereit", erklärte der 28-Jährige, der seine Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne kaum noch abwarten kann. Aber wann es so weit sein wird, "muss der Trainer entscheiden".

"Werden ihn Stück für Stück aufbauen"

Und der tritt auf die Euphoriebremse. "Ich habe gute Dinge gesehen, aber auch weniger gute. Zeitweise war er noch zu zaghaft", analysierte Thomas Schaaf den Auftritt seines Innenverteidigers.

"Wenn man so lange ausfällt, kann man nicht erwarten, dass man sofort wieder voll da ist. Es fehlt noch ein wenig. Wir werden ihn Stück für Stück aufbauen. Wir haben als Verein auch eine Fürsorgepflicht und dürfen nicht den Fehler machen, ihn zu früh zu bringen", sagte Schaaf und machte dem Brasilianer damit wenig Hoffnung auf einen Einsatz am Samstag gegen Freiburg.

Im Interview spricht Naldo über das Testspiel, seinen Fitnesszustand und seine Hoffnungen für die Bundesliga.

Frage: Sie waren 458 Tage nicht am Ball. Wie fühlen Sie sich?

Naldo: Ich bin einfach nur glücklich, endlich wieder spielen zu können.

Frage: Wie geht es Ihnen nach dem ersten 60-Minuten-Einsatz?

Naldo: Es gab keine Probleme. Ich habe keine Schmerzen gespürt. Körperlich bin ich in einer guten Verfassung. Das macht mich besonders glücklich.

Frage: Spüren Sie, dass Sie im Training oder heute im Spiel eventuell unterbewusst oder reflexartig zurückziehen aus Angst vor einer erneuten Verletzung?

Naldo: Das kann ich nicht feststellen. Ich spiele so, wie ich immer gespielt habe.

Frage: Bei wie viel Prozent ihrer Leistungsfähigkeit sind Sie schon wieder angekommen?

Naldo: Das kann ich in Prozenten nicht beschreiben. Es wird von Tag zu Tag noch besser werden.

Frage: Wie sieht es nach einer so langen Pause mit dem Spielerischen aus? Stellungsspiel, Zusammenspiel mit den Nebenleuten...

Naldo: Es ist klar, dass das nicht auf Anhieb funktionieren kann. Das kommt mit der Praxis.

Frage: Wann werden wir Sie denn in der Bundesliga sehen?

Naldo: Natürlich ist ein Bundesligaspiel etwas ganz anderes als das Spiel heute, aber ich bin bereit. Ob es bereits am Wochenende der Fall sein wird oder später, das muss der Trainer entscheiden.

Frage: Die Fans forderten Sie, als es einen Strafstoß für Werder gab. Aber den haben Sie ebenso wenig geschossen wie Freistöße in Strafraumnähe, obwohl das doch eine Spezialität von ihnen ist.

Naldo: Es freut mich, dass die Fans das gefordert haben, aber Sandro Wagner wollte den Elfer unbedingt schießen. Und das ist okay so. Bei Freistößen bin ich heute nicht aufgerückt. Ich habe mich ganz auf meine Aufgabe als Innenverteidiger konzentriert, Tore zu verhindern.

Frage: Haben Sie während der langen Verletzungszeit je an ein Karriere-Ende gedacht?

Naldo: Nicht einen Moment. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich wiederkomme. Meine Frau und meine Freunde haben mir die Kraft gegeben. Dafür bin ich sehr dankbar.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs