Sechs Spieltage vor Saisonende war der FC Schalke 04 noch Tabellenerster, am Ende musste man doch dem FC Bayern den Vortritt lassen. Unter dem Strich aber steht eine Saison, in der Felix Magath mit einer Mischung aus gestandenen Profis und unbekannten Youngstern den Club zurück nach Europa und sogar in die Champions League geführt hat.

Eines der jungen Talente, das der Trainer dabei aus dem Hut zauberte, ist Lukas Schmitz. Bei bundesliga.de erklärt der 21-Jährige, was die Schalker so stark gemacht hat, welche Rolle die Fans dabei spielen und warum sich die Mannschaft jetzt auch in Europa nicht verstecken muss.

bundesliga.de: Lukas Schmitz, Sie sind Vizemeister: Wie fühlt es sich an, mit so einem Titel dekoriert zu sein?

Lukas Schmitz: Das fühlt sich ohne Zweifel richtig gut an. Aber ich muss auch zugeben, dass es gerne noch etwas mehr hätte sein können. Ich hätte gern am letzten Spieltag noch ein echtes Endspiel gehabt mit der Chance auf den Titel. Aber auch so freue ich mich jetzt schon auf die Champions League. Das wird noch einmal eine richtige Belohnung für diese Spielzeit und für unseren Vize-Titel.

bundesliga.de: Sie haben angesprochen, wie knapp es in diesem Jahr war für Schalke. Wie groß war denn der Ärger über den verpassten Titel?

Schmitz: Im Grunde ärgere ich mich immer noch! Mit der Niederlage zuhause gegen Bremen ist schon ein gewisser Frust aufgekommen. Aber es hilft nicht, immer weiter nachzukarten. Wir hätten das Spiel halt gewinnen müssen.

bundesliga.de: Auch ohne Meistertitel hat Schalke viel mehr erreicht, als dem Verein vor der Saison jemand zugetraut hätte. Was war aus Ihrer Sicht das Erfolgsgeheimnis?

Schmitz: Wir haben sehr kompakt gestanden, vielleicht waren wir sogar die kompakteste Mannschaft der ganzen Liga. Die Bayern haben ihre Stärke vor allem aus den Fähigkeiten ihrer Einzelspieler gezogen. Wir waren sehr kompakt, haben die wenigsten Gegentore kassiert, und das hat uns sehr stabil gemacht.

bundesliga.de: Schalkes Offensivspiel hingegen wurde zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem auf gefährliche Standardsituationen reduziert. Ärgert Sie das?

Schmitz: Letztlich kann man das so nicht sagen, weil wir ja nicht nur durch Standardsituationen erfolgreich waren. Aber warum sollte ich mich überhaupt ärgern? Über 34 Spieltage konstant gute Leistungen zu bringen, fängt immer mit einer guten Defensive an. Dass wir manchmal Probleme hatten, selbst das Spiel zu machen, steht außer Frage. Wenn wir uns da noch verbessern, können wir in der neuen Saison vielleicht noch mehr herausholen.

bundesliga.de: Also können Sie auch nachvollziehen, dass Felix Magath trotz der Vizemeisterschaft kritisiert hat, das Schalker Spiel sei nicht die Art Fußball, wie er ihn sich vorstellt?

Schmitz: Wir wissen selbst, dass wir nicht in jedem Spiel überzeugt haben. Aber ich denke schon, dass wir in mehreren Spielen auch guten Fußball gezeigt haben. Und das zeigt, dass wir es können. Ich glaube nicht, dass der Trainer uns die Qualität abspricht. Er mahnt nur an, dass wir nicht immer das gezeigt haben, was wir können. Das gilt es in der neuen Saison zu verbessern.

bundesliga.de: Mit Spielern wie Moritz, Matip oder auch Ihnen selbst hat Schalke mit Erfolg auf eine ganze Reihe junger Spieler gesetzt. Sind Sie selbst überrascht, dass es so gut geklappt hat?

Schmitz: In der Bundesliga scheinen immer öfter junge Spieler in ihren Mannschaften wichtige Rollen zu übernehmen. Natürlich ist es gerade für junge Spieler schwierig, immer konstant zu spielen. Aber das sollte trotzdem unser Anspruch sein, in jedem Spiel! Bei uns hat einfach alles zusammengepasst in diesem Jahr. Wir sind immer als Einheit aufgetreten. Das hat es den jüngeren Spielern leicht gemacht, sich zurecht zu finden. Es war unheimlich schwer, gegen uns Tore zu erzielen. Und wir waren immer fit und konnten 90 Minuten Gas geben. Daher war es extrem schwer, uns zu schlagen und wir konnten auch nach einem Rückstand noch zurückkommen und punkten.

bundesliga.de: Ist die Kraft zum Saisonende etwas ausgegangen?

Schmitz: Das glaube ich nicht. Aber natürlich gilt auch bei uns, dass Siege Kräfte freisetzen. Auf der anderen Seite fällt man auch mal in ein Loch, wenn die Siege ausbleiben. Am Ende hat aber das eine verlorene Spiel gegen Bremen den Unterschied im Titelkampf ausgemacht. Ich glaube nicht, dass wir ein Kraftproblem hatten.

bundesliga.de: Hat Schalke über die gesamte Saison immer am Limit gespielt?

Schmitz: Wir haben sicherlich eine recht konstante Saison gespielt und viele Spiele gewonnen. Aber Partien wie in Leverkusen oder in der Hinrunde in Bremen haben gezeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt.

bundesliga.de: In der Hinrunde gab es in den Spielen gegen den HSV, Bayer und Bayern nacheinander drei Remis. War das ein Moment, indem man realisiert, dass man mit den hoch gehandelten Clubs mithalten kann?

Schmitz: Auf jeden Fall! Wenn man da nicht verliert, steigert das das Selbstvertrauen enorm. Auch wenn die Punkteausbeute mit drei Punkten aus drei Spielen überschaubar war, war uns ab diesem Zeitpunkt klar, dass wir uns auch vor solchen Teams nicht verstecken müssen.

bundesliga.de: Die erfolgreiche Saison ist natürlich eng mit dem Namen Felix Magath verbunden. Kann man den Anteil des Trainers am Erfolg in Zahlen fassen?

Schmitz: Sein Anteil ist natürlich sehr groß. (lacht) Auch für mich persönlich hat er eine besondere Rolle gespielt, schließlich hat er mich zum Profi gemacht. Ich bin ihm persönlich sehr dankbar, dass es sich für mich und für die Mannschaft so entwickelt hat. Ich glaube, kein anderer Trainer wäre mit dieser Mannschaft Vizemeister geworden.

bundesliga.de: Die Stärke der Mannschaft ist ein Aspekt, die des Trainers ein anderer. Und dann gab es noch einen dritten Faktor für den Schalker Erfolg: die Fans.

Schmitz: Unsere Fans sind unglaublich. Wie sie uns nach der Heimniederlage gegen Bremen und dem Ende der Meisterträume trotzdem gefeiert haben, ist einmalig! Ohne diese Unterstützung wäre es sicher nicht möglich gewesen, so eine Saison zu spielen.

bundesliga.de: War es auch eine der größten Leistungen dieser Spielzeit, dass die Mannschaft den Schulterschluss mit den Fans wieder geschafft hat?

Schmitz: Ich habe die kritischen Phasen in den Vorjahren nicht selbst miterlebt. Seit ich mit den Profis trainiere und spiele, war das Verhältnis eigentlich immer gut. Es ist einfach beeindruckend und hilft uns sehr, wenn die Gegner in unserem Stadion vor so einer Atmosphäre auflaufen müssen.

bundesliga.de: Schalke hat sich jetzt für die Champions League qualifiziert und darf sich demnächst mit den Großen Europas messen. Muss sich das Gesicht des Kaders dafür verändern?

Schmitz: Für eine Mannschaft ist es immer gut, wenn man einzelne Positionen noch verstärken kann. Das macht einen Verein noch schlagkräftiger. In der nächsten Saison haben wir mit Meisterschaft, Pokal und Champions League eine größere Belastung als in diesem Jahr. Aber ich denke, dass der Trainer einen Kader zusammenstellen wird, mit dem wir uns auch in Europa nicht verstecken müssen.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte