Hamburg - Thomas Kessler ist die unbestrittene Nummer eins am Millerntor. Der 24-Jährige beerbte zu Saisonbeginn Routinier Mathias Hain im Tor des FC St. Pauli und besticht durch seine unaufgeregte, abgeklärte Art.

Beim 2:2-Unentschieden gegen Freiburg hielt er in der 11. Minute einen Elfmeter gegen Goalgetter Papiss Cissé. Bei bundesliga.de spricht er über den Ärger über den verpassten Sieg nach zweimaliger Führung, Luft nach oben und den Glauben an sein Team.

bundesliga.de: Herr Kessler, Sie haben früh in der Partie einen Elfmeter gehalten. Trotzdem hat es nur zu einem Punkt gereicht. Was überwiegt, Freude oder Ärger?

Thomas Kessler: Ich freue mich immer sehr, wenn ich der Mannschaft helfen kann. Grad auf diesem Niveau in der Bundesliga, es ist mein erster gehaltener Elfmeter in dieser Klasse. Ein schönes Ereignis, mir wäre es aber lieber gewesen, ich hätte ihn rein bekommen und wir hätten gewonnen. So ärgere ich mich, dass wir zwei Tore schießen und trotzdem nur einen Punkt mitnehmen.

bundesliga.de: Kurz nach dem gehaltenen Elfmeter fiel das 1:0 durch Marius Ebbers, eigentlich eine schöne Dramaturgie, oder?

Kessler: Das war eine tolle Situation, erst der gehaltene Elfer und in dieser Phase fällt auch noch das 1:0 für uns. Das war gut für die Stimmung. Nach 90 Minuten haben wir das Spiel aber nicht gewonnen, das ist schade.

bundesliga.de: Haben Sie bei dem Elfmeter spekuliert oder waren Sie gut vorbereitet?

Kessler: Natürlich hatte ich mir ein paar Strafstöße von Cissé angeschaut, es gehört aber auch immer ein Quäntchen Glück dazu.

bundesliga.de: Der ist aber dennoch zum Matchwinner gewonnen mit zwei Toren. Wie haben Sie die Gegentreffer gesehen?

Kessler: Es waren eigentlich zwei lange Bälle, die er verwerten konnte. Ich glaube nicht, dass die Freiburger gegen uns gut nach vorne gearbeitet haben. Wir sind aber zwei Mal zu spät gekommen. Ein Spieler wie Cissé hat aber die Qualität, dann die Tore zu machen, dafür ist er bekannt, das wussten wir.

bundesliga.de: Ein ähnliches Phlegma wie sooft also in der Hinserie, gut mitgehalten zu haben, aber nicht die volle Ausbeute mitgenommen zu haben?

Kessler: Ja, es ist eigentlich unter dem Strich zu wenig. Im Vorfeld wurde ja viel diskutiert, dass wir zu wenig treffen, neue Stürmer brauchen. Der Verein hat aber genau den richtigen Weg gewählt und uns Spielern vertraut. Es freut mich sehr, dass mit Ebbers und Gerald Asamoah zwei Stürmer wieder getroffen haben. Schade aber, dass wir keine drei Punkte geholt haben.

bundesliga.de: Viel Aufwand also, zu wenig Ertrag: Woran liegt es denn genau?

Kessler: Unser Problem ist, dass wir uns immer wieder durch Kleinigkeiten aus der Bahn werfen lassen. Wir haben den Gegner eigentlich gut zugestellt, Freiburg hat schon schöner heraus gespielte Treffer erzielt. Die Gegentore waren also zu einfach. Es ist immer dasselbe Lied: Wenn man vorne zwar trifft, aber hinten nicht bei den Leuten steht, passiert so etwas eben. Das ist bitter.

bundesliga.de: Anderseits ist Cissé natürlich auch ein eiskalter Vollstrecker…

Kessler: Da müssen wir uns nicht drüber unterhalten. Wir wissen aus der Erfahrung vergangener Spiele, wie gute Stürmer in dieser Liga funktionieren, was Leute wie Cissé können. Der braucht wenig Raum, da fallen Tore, die wären in der 2. Bundesliga letztes Jahr nicht gefallen. Wir müssen trotzdem bei uns selber gucken, es schaffen, schnellstmöglich unsere Fehler abzustellen. Ich denke aber, dass wir die Klasse haben. Wir müssen einen Tick aufmerksamer sein, dann funktioniert das.

Das Gespräch führte Martin Sonnleitner