Stockholm/Berlin - Zlatan Ibrahimovic hatte schon alle Fragen nach seiner außergewöhnlichen Form und den EM-Chancen des schwedischen Teams beantwortet, als die Sprache doch noch auf das brisante Gerücht kam. Ob es denn stimme, dass er im Sommer vom AC Mailand zu Paris St. Germain wechseln werde, wollte ein Journalist wissen. Ibrahimovic verschränkte die Arme, erlaubte sich ein kurzes Grinsen und antwortete freundlich: "Nein, nein, nein. Ich habe in Mailand einen Vertrag und bin dort glücklich. Es gibt in Europa viele Gerüchte, aber da ist nichts dran."

Es gab schon Zeiten, in denen ein Journalist beim Stellen einer solchen Frage im besten Fall böse Blicke als Antwort bekommen hätte. Doch Ibrahimovic (30) präsentiert sich vor dem EM-Auftakt der Schweden am Montag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) in Kyiw gegen den Co-Gastgeber Ukraine umgänglicher denn je. Zum einen scheint der sonst so launischen Diva das Kapitänsamt gut zu tun, zum anderen ist Ibrahimovic derzeit in Top-Form - und allein schon deshalb gut gelaunt.

Dreh- und Angelpunkt



Das bewies der Angreifer auch beim 2:1 (1:1) des Drei-Kronen-Teams am Dienstag im letzten Testspiel gegen Serbien. Weniger, weil er den Siegtreffer per Foulelfmeter (52.) erzielte, sondern weil er als hängende Spitze den Ball fast immer haben wollte und damit auch immer etwas anzufangen wusste. "Er wird immer besser und besser. Man kann sagen, dass das gerade sein Spiel ist. Er ist wirklich, wirklich gut im Moment", schwärmte Schwedens Nationaltrainer Erik Hamren.

Ibrahimovic ist zweifellos der Fixpunkt im schwedischen Spiel. Druck verspürt "Ibrakadabra" deswegen aber nicht, er kann den Startschuss zur Europameisterschaft kaum noch erwarten. "Jetzt wird es ernst, und das fühlt sich großartig an", sagte Ibrahimovic: "Die besten Spieler Europas sind bei diesem Turnier, wegen so etwas spiele ich Fußball."

Ibrahimovic lobt Mitspieler



Dass der in Malmö geborene Stürmer mit bosnisch-kroatischen Wurzeln auch zu den Besten seines Fachs zählt, ist kein Geheimnis. Die herausragende Saison beim AC Mailand mit 28 Treffern in 32 Spielen hat den Torschützenkönig der Serie A noch selbstbewusster gemacht - und begehrter. Laut schwedischer und italienischer Zeitungen soll Paris St. Germain bereit sein, 40 Millionen Euro Ablöse für Ibrahimovic zu zahlen. Der soll jedoch keine Lust auf die französische Ligue 1 haben.

Bei der EM in Polen und der Ukraine könnte der Angreifer seinen Marktwert weiter erhöhen. Dafür braucht er jedoch ein funktionierendes Team um ihn herum, das scheint Ibrahimovic im Vergleich zu den vergangenen großen Turnieren gelernt zu haben. Auffällig häufig schwärmt er von seinen Mitspielern und der "fantastischen Stimmung" in der Kabine. Auch nach dem Spiel gegen Serbien lobte der Kapitän: "Alle haben einen guten Job gemacht. Zum EM-Start sollte alles perfekt sein."

Neben der Ukraine warten in der Vorrunde die Turnier-Mitfavoriten England (15. Juni) und Frankreich (19. Juni) auf das schwedische Team. "Wir haben keine einfache Gruppe, aber wir haben es in die Endrunde geschafft, weil wir gut sind. Wir brauchen uns nicht zu verstecken", sagte Ibrahimovic.